Harel
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Ich hatte im Sommer 2024 durch Zufall über FB Kontakt zu einer alten Klassenkameradin, wir haben ab und zu mal gegenseitig Beiträge geliked und kommentiert. Alles auf rein freundschaftlicher Ebene. Da es Zuhause sehr stressig war, ich seit Jahren an Depressionen u.a. litt und es auch bei der Arbeit nicht wirklich gut lief (zu wenig Aufträge, früher Feierabend), fragte ich sie nach einem Treffen, zum Unterhalten über früher (Schulzeit) und wollte auch wissen, wie es ihr ergangen war und ob sie noch Kontakte zu anderen Klassenkameraden hätte. Da ich weiter weg von Zuhause arbeite, aber in der Nähe meines früheren Wohnortes, bot sich das an, mal ein Treffen wenn ich früher Feierabend hatte. Wir haben uns dann auf einem öffentlichen Parkplatz getroffen, auch gut unterhalten. Ich fand das Gespräch sehr angenehm und sie war überaus nett und charmant zu mir, machte mir ständig Komplimente, was mir zu der damaligen depressiven Zeit recht gut tat. Daher stimmte ich einem 2. Treffen zu. Für mich war das rein freundschaftlich, ohne irgendwelche Hintergedanken. Vielleicht wollte ich auch nur hören, was für ein guter Mensch ich bin, da meine Familie immer das Gegenteil behauptete. (Was sich mittlerweile leider zu Recht rausgestellt hat, ich war Cholerisch, hatte 2 Persönlichkeit, die ich immer wechselte ohne davon zu wissen, habe 20 Jahre meine Familie nicht gut behandelt.)
Meine Frau und ich sind seit mittlerweile 26 Jahren verheiratet, haben 4 Kinder. Sie haben mir immer wieder gesagt, ich solle mir Hilfe suchen, mich ändern. Ich hatte das nicht verstanden, im Gegenteil. Ich war der Meinung, meine Familie hasst mich und meine Frau agiert gegen mich und die Kinder ebenfalls. Freunde und Kollegen, sowie Social Media hatten mein Bild immer mehr bestärkt, dass Ehefrauen nur böswillig sind.
So traf ich mich also ein 2. Mal mit der Klassenkameradin, wahrscheinlich um wieder nette Worte zu bekommen. Sie fragte mich über alles aus und ich gab bereitwillig Antwort. Sie war ja eine "nette Bekannte von früher".
Auch auf die Frage, ob meine Frau von den Treffen wüsste, antwortete ich wahrheitsgemäß mit Nein. Ich hatte ja damals Angst, meine "böse" Frau würde mir ein Treffen verbieten. (Das hat sie niemals getan)
Die Bekannte erzählte von sich, wie schlecht es ihr ginge, böser Ehemann usw. und dass sie in der Psychiatrie war. Ohne Vorwarnung hat sie mich plötzlich geküsst, gerade als ich mich umdrehte. Ich war so perplex und wie erstarrt, meine Welt brach in Sekundenbruchteilen zusammen. Eben noch war ich der nette Bekannte und plötzlich wurde sie ohne zu fragen übergriffig. Ich bekam Panik, dass sie alles meiner Frau erzählen würde und ich meine Frau und Familie verlieren würde. Mich ekelte der Kuss an, und ich wollte nur noch weg. Bin dann auch ziemlich schnell gegangen, ohne etwas dazu zu sagen, da ich wie erstarrt war und Megapanik hatte.
Zuhause wusste ich nicht, wie ich das meiner Frau beichten sollte, sie hatte mir schon seit langem gesagt, dass sie mein Verhalten nur noch mitmachen wird, bis unser jüngstes Kind volljährig ist. Dabei war ich mir keiner Schuld bewusst und ich liebte sie doch. Mittlerweile weiss ich, dass sie mir helfen wollte, das habe ich damals aber nicht so gesehen. Im Gegenteil. Trotzdem liebte und liebe ich sie und wollte niemals eine andere Frau. Schon garnicht diese Bekannte!
Die Bekannte schrieb mir Nachrichten, ich spielte erstmal das Spiel mit, aus Angst, bis ich eine Lösung gefunden hatte. So kam es dann leider zum 3. Treffen, ich habe sie aus Angst und mit viel Ekel ein paar Mal kurz auf den Mund geküsst und in einem Arm gehabt. Sie sprach von einer gemeinsamen Zukunft, wollte ihren Mann aus der Wohnung werfen und ich sollte zu ihr ziehen. Mir war das alles zuwider, ich wollte das nicht. Aber ich habe weder bejaht noch verneint. Ich dachte die ganze Zeit nur darüber nach, wie ich da raus komme. Wie sage ich das meiner Frau? Ich hatte auch öfter den Gedanken, mir das Leben zu nehmen. Dann kam zum Glück alles raus, als ich versehentlich die WhatsApp-Nachrichten für die Bekannte an meine Frau schickte.
Ich hab sie zwar gleich gelöscht, meine Frau hatte sie aber schon gelesen. Es gab daraufhin eine sehr emotionale Aussprache und ich habe sofort den Kontakt zu der Bekannten abgebrochen. Auch als sie am nächsten Tag bei mir an der Firma auftauchte und weiterhin Kontakt wollte, obwohl meine Frau Bescheid wusste und ich ihr ganz deutlich sagte, ich liebe meine Frau. Ich habe sie dann stehen lassen und bin weggefahren. Seither alles blockiert und Gott sei Dank nie mehr was von ihr gehört. Mittlerweile weiss ich, dass diese Bekannte mich gezielt ausgewählt hat, man konnte auf meinem FB Account nachvollziehen, was mit mir los war. Ich hatte alles immer geteilt, war immer total gesprächig und musste mich immer allen mitteilen, egal wann und wem. Sie hat mich gezielt ausgefragt, dass konnte ich mittlerweile auch rausfinden. Ich fühle mich benutzt, missbraucht. Ich hatte Hilfe und ein nettes Gespräch gesucht und sie hat mich in eine tiefe Krise gestürzt. Ich wollte nie etwas von ihr, hatte es auch nie zu ihr gesagt. Im Gegenteil. Ich hatte in unseren ersten beiden Gesprächen immer erzählt, dass ich meine Frau liebe, aber traurig bin, weil meine Frau mich nicht liebt (das dachte ich damals). Wieso wurde sie dann übergriffig und hat mich ohne meine Zustimmung geküsst? Da bin ich so tief in ein Loch gefallen. Das war ein schrecklicher Moment. Und jede weitere Berührung hat Ekel bei mir ausgelöst. Das muss sie doch gemerkt haben.
Aber nun zum eigentlichen Problem:
Meine Frau und ich haben viel aufgearbeitet, unsere Beziehung ist klarer und respektvoller als zuvor. Wir lieben uns beide sehr und wollen an der Beziehung festhalten, durch alles durchgehen und füreinander da sein. Ich habe allerdings immernoch starke Schuldgefühle, meine Frau fühlt sich auch immernoch nich wirklich sicher, obwohl sie mir 100% vertraut, wie sie sagt. Es kommen bei ihr immer wieder Zweifel, ob sie gut genug ist und ob ich sie nicht doch verlassen würde, wenn mir eine andere Frau wieder nette Worte sagt, die sie mir vielleicht nicht sagen kann. (Sie ist immer ehrlich und sagt einem auf den Kopf zu, was sie denkt, auch wenn sie sich damit nicht immer Freunde macht).
Sie zweifelt sehr an sich, ist nicht mehr so unbeschwert wie früher. Dabei lag es nicht an ihr, sondern an mir. Sie hat nichts falsch gemacht, ich habe falsch reagiert. Ich hätte ihr von dem geplanten Treffen erzählen sollen und beim Übergriff sofort Nein sagen sollen. Das kam leider nur, weil ich so grosse Panik hatte, sie zu verlieren
Wie kann ich meiner Frau helfen, wieder ohne Angst zu leben? Wie kann ich ihr erklären, dass es nicht ihre Schuld war? Ich fühle mich so schlecht. Das wollte ich doch alles nicht. Ich wollte mich nur unterhalten, mehr nicht. Für mich war das weder ein Flirt, noch ein Fremdgehen, noch eine Affäre oder Betrug. Aber ich habe das Vertrauen meiner Frau gebrochen. Das macht mich fertig. Das war nicht ich! Treue und Ehrlichkeit sind das wichtigste für mich. Warum war ich das da nicht?