Jeanny75
Gast
ich komme gerade überhaupt nicht weiter und denke, dass es mir vielleicht helfen würde mir alles von der Seele zu schreiben und eure Gedanken dazu zu hören.
Mein Freund (46) und ich (44) sind seit ca. 9 Monaten zusammen. Wir lernten uns über ein Internetportal kennen, und hatten zuerst eine eher unverbindliche Affäre. Ich war Single, er, wie er mir nach ca. 8 Wochen gestand, allerdings nicht. Er war seit 14 Jahren in einer festen Beziehung. Ich wollte daraufhin alles beenden und leitete deshalb eine Kontaktsperre ein, die ich allerdings nicht lange durchhielt und er auch nicht. Wir waren sehr verliebt und er beendete schließlich seine Beziehung und zog dann quasi sofort bei mir ein. Eigentlich war das nicht das, was wir beide wollten, aber es ergab sich einfach so dass er jeden Tag zu mir kam, einen Schlüssel bekam und sich dann nach und nach komplett in mein Leben integrierte. eigentlich aber mehr als "Gast", denn er hat bis heute nicht seine Sachen aus der Wohnung seiner Ex geholt und hat auch noch immer einen Schlüssel.
Wir verbrachten einen wunderschönen Sommer, verbrachten viel Zeit zusammen und er hing sogar noch mehr an mir als ich an ihm, so kam es mir vor. Täglich unzählige Nachrichten, mehrere Telefonate, in Nächten wo er mal nicht bei mir war konnte er nicht schlafen. Wir klebten regelrecht zusammen, und obwohl ich wusste dass das kein "gesunder" Dauerzustand sein konnte war es einfach nur schön und ich habe die Nähe genossen. Ich fragte mich schon länger wie das alles auf Dauer weitergehen soll, denn sein komplettes Leben (Arbeit, Freunde, Familie) befindet sich in seiner Heimatstadt, über 100 km entfernt. Er fuhr also jeden Tag rund 200 km, nur um bei mir zu sein, vernachlässigte seine Arbeit (er ist selbstständig), seine Familie, Hobbies und Freunde. Aber ich war nicht die treibende Kraft, er wollte es so. Es war, als wolle er mich in "sein" Leben aber nicht hineinlassen, ich habe nie seine Eltern kennengelernt und nur einige wenige seiner Freunde.
Mitte November veränderte sich etwas. Wir hatten keine Konflikte, keinen Streit. Er geriet unter Druck weil er seine Arbeit vernachlässigt hatte und bis zum Jahresende eine endlos scheinende To-do-Liste abzuarbeiten hatte. Es ging ihm schlecht, ich hatte immer wieder angeboten zu helfen, aber er wollte das nicht. Schließlich zog er sich von einen Tag auf den anderen völlig zurück, kam nicht mehr bzw. kaum noch zu mir, schraubte den Kontakt auf ein Minimum zurück und begann, alles, auch unsere Beziehung, in Frage zu stellen. Er sagte mir bei unserem letzten Gespräch, dass ihn das so sehr mitnahm, dass er zuerst gar nicht in der Lage war zu arbeiten, obwohl er wusste dass er es muss. Dazu kam noch das schlechte Gewissen, weil er wusste wie weh er mir mit seinem Rückzug tat. Die einzige Möglichkeit die er hatte war mich komplett "auszublenden", was für mich furchtbar war.
Nun läuft es so schon seit rund 6 Wochen. Er meldet sich fast täglich von sich aus, wir telefonieren alle paar Tage, sehen uns vielleicht 1x pro Woche. Er will sich nicht trennen, weiß aber nicht ob und wie es weiter gehen soll mit uns. Ich denke dass es gut wäre wenn er sich um eine eigene Wohnung kümmert - er schläft momentan im Büro - und auch er ist der Meinung, dass er sich erstmal wieder ein eigenes Leben aufbauen muss. Ich verstehe ihn, er hat damals alles einfach stehen und liegen gelassen und sich in eine Beziehung mit mir gestürzt, und wir beide wollten wahrscheinlich zu schnell zu viel, darin sind wir uns einig. Ich habe 3 Kinder, Haustiere und arbeite, und auch das ist ein Punkt. er weiß nicht, ob er das schafft, ob er bereit ist diese Verantwortung mit zu tragen. Es ist schon ein ganzes "Paket" was an mir mit dranhängt, und ich weiß das.
Ich verstehe ihn also, wirklich und von ganzem Herzen und ich kann ihm nicht mal böse sein. Das Problem ist, dass es mir trotzdem seit 6 Wochen richtig schlecht geht. Ich kann weder essen noch richtig schlafen, und habe von 52kg, was eh schon wenig ist, auf 45kg abgenommen. Ich vermisse ihn mit jeder Faser meines Körpers, und es schmerzt so sehr nicht zu wissen wie es weiter geht. Gleichzeitig will ich ihn mit meinem Schmerz - der ja neutral gesehen mein Problem ist und nicht seins - nicht noch zusätzlich belasten und noch weiter von mir weg treiben. Ich muss wegen meiner Kinder weiter funktionieren und darf nicht einfach heulend am Küchentisch sitzen, obwohl mir danach zumute ist. Nun sind die Kinder für eine Woche bei ihrem Vater und ich klappe total zusammen. Dinge die mir Freude machen und die ich sonst immer tue wenn es mir nicht gut geht (laufen, reiten, Kraftsport usw.) kann ich nicht machen weil ich durch die Gewichtsabnahme körperlich so schwach bin. Ich stecke in einem Teufelskreis fest und habe gerade das Gefühl, nichts kann mir helfen. Druck auf ihn ausüben kann und will ich nicht, und aktuell habe ich das Gefühl dass mir der verbliebene Kontakt mehr schadet als hilft. Er hat mir heute früh geschrieben, und ich weiß nicht ob ich antworten soll weil ich dann wieder auf Nachricht von ihm warte und das kann dauern. Vielleicht wäre es besser alles zu beenden und eine Kontaktsperre einzuleiten, damit wir beide erstmal wieder klar kommen, jeder für sich? Vielleicht meldet er sich ja nur noch, weil er es nicht übers Herz bringt die Sache endgültig zu beenden? Was denkt ihr? Ich grübele und grübele und komme nicht weiter.
Danke fürs Zuhören und vielleicht hat jemand ja aus eigener Erfahrung einen Tipp für mich.
J.

