Zitat von Blind-Meg: Dieses ganze Konzept "Hilfe, ich darf nicht bedürftig rüberkommen" (obwohl ich es bin? Oder wie geht der Satz weiter?) ist und bleibt für mich mehr RedFlag als das, was "ihr" mit Bedürftigkeit meint, was faktisch Abhängigkeit bedeutet.
Aber da liegt doch der Springende Punkt. Es gibt Menschen, die für ihre Bedürfnisse einstehen können, ohne sagen zu müssen „Hilfe ich will nicht bedürftig wirken“, weil sie eben nicht bedürftig sind und keine Verhaltensmuster entwickelt haben, die ihre Bedürfnisse unterdrücken sollen, dafür aber authentisch und dieser Gedanke gar nicht erst aufkommt, weil die Bedürfnisse eben normal sind.
Es ist ja nicht so, dass das Bedürfnis etwas schlechtes oder bedürftiges ist, sondern die Art es auszudrücken, aufgrund der Erwartungshaltung.
Ein Bedürfnis nach etwas haben, bedeutet ja erstmal, dass man etwas erfüllen möchte in dem Moment, was man sich dann gern erfüllt, fürs eigene „Seelenwohl“. Sei es nun, der von euch erwähnte soziale Kontakt. Denn ja, das ist den meisten Menschen ein Bedürfnis, diesen zu haben. Mir auch. Ich liebe die Zeit mit meiner Familie, Freunden etc. Ich unterdrücke dieses Gefühl aber nicht, ich nehme es an und wenn ich meinen besten Kumpel vermisse, dann frag ich ihn ob er Zeit hat. Bedürfnis angenommen und erfüllt. Check
✔ Ich unterdrücke es nicht, wodurch dann die Erwartungshaltung entsteht, dass mir mein gegenüber gefälligst Aufmerksamkeit schenken soll, denn schließlich müsste mein bester Kumpel mich ja genauso vermissen und von selbst drauf kommen, denn wenn ich das jetzt sage, enttarne ich ja mein Gefühl des Vermissens und das macht mich völlig unsicher. Dann schmolle ich, weil meine Erwartung nicht erfüllt wurde. Also nur als Beispiel.
Du projizierst deine Gefühle auf andere und machst dich abhängig von ihrem Verhalten. Unterdrückst deine Bedürfnisse, oder suchst nach der „Erfüllung“, mit erhöhtem Druck, weil dir etwas fehlt, wofür du nicht einstehen kannst. Angenommen du findest dann einen Menschen, der deine Bedürfnisse erfüllt, dann siehst du die Person als Retter und idealisierst. Resultat: Du bist bedürftig.
Wenn ich aber nicht bedürftig bin, dann, na klar, ist es dennoch schön, wenn man füreinander da ist. Denn wie wir ja bereits festgestellt haben, ist das Bedürfnis nach Verbundenheit zu anderen Menschen völlig normal und nichts was man leugnen müsste. Ich sehe die Person aber nicht als meinen Retter, der dafür verantwortlich ist, dass es mir gut geht und das all meine Bedürfnisse stets erfüllt durch ihn sind und ich erwarte nichts mit Druck. Ich mache mich aufgrund meiner Bedürftigkeit nicht abhängig. Eins resultiert wohl aus dem anderen.
Da kann man jetzt auch über Abhängigkeit und Bedürftigkeit diskutieren. War letztendlich aber nicht der ursprüngliche Punkt.