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Schlechtes Gewissen gegenüber meiner Frau

M
Hallo @Harel,

schön, dass du hergefunden hast. Ich bin sicher, du bekommst hier einige gute Ansätze, um zu reflektieren.

Was schon mal gut ist: Du hast deine Fehler eingesehen und ihr arbeitet daran. Das Vertrauen deiner Frau kommt nicht über Nacht zurück, sondern erst mit der Zeit. Das Problem bei sowas ist, dass die Aussagen oft widersprüchlich sind. Einerseits sagst du, du wolltest es nicht, andererseits hast du es aber so weit zugelassen. Das Vertrauen wird wiederkommen, wenn sie merkt, dass du es ernst meinst und du nicht mehr „in die Falle tappst.“

Zitat von Harel:
Da es Zuhause sehr stressig war, ich seit Jahren an Depressionen u.a. litt und es auch bei der Arbeit nicht wirklich gut lief

Erster Punkt, an dem du für dich selbst arbeiten kannst: Suche dir Möglichkeiten zur Stressreduktion. Wenn es darum geht, mit jemandem zu reden, der dich anhört, kann auch ein Therapeut die richtige Stelle sein. Ich sage es immer so: Ich bemühe mich, meinem Partner zwar immer zuzuhören, aber alles kann ich leider auch nicht richten. Bei Zahnschmerzen beispielsweise kann ich auch keine Wurzelbehandlungen durchführen, dafür gibt es entsprechende Experten und Hilfe. So sehe ich es auch bei psychischen Belastungen. Bis zu einem gewissen Grad kann man als Partner unterstützen, aber nicht alles richten. Vielleicht nimmt das ein wenig Druck raus, dass deine Frau tut, was sie kann, aber nicht „böse“ ist, wenn sie es nicht schafft.

Zitat von Harel:
Ohne Vorwarnung hat sie mich plötzlich geküsst, gerade als ich mich umdrehte.

Da gebe ich dir recht, das war eine Grenzüberschreitung. Ich vermute, sie hat die Signale falsch gedeutet. Es ist auch dein recht, ihr das deutlich zu machen.

Zitat von Harel:
Ohne Vorwarnung hat sie mich plötzlich geküsst, gerade als ich mich umdrehte. Ich war so perplex und wie erstarrt,

Dass du erstarrt warst, ist keine unübliche Reaktion. Ich wurde einmal belästigt und habe gar nicht so reagiert, wie ich gewollt hätte. Das war einfach der Schock und im Nachhinein weiß man es besser. Also mache dir hier keinen Vorwurf mehr.

Was ich aber nicht nachvollziehen kann:
Zitat von Harel:
ich habe sie aus Angst und mit viel Ekel ein paar Mal kurz auf den Mund geküsst und in einem Arm gehabt.

Du hast ihr somit eindeutige Signale gesendet, dass du offen für ihre Annäherung bist. Und hier ist aus meiner Sicht der zweite Punkt, an dem du arbeiten könntest: deine Grenzen festlegen und diese dann auch durchziehen! Man muss sagen, dass dich ehrlicherweise niemand gezwungen hat, sie erneut zu treffen, obwohl du diese Ekelgefühle bereits zuvor hattest. Wie gesagt, ist blöd gelaufen und ich denke, du kannst auch daran für dich arbeiten.

Zitat von Harel:
Ich wollte nie etwas von ihr, hatte es auch nie zu ihr gesagt. Im Gegenteil.

Deine Handlungen zeigten leider ein anderes Bild. Auch wenn du es nicht laut ausgesprochen hast, so hast du ihr doch Signale gegeben, es anders zu verstehen. Zumindest interpretiere ich es so, wenn du sie in den Arm nimmst und auf den Mund küsst. Werde dir darüber klar, dass auch du eindeutig hier verantwortlich bist, nicht nur deine Bekanntschaft. Sonst frisst dich das Gefühl noch auf und du schiebst ihr alles zu. Wichtig ist, dass du es erkannt hast, denn jetzt hast du den Vorteil, dass es nicht nochmal passieren muss. Aber du solltest auch ein Stück weit Verantwortung dafür übernehmen.

Zitat von Harel:
Meine Frau und ich haben viel aufgearbeitet, unsere Beziehung ist klarer und respektvoller als zuvor.

Das freut mich sehr und ist doch schon mal was positives. Wäre die ganze Geschichte nie passiert, hätte dann deine Selbstreflexion ehrlicherweise stattgefunden? Wie wäre der Umgang zwischen dir und deiner Frau weitergegangen?

Ich sage nicht, dass es gut war, sondern nur, dass ihr etwas positives aus dieser Geschichte mitnehmen könnt. Eine Chance, dass es zwischen euch wieder inniger wird und dein Umfang mit ihr. Alles andere kommt mit der Zeit.

x 3 #16


Sonnenschein85
Ja vielleicht könnt ihr schauen welche Bedürfnisse gegenseitig unerfüllt waren und durch Kommunikation heraus finden wie man emotional sich wieder annähern kann.

Gut ist auf jeden Fall wenn du ihr was passiert ist transparent kommunizieren konntest.

Und wenn ihr beide wollt lässt sich sicher vieles aufarbeiten. Aber mach dir selbst und ihr keinen Druck das es möglichst schnell wieder "gut" werden soll. Es braucht etwas Zeit und Geduld.

x 2 #17


A


Schlechtes Gewissen gegenüber meiner Frau

x 3


FrauDrachin
Hey @Harel ,

sehr interessante Geschichte, die du da mit uns teilst.
Was von außen am meisten auffällt, ist das, was du ja selber beschreibst: Dass dein Verhalten von einem rationalen Standpunkt aus total dysfunktional und unlogisch war.
Dich heimlich mit einer Frau zum Ausheulen zu treffen. Nach dem Übergriff keine klare Grenze ziehen, sondern weiter treffen und sogar weiter küssen. Das schlechte Gewissen jetzt, wo alles auf dem Tisch ist, und du dein Alltagsverhalten sehr zum guten drehen konntest usw.

Was ich dir schreibe kommt von dem Hintergrund, dass ich selber mit einem cholerischen Vater aufgewachsen bin. Wenn es für dich gar nicht passt, fühle dich frei, meinen Beitrag zu ignorieren.

Also.

Du hast deine Familie cholerisch behandelt, hast geschrieen, warst immer mies drauf und hast dich zutiefst ungerecht behandelt und ungeliebt gefühlt. Bist aber an dem Punkt nicht in ein konstruktives Gespräch mit deiner Frau gegangen und hast dir lieber Bestätigung von Außen geholt, dass alle Frauen ... sind.
Von meinem Vater kenne ich es, dass sein Zorn auch daher kam, dass er null sehen konnte (oder wollte?), dass er ganauso wie jeder andere Mensch nicht perfekt ist. Er war immer überzeugt, dass er Recht und den Durchblick hat. Und da er immer Recht und Durchblick hatte, hatte er ja wohl das Recht, dass alle anderen nach seiner Pfeife tanzen. Und wenn sie es nicht getan haben, dann war es Dummheit oder Boshaftigkeit von den anderen. Und es war fast nie möglich, "Fehler" irgendwie sinnvoll einzuordnen. Alle Fehler (die aber natürlich nur die anderen, besonders wir Kinder gemacht haben) waren katastrophal und ganz schlimm und haben mindestens "auf die schiefe Ebene" geführt.
Auch mein Papa hat sich schlimm ungerecht behandelt und ausgenutzt gefühlt, und nach seinen eigenen Angaben mit dem Gedanken gespielt, die Ehe zu verlassen.

Warum schreibe ich das? Weil ich glaube, dass es für dich ganz wichtig wäre, hier nochmal genauer hinzuschauen. Falls das so oder so ähnlich wäre, würde sich viel von dem, was später kommt erklären.

Warum du das feste Gefühl hattest im Recht zu sein, dir Bestätigung von der Bekannten zu holen.
Warum du so überrumpelt von dem Kuss warst, obwohl du ganz offensichtlich suggeriert hast, dass die Bekannte eine viel bessere Ehefrau für dich wäre.
Warum dich dieser "kleinen Fehler", nämlich dich heimlich treffen und dann einen Kuss bekommen, den du nicht möchtest, so komplett in den Panikmodus versetzt hat. Nämlich weil du, der du ja so ungerecht behandelt wurdest, so offensichtlich selber einen Fehler gemacht hast... Weil du das Gefühl hattest, die Bekannte hat dich komplett in der Hand, weil du vielleicht nie einen guten Umgang mit Fehlern gelernt hast?

Also, unterm Strich würde ich sagen, dass die "Affaire" etwas Gutes hatte, weil du einen tiefen Einblick in deine dysfunktionalen Muster bekommen hast. Ohne diesen Einblick wäre deine Ehe weiterhin schlecht gewesen.

Auch deine Frau hat ja jetzt plötzlich einen ganz anderen Mann als den, den sie seit Jahrzehnten kennt. Klar, dass sie dem Mann noch nicht 100% traut. Letztlich muss sie dich und euren neuen Umgang erst mal kennenlernen.

Mein Bauchgefühl sagt mir, dass dein schlechtes Gewissen jetzt daher rührt, dass du dich selber nicht mehr so richtig kennst. Das was du durch Wut und schlechte Laune und Selbstgerechtigkeit von dir weggehalten hast, lässt sich jetzt nicht mehr ignorieren. Ich denke, das ganze ist eine große Chance.

x 2 #18


H
vielen Dank für die Antworten. Ich habe sie mehrmals gelesen und muss sagen, dass die Beiträge von ManchmalHexe und FrauDrachin sehr genau das treffen, was sich auch in unseren Gesprächen gezeigt hat.
Ich habe mich in allem wiedergefunden, was FrauDrachin schreibt.
Jahrelang habe ich keinerlei Fehler bei mir gesehen, Schuld hatten immer die Anderen. Heute sehe ich das glücklicherweise anders.
Ich bereue das, was ich meiner Familie angetan und zugemutet hatte. Das habe ich auch jedem einzelnen gesagt. Ich bin auch bereit, über all das, was war mit meiner Familie zu sprechen, wan immer sie möchten.
Ich selbst habe auch viel aus meiner Kindheit aufgearbeitet, was mir vorher nicht bewusst war.
Aber zurück zum Thema:
Um es nochmal deutlich zu machen:
Ich hatte bei den beiden ersten Treffen wirklich keinerlei Absichten, ausser einer normalen freundschaftkichen Unterhaltung. Da mich die Bekannte gezielt ausfragte und von ihrer unglücklichen Ehe erzählte, habe ich einfach auch meinen Frust und mein Leid geklagt. Ich dachte, vielleicht kann sie mir einen Rat geben, wie mich meine Frau wieder lieben würde. Ich sagte ihr, wie unglücklich ich darüber sei und dass ich meine Frau liebe. Kurz danach erfolgte erst der überrumpelnde Kuss von ihr. Ich war wie erstarrt und bekam Panik. Habe mich dann schnell verabschiedet. Ich wusste nicht, wie ich das nun meiner Frau erklären sollte.
Zum 3. Treffen kam es nur noch, da ich keine Lösung hatte, wie ich es meiner Frau sagen konnte, ich hatte Panik, dass due Bekannte meine Frau kontaktiert und ihr etwas erzählt, was nicht der Wahrheit entspricht.
So habe ich mich mit ihr getroffen, damit sie den Mund hält erstmal, bis ich mit meiner Frau geredet hätte. Damit sie nichts merkt, habe ich sie 3-4 Mal in der Zeit kurz auf den Mund geküsst, aber das hat mich angeekelt. Ich selbst habe mich gehasst und darüber nachgedacht, mir das Leben zu nehmen.
Ich war vorher schon depressiv und hatte schon mehrfach überlegt, wie ich mir das Leben nehmen könnte. Zum Glück waren dann aber immer diese 5 Minuten noch da.
Heute denke uch nicht mehr darüber nach. Ich konnte mich die letzten 25 Jahre selbst nicht leiden, war eine andere Person.
Durch die Angst, meine Frau und meine Familie zu verlieren, kam dann der grosse Knall. Als die Treffen aufflogen, war ich sowas von erleichtert , als hätte man eine jahrelange Last von mir genommen.
Meine Frau und ich konnten das erste Mal seit Jahren wieder vernünftig miteinander kommunizieren. Selbstverständlich waren viele Tränen und Gefühlsausbrüche dabei.
So ist das bis heute. Ich kann klarer sehen, meine Fehler eingestehen und bin ruhiger im Umgang.
Wäre mein Fehlverhalten nicht passiert, wären wir heute nicht soweit in der Kommunikation. Ich hätte wahrscheinlich so weitergemacht wie immer zuvor. Und das war keine Basis für eine Beziehung.
Trotzdem belastet uns das ganze noch und wir würden gerne all das hinter uns lassen und positiv nach vorne schauen.

x 3 #19


Sonnenschein85
@Harel Vielleicht wäre es für die Zukunft gut, wenn du auch für dich selbst lernst Grenzen zu setzen. Als du merktest, du möchtest sie nicht küssen und möchtest raus aus der Situation. Dann am besten direkt kommunizieren. Im Prinzip hast du ja nichts "Schlimmes" getan, wenn du kurz geküsst wurdest und dich weg gedreht hast direkt.

Denn dieses dritte Treffen, das hätte dann nie sein müssen. Sich von Jemanden küssen zu lassen wo man Ekel und Abneigung empfindet stelle ich mir sehr sehr unschön vor. Bitte bring dich nicht mehr in eine solche Situation. Du kannst nein sagen und für deine Grenzen einstehen. Klar, ich weiß wie du das meinst, das du Angst hattest sie sagt es deiner Frau. Aber im Nachhinein wurde es dadurch nicht besser, sondern noch verworrener. Und wenn du direkt mit deiner Frau gesprochen hättest, dann hätte sie dir sicher verziehen. Wenn du nur geredet hast, dann ist ja nichts verwerfliches von deiner Seite aus passiert.

Aber gut, jetzt ist es wie es ist. Du brauchst nun nicht so viele Schuldgefühle zu haben. Zeig ihr nun aufrichtig das du sie liebst und es Ernst meinst, das du an eurer Beziehung mit ihr zusammen arbeiten magst und versucht eine Art Neuanfang, zusammen als Team.

x 2 #20


FrauDrachin
Zitat von Harel:
Ich war vorher schon depressiv...


Zitat von Harel:
Jahrelang habe ich keinerlei Fehler bei mir gesehen, Schuld hatten immer die Anderen. Heute sehe ich das glücklicherweise anders.

Wahnsinn, dass du dir das so eingestehen kannst, wirklich Hut ab von mir.

Mir kommt es halt jetzt so vor, als würdest du in eine Art Gegenextrem fallen, was aber nur eine andere Seite der selben Medaille ist.
Vorher warst du fehlerfrei (zumindest in deiner Wahrnehmumg), jetzt hast du einen "katastrophalen Fehler" begangen und weißt überhaupt nicht mehr, wie du dir selber und wie jemand anders dir jemals wieder vertrauen, geschweigen den den Fehler verzeihen soll.
Der gemeinsame Nenner von beiden Denkweisen ist, dass kein Raum für Fehler ist... Ich weiß nicht, wie ich es besser ausdrücken soll.
Im allerbesten Fall wären ja kleine, ohne Bosheit begangene Fehler dazu gut, Dinge zu lernen und auszuprobieren, sind Zeichen eines lebendigen Prozesses, helfen bei Richtungskorrekturen usw. Und im besten Fall verzeiht man sich selber und gegenseitig kleine Fehler, weil... keiner ist perfekt.

Und dann kommt ja dazu, dass du ja sicher nicht zufällig so warst, wie du warst. Welche Ängste, Unsicherheiten, Überzeugungen wurden durch das alte Verhalten und die alte Denkweise gedeckt? Wie kan es so, dass du dich so entwickelt hast? Und wie kannst du jetzt einen anderen Umgang mit Fehlern in deinen Charakter integrieren? Welche Ängeste, Unsicherheiten, Glaubenssätze kannst du verabschieden?

x 2 #21


VictoriaSiempre
Zitat von Harel:
Ich war Cholerisch, habe viel geschrien, war ständig mies drauf, habe alles negativ gesehen.

Deshalb hätte ich an Deiner Stelle auch ein schlechtes Gewissen gegenüber Deiner Frau. Auch deswegen, dass Du ihr nicht von einem - an sich ja erst einmal harmlosen - Kontakt und dem Treffen mit einer alten Klassenkameradin erzählt hast.

Die „erzwungenen“ Küsse? Nun ja. Toll würde ich es vermutlich nicht finden, aber in manchen Gegenden soll es zumindest am Rosenmontag zum guten Ton gehören, fremde Menschen abzuküssen Flüchten

Das waren Schmatzer, so wie ich es verstanden habe, ohne Zungenschlag. Ich bin jetzt nicht supertolerant, aber das wäre für mich (!) ne lässliche Sünde.

Dein übles Verhalten Deiner Frau und Deiner Familie gegenüber jedoch nicht. Das für die Zukunft abzustellen und wieder eine vertrauensvolle Beziehung herzustellen sollte das Ziel sein, auf das Du Dich jetzt konzentrierst.

x 2 #22


M
Hi @Harel,

ich finde, dass es sehr positiv ist, dass du es erkannt hast. Ja, die Geschichte ist nicht gut gelaufen, aber es gibt auch schlimmeren Betrug. Es soll es nicht relativieren, nur dass du erkennst, dass du nochmal rechtzeitig die Kurve bekommen hast. Dabei möchte ich dir nochmal einen Rat mitgeben:

Zitat von Harel:
ich hatte Panik, dass due Bekannte meine Frau kontaktiert und ihr etwas erzählt, was nicht der Wahrheit entspricht.

Punkt 1: Habe niemals Angst davor, das Gespräch mit deiner Frau zu suchen, so unangenehm das Thema auch ist. Glaube mir, es ist es nicht wert, dass du dich so quälst, nicht mehr schlafen kannst oder an Suizid denkst, aus Angst, Scham oder Ekel. Vertraue deiner Frau, das ist besser, wenn du ihren Rat suchst, als wenn sie es über Umwege erfährt. Wenn du ihr gegenüber offen bist, kann es auch eine Chance sein, dass ihr euch wieder annähert und daraus lernt. So wie es bei dir bereits der Fall ist. Schau einfach, dass es nicht wieder passiert und lerne, deine eigenen Grenzen zu erkennen. Wie du bisher die letzten Jahre warst, kannst du nicht mehr ändern, nur deine ganze Kraft in die Zukunft investieren.

Zitat von Harel:
Ich selbst habe mich gehasst und darüber nachgedacht, mir das Leben zu nehmen.

Wie gesagt, die Geschichte ist es nicht wert, wie du bestimmt schon erkannt hast. Gut, dass du nun doch einen Weg zu deiner Frau zurückgefunden hast. Denke dabei auch immer an deine Kinder: sie lieben ihren Vater, auch mit Fehlern. Wenn du in der Vergangenheit ihnen gegenüber nicht immer fair warst, so hast du auch jetzt noch die Möglichkeit, dich bei ihnen zu entschuldigen und vielleicht eines Tages ein toller Großvater zu werden.

Ich wünsche euch alles Gute!

x 2 #23


H
Ich bin froh, dass ich vieles heute auch anders sehen kann als damals.
Es bricht mir nur das Herz, wenn ich sehe, dass meine Frau die Sache doch noch oft sehr mitnimmt. Ich wollte ihr Vertrauen nicht missbrauchen, sie weder hintergehen noch hatte ich sonstige Absichten. Im Gegenteil. Vielleicht hatte ich mir damals durch das Gespräch ja Hilfe erhofft, da ich so tief am Boden war. Ich dachte zu dem Zeitpunkt, niemand liebt mich, ich wäre wertlos usw.
Ich wollte nur die Bestätigung, dass ich ein guter Mensch bin.... Das hat mir meine Frau nicht sagen können, da sie ehrlich war und mir immer wieder gesagt hatte, dass mein Verhalten nicht okay wäre.
Ich wollte ihre Liebe zurück, keine neue!
Deswegen hatte ich dann auch diese Panik. Auch wenn es sich jetzt anders anhört, aber ich habe dieses 3. Treffen nur widerwillig gemacht, damit ich meine Frau nicht verliere, die Bekannte Ruhe gibt und nichts verrät. Völlig bescheuert, das weiss ich heute auch.
Jetzt möchte ich meiner Frau helfen, dass alles zu verarbeiten. Ich stehe zu meinem Fehler, zu ihr und unserem Leben. Und ich gehe mit ihr überall durch.
Vielleicht hat ja noch jemand einen Tip, wie ich ihr helfen kann, das zu verarbeiten und abzuschließen, außer das ich mein Verhalten geändert habe, ehrlich und transparent bin und mit ihr gemeinsam alles verarbeiten und abschließen möchte.

x 1 #24


Aina
@Harel
Zitat von Harel:
Vielleicht hat ja noch jemand einen Tip, wie ich ihr helfen kann, das zu verarbeiten und abzuschließen

vermutlich kannst du ihr am Besten helfen wenn du achtsam bleiben kannst, für sie und für dich, einfach da sein, in der Gegenwart. Gebt euch Zeit und habt Geduld füreinander.

x 1 #25


FrauDrachin
Zitat von Harel:
Es bricht mir nur das Herz, wenn ich sehe, dass meine Frau die Sache doch noch oft sehr mitnimmt.

Weißt du, was genau deine Frau so mitnimmt?

x 1 #26


M
@Harel ist super mit dem transparent sein usw. Genau richtiges Vorgehen. Hatte mir mein Partner mal im Rückeroberungumgsversuch genau so gesagt.

Wie hast du das cholerische (bösartige) Verhalten aber im Griff (bekommen?)? Therapie ?

Es gibt ja keine Wunderheilungen.

Dass du nun partnerschaftlich kommunizierst und auf Augenhöhe bist ist Voraussetzung. Das Cholerische gibt einem Gegenüber auch ein sehr ungeliebtes schlechtes Gefühl. Ggf hatte sie dadurch gelernt Angst vor dir und der Unberechenbarkeit zu haben? Was verständlich wäre. Das könnte noch tiefer in ihr sitzen, dieser ganze Stress?

Ich freu mich auf deine Rückmeldung!

x 2 #27


Jane_1
Zitat von Harel:
Vielleicht hat ja noch jemand einen Tip, wie ich ihr helfen kann, das zu verarbeiten und abzuschließen

Engelsgeduld haben, ihr so viel Zeit geben, wie sie braucht. Nicht drängeln, idealerweise kein einziges Mal.

Ich vermute auch, dass deine jahrzehntelange Tyrannei Spuren hinterlassen hat und deine Frau nicht nur dein (wirklich etwas bescheuertes) Verhalten mit dieser Frau verkraften muss, sondern sie muss auch glauben, dass du (wie auch immer, wie hast du das geschafft?) auf einmal ein anderer Mensch bist.

x 3 #28


H
Um es kurz zu fassen:
Vermutlich wurde vieles durch ein Trauma vor vielen Jahren ausgelöst, weshalb ich so gefühlskalt wurde und auch depressiv.
Durch diesen Knall, als es rauskam und ich diese heftige Panik spüren konnte, hat sich wohl einiges geändert. Es hat Wochen und Monate gedauert, bis ich wieder ganz meine Gefühle zulassen konnte. Am Anfang wusste ich garnicht, wohin mit all den Gedanken und Gefühlen.
Durch die vielen Gespräche mit meiner Frau kamen viele verborgene Sachen ans Licht. Auch heute kommt immer mal wieder etwas , was ich vorher nicht sah.
Was meine Frau angeht, sagt sie immer, dass sie mir all die Jahre blind vertraut hatte, da sie in mir den ehrlichen Mann sah. Das bin ich eigentlich auch, nur dieses eine Mal war ich es nicht. Und das kann weder sie noch ich verstehen. So bin ich niemals zuvor gewesen, unehrlich oder untreu. Wir hatten ja unsere gleichen Vorstellungen von Treue usw.
Für mich war das ja auch keine Untreue, ich wollte doch nichts von der Bekannten. Es war unehrlich, ich habe meiner Frau die Treffen verschwiegen. Ich weiss nicht mal, wieso. Sie hätte es mir nichtmal verboten oder so. Nur hätte sie es wahrscheinlich nicht gut gefunden, da es Zuhause damals sehr stressig war.
Wie auch immer, ich war unehrlich und das kann sie nicht vergessen. Sie kann oder will mich so nicht sehen. Das hat ihr Bild von mir und ihr Vertrauen in die Menschen zerstört. Sie hatte eine sehr schlimme Kindheit und ich war der erste und einzige Mensch, dem sie vertraut hatte....

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FrauDrachin
Zitat von Harel:
Sie hatte eine sehr schlimme Kindheit und ich war der erste und einzige Mensch, dem sie vertraut hatte....

Ok, habt ihr darüber schon mal geredet?

Das ist schon eine große Ehre, aber auch eine große Last, die sie dir da aufbürdet. Wenn die Messlatte so dermaßen hoch liegt, muss man ja fast reißen.

Ich denke das ist vielkeicht ein weiterer Mosaikstein für euren gemeinsamen Umgang mit Fehlern.

#30


A


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