Zitat von nettie10: Ist das nicht ein gutes Therapie-Thema!
Ich habe ihm sehr dabei geholfen bzw. war maßgeblich daran beteiligt, dass Anton die Medikation bekommt. In Fact: ich verschreibe sie ihm.
Die Übernahme von in der Kindheit erlernten Verhaltensweisen, die man ins Erwachsenenleben mitnimmt, ist bzw. wäre für jeden ein Thema. Es kann ein Gewinn sein, sich zu erinnern und zu erkennen, was man unbewusst aufgenommen und verankert hat.
Nicht nur für ihn wäre es ein Therapiethema, sondern auch für Dich.
Es ist zu einer Mama-Sohn-Beziehung geworden. Mama ist grantig, unzufrieden, weil der kleine Rotzlöffel, den sie natürlich dennoch liebt, wieder mal seine getragenen Socken im Wohnzimmer liegen lässt. Mama weist ihn darauf hin und erzielt keine Resonanz, denn er mauert und glänzt durch Ignoranz. Dann wird Mama heftiger, sie will ihn erziehen, sie wird unbequem und er mauert entweder weiter oder widerspricht und begehrt auf.
Das wiederum macht Mama noch wütender und auch enttäuschter, weil sie zu dem in sich verkapselten Söhnchen keinen Zugang findet.
Die Wogen glätten sich, aber der eigentliche und unaufgelöste Konflikt schwelt weiter vor sich hin und entzündet sich bei einer andere Begebenheit.
Und so eiern zwei Menschen, die sich eigentlich gut tun sollten, vor sich hin und finden keine Lösung.
Was meinte denn Euer schlauer Paartherapeut seinerzeit dazu? Würde mich echt interessieren.
Solange beide ihr gewohntes Programm abspulen, wird sich nichts ändern.
Und er weigert sich kategorisch, etwas zu ändern und die gewohnte Komfortzone zu verlassen. Ach, Mama macht das schon. Sie regt sich wieder mal mächtig auf, aber im Grund genommen muss ich nur warten, bis sie ihre Energie abgelassen hat. Weiter wie gehabt.
Da Du Dich erfolglos an ihm abarbeitest, wird er immer bequemer. Du machst ja im Grund genommen doch alles, sorgst sogar dafür, dass Dein kleines Sorgenkind Medikamente bekommt und nimmt.
Das Euer Sxleben tot ist, ist klar, denn welcher Sohn f... schon Mama?
Da er sich nicht bewegt, stehst Du auf verlorenem Posten und das wiederum macht Dich wütend, weil Du gegen seine innere Mauer nicht ankommst.
Du hast wahrscheinlich schon früh gelernt, dass Du Dich kümmern musst, dass Du das Pferd über den Acker ziehen musst. Du bist der Prototyp einer tüchtigen, alles im Blick habenden Frau, die das Ding schon schaukeln wird. Und er steht daneben, denkt sich, prima, sie übernimmt ja alles. Also lehne ich mich bequem zurück und lass sie machen. Dass sie sich dann wieder aufregt, ist zwar störend, aber das gibt sich auch wieder.
Verändere Du was. Hör auf, hinter ihm herzuräumen. ich weiß wie schwer das ist, aber eigentlich ist es das einzige Mittel. Anstatt daheim zu sitzen und wieder mal grummelnd den Geschirrspüler auszuräumen, geh raus. Triff Dich mit Mädels, zieht um die Häuser, habt Spaß. Er kann derweil ja daheim Fernseh schauen. Lass ihn spüren, dass Du nicht alles still oder auch laut übernimmst, denn Du bist nicht seine Mama. Aber Du hast eine Art Mutter-, eine Betreuerinnenrolle übernommen und er verharrt in seiner lethargischen Sohnrolle. Soll sie schimpfen, wettern - das beruhigt sich auch wieder.
Stelle einfach Dich in den Vordergrund und mache Dir ein schönes Leben, auch ohne ihn. Wenn Du etwas veränderst, kann er sich auch verändern. Er lernt es nicht durch Streitereien, durch Worte, durch Sticheleien und letztendes durch Abwertung.
Die Idee der getrennten Wohnung ist an sich sehr gut. Soll er seinen Saustall allein aufräumen und Du gestaltest Deine Wohnung, wie Du Dich wohl fühlst. Aber das bedeutet natürlich höhere Kosten und die Wohnungssuche ist nicht leicht.
Du kannst versuchen, ihn aus seiner Sohnrolle zu lösen, indem Du nicht mehr die Funktion seiner Mama übernimmst. Ein Söhnchen, ein unfähiges und unfertiges Bübchen, das sich mit dem Seelenmüll nicht befassen will (zu viel Angst vor unbequemen Erkenntnissen mit daraus resultierender Verweigerung), fühlt sich nicht auf Augenhöhe mit Dir. Du stehst in der Beziehung eigentlich über ihm. Das spürt er und rutscht in die Rolle des Bübchens, weil kein Platz für seine Rolle als Mann ist.
Ich kann Dir nur raten, versuche Du etwas zu bewegen. Wenn Du etwas änderst, wird er es merken und vielleicht kapieren, dass es fünf vor zwölf ist.
Wenn Ihr das nicht schafft, wird die Beziehung zerbrechen, weil beide aufgeben und nur noch ausgelaugt sind.
Zitat von nettie10: doch er sieht es als belastend an - ihm fällt es aber sehr schwer, sich einer fremden Person zu öffnen. Er findet, er habe damals keine guten Worte gefunden oder war mit den Fragen überfordert - dafür schämt er sich. Ich fand es nicht so schlimm, aber er hat eine wahnsinnige Angst vor Ablehnung/ vermeintlicher schlechter Bewertung.
Er möchte nicht versagen. Nicht mal vor dem Therapeuten. Er blockt ab, hat Angst sich zu öffnen. Und er war mit den Fragen überfordert und dann schämt er sich, weil er sie nicht beantworten konnte.
Es kann auch sein, dass der Therapeut keinen Zugang zu ihm fand. Beide müssen sozusagen miteinander können, aber wenn er kein Vertrauen fassen kann und dann einfach nur zumacht, verdient nur der Therapeut daran - und zwar Geld.
Und nicht jeder Th passt zu jedem Patienten.
Das ist eigentlich seine Angelegenheit, dann lass sie doch bei ihm. Du kannst ihn nicht zwingen, nicht drängen, also lass ihn. Vielleicht kommt er von selbst drauf, dass ein wenig externe Expertise nicht das Schlechteste wäre, daber dazu ist sein Leidensdruck nicht hoch genug. Also verharrt er wo er ist.
Ich würde auch nicht nach einer Therapie fragen oder fragen, was damals war oder eben nicht war. Es ist ein wenig - ich finde den richtigen Ausdruck nicht - wieder wie eine Bemutterung. Was war denn damals, was hast Du gefühlt, empfunden, gesagt, ws hat er geraten? Seine Therapie ist seine und nicht Deine. Sei ein wenig diskreter, denn schon wieder ist er mit der Schilderung seiner damaligen Erfahrung quasi ein Versager, der es nicht gebracht hat, der die Fragen nicht beantworten konnte. Weil sie ihm vielleicht Angst machten oder weil der Therapeut die falschen Fragen gestellt hat.
Und auch der Glaube an eine Therapie als Heilmittel und Kittung einer vertrackten Beziehung ist Nonsens, Jetzt machen wir mal eine Therapie und dann wird das wieder. So manche Therapien läuten eher das Ende einer Beziehung ein, weil es zunächst sogar noch schlimmer werden kann. Wenn Du ihn in eine Therapie lotsen willst, drängst Du ihn wieder in die Rolle des versagenden Mannes, der es allein nicht schafft. Du gibst ihm damit zu verstehen, dass er unfähig ist, sein Leben zu leben und dass er jetzt gefälligst mal zu Potte kommen soll. Lass das sein, das entmündigt ihn. Gib ihm Raum und Zeit, das für sich zu klären.
Überhaupt mal vertrauen. Vertrau darauf, dass auch er ein Interesse daran hat, die Beziehung fortzuführen. Wenn Du jetzt erkennbar Deine Kümmerrolle verlässt, bekommt er vielleicht Raum und Zeit das für sich zu entscheiden. Vielleicht sucht er sich dann ja wieder einen Therapeuten. Und wenn ja, dann frage ihn bitte nicht aus, denn es geht Dich nichts an. Was in einer Sprechstunde besprochen, beweint oder auch belacht wird, bleibt dort. Mit den Ergebnissen kann er vielleicht weiter kommen. Vielleicht macht er auch keine Therapie. Dann lass es, es ist seine Entscheidung und davor solltest Du auch Respekt haben. Er musst das nicht tun, nur weil Du es meinst.
Wenn ihr so weiter macht, dann verlierst Du den Respekt vor ihm und damit gewinnt er nichts außer der Überzeugung, dass er eh nichts bringt. Du kannst auch sein spärliches Selbstwertgefühl nicht aufpäppeln, denn es ist nicht Deine Baustelle, sondern allein seine. Trau ihm doch einfach mal zu, dass er besser mit sich klar kommt, ohne dass Du ihn bemutterst oder forderst oder in ihn dringen willst.
Ich hoffe, es ist noch nicht zu spät für Euch, aber die Karre steckt im Dreck. Lass sie doch einfach mal dort stehen. Vielleicht zieht er sie raus, vielleicht auch nicht, vielleicht lasst ihr sie beide stehen und steigt auf ein anderes Fahrzeug um oder ihr fahrt getrennt weiter. Entspann Dich einfach mal, mach Dein Ding, lenke die Aufmerksamkeit auf Dein Wohlergehen und lass ihn einfach machen. Damit er an Selbstbewusstsein gewinnt, braucht er Freiraum und Zeit, aber keine Forderungen, die nur wieder Enge aufkommen lassen. Wo kein Licht hinkommt, wächst kein Pflänzchen.
Und nach Weihnachten sagst Du: Du, es war ein tolles Weihnachtsfest mit Dir und den Eltern, wir haben uns doch bestens amüsiert. Es war so schön. Aber jetzt muss ich mit Sandra dringend zum Mädelsabend. Das brauch ich jetzt einfach, denn Du weißt ja, Frauen quatschen gerne miteinander. Und derweil - ich will dich ja nicht drängen - aber ich fände es toll, wenn Du derweil den Geschirrspüler ausräumen könntest. Also mach Dir einen gemütlichen Abend und ich mach mir auch einen schönen Abend. So um 11 bin ich spätestens wieder da.
Zeig ihm durch Nichtstun, durch Nicht-gut-zureden-wollen, dass Du ihm zutraust, seine Probleme anzugehen. Und du kannst derweil über Deine nachdenken.