Zitat von Steve76:Hab nach dem Verkauf mal kurz gerechnet und festgestellt, dass ich innerhalb von 7 Wochen meine Frau, zum Teil meine Kinder (sehe sie nur noch 2-3 Tage in der Woche) und eine tolle Wohnung verloren habe - zwischendurch war noch unklar, ob ich noch einen job habe...life is a b i t c h
Aus Sicht Deiner Frau hast Du all das nicht innerhalb weniger Wochen, sondern über Jahre verloren - es halt nur nicht gemerkt (bzw. aus ihrer Sicht: Dir nicht die Mühe gemacht, es merken zu wollen).
Aus ihrer Sicht hatte sie auch nicht schnell nach der Trennung einen Neuen, sondern nach Monaten oder Jahren der Einsamkeit.
Du hättest Dir eine Trauerzeit bei ihr gewünscht, so wie Du sie jetzt selbst empfindest. Sie wird vermutlich wie die Verdurstende aus der Wüste in die erste Oase gerannt sein.
Du hättest Dir vorher einen Warnschuss gewünscht. Ich denke, dass Du auf sie den Eindruck machtest (kranke Eltern, Jobunsicherheit, Unzufriedenheit), als dürfe sie Dich nicht noch zusätzlich belasten.
Du hast sie einfach schon sehr lange nicht mehr gesehen, Deine Bedürfnisse mit ihren gleichgesetzt und warst dadurch für ihre Bedürfnisse blind (bzw. konntest wegen der anderweitigen Belastung nicht anders und hast einfach darauf vertraut, dass sie immer für Dich da und schon irgendwie zufrieden sein wird, weil Du es ja unter ihren Umständen gewesen wärest). Daher auch Deine Weigerung, an etwas teilzunehmen, was ihr Spaß gemacht hätte und sie aus ihrem Alltag rausgeholt hätte, als letzter Strohhalm, der eurem Ehekamel den Rücken brach.
Und für mich ist auch völlig logisch, dass sie in eurem Paarurlaub nicht gesagt hat, dass sie mehr braucht. Wenn ein Mann, der mit allem außer seiner Ehe beschäftigt ist, sich mal einen Schritt in die richtige Richtung bewegt, also einen Paarurlaub macht, tut frau gut daran, dieses kleine Pflänzchen nicht im Keim zu ersticken, indem sie ausgerechnet dann mit Problemgesprächen anfängt. Sonst ist sie ja die, der man nichts recht machen kann, die immer unzufrieden ist und selbst den Paarurlaub vernörgelt.
Du bist nach wie vor stolz darauf, selbst in den größten Krisen immer noch im Job zu funktionieren. Daher nehme ich an, dass Du eben auch vorher schon die Prioritäten genau so gesetzt hast, wie sie sich jetzt in Konsequenz zeigen: Der Job ist noch da und die Frau weg.
Zitat von Steve76:Und jetzt müssen sie [die Kinder] womöglich bald erneut mit einer neuen Situation (neuer Partner) klar kommen. Wie kann man so egoistisch sein?
Richtig, sie denkt jetzt auch an sich. Versagt sich nicht mehr ihre Bedürfnisse um Deiner oder der Kinder willen. Ist egoistisch.
Es wäre gut gewesen, wenn sie in eurer Ehe schon egoistischer gewesen wäre und ihre Bedürfnisse deutlicher angemeldet hätte, so dass Du sie besser hättest erkennen und erfüllen können.
Dann wäre Dir vor Weihnachten aufgefallen, dass es bei der Party nicht hauptsächlich darum geht, ob Du bei lauter Musik Dich gerne unterhalten magst oder das nicht mehr brauchst, sondern dass Deine Frau das offensichtlich gebraucht hatte. Und Du ihr das (aus egoistischen Gründen?) nicht geben wolltest.
Ich denke, ihr seid beide traurig über das Scheitern der Ehe und tragt zu gleichen Anteilen die Verantwortung dafür.
Sie wird sich über Dein Verhalten in der Zeit vor der Trennung ebenso bitterlich beschweren, wie Du es jetzt über ihr Verhalten nach der Trennung tust.
Ihr habt es als Paar eben nicht geschafft, euer beider Bedürfnisse zu gleichen Teilen nachzukommen. Sie sorgt jetzt für sich und Du musst jetzt für Dich sorgen, weil ihr nicht füreinander sorgen konntet.
Wichtig ist, dass ihr weiterhin für die Kinder sorgen könnt und deren Bedürfnisse richtig wahrnehmt.
Zitat von Steve76:Was neben dem Abschied von ihr am meisten weh tut, ist zu sehen, wie die Kinder v.a. zu Beginn darunter gelitten haben - Noch heute fliessen bei fast jedem Abschied Tränen - bei den Kindern und dann auch bei mir...
Kinder leiden immer unter der Trennung von den Eltern. Das kannst Du jetzt nicht mehr verhindern. An der Stelle habt ihr beide als Eltern in der Vergangenheit nicht gut genug auf die Familie aufgepasst und das sprichwörtliche Bein ist jetzt gebrochen. Ihr könnt euch jetzt nur noch entscheiden, ob ihr das "Bein" eurer Kinder zusätzlich belastet oder versucht, es als Eltern zu schienen, damit es so gut wie möglich wieder heilen kann (die Kinder also so leicht wie möglich die Trennung einsortieren, eine neue Sicherheit erfahren und sich damit zurecht finden können).
Wenn Du möchtest, dass Deine Kinder bei den Abschieden nicht mehr leiden, dann musst Du (und auch Deine Frau) eure innere Einstellung zu den Abschieden ändern. Kinder spüren sehr genau, wie es Dir und ihr damit geht und nehmen diese Stimmung und Wertung des Vorgangs auf, noch bevor bei euch die Tränen fliessen.
Wenn Du den Abschied schlimm findest, überträgt sich das auf Deine Kinder und sie werden weinen und leiden.
Du kennst das von Spielplatzstürzen. Machen die Eltern ein erschrecktes Gesicht, ist die Chance höher, dass das Kind sich auf den Schmerz konzentriert und anfängt zu weinen. Überspielen die Eltern den Sturz, lenken ab oder das Kind ist von seinem Spiel abgelenkt, kann es noch so gekracht haben und der Schädel brummt und dennoch schütteln sich die Kleinen nur und spielen einfach weiter, weil sie nicht auf den Schmerz konzentriert sind.
Bei der Übergabe der Kinder hat immer das abgebende Elternteil den Schmerz, das ankommende Elternteil die Freude. Und in den Kindern ist gleichermaßen Abschiedsschmerz und Wiedersehensfreude.
Es liegt am abgebenden Elternteil, die Kinder zu führen, damit sie sich auf die Wiedersehensfreude konzentrieren und den Schmerz dadurch nicht spüren!
Ich weiß, wovon ich spreche und wieviel Kraft es bedarf, über die eigene Verletzung hinaus zu wachsen und einen Abschied von den Kindern so zu gestalten und selbst zu empfinden, dass es etwas Positives oder zumindest neutrales Alltägliches ist, damit die Kinder das genau so empfinden können. Ich bereite meins durch gemeinsames Packen darauf vor und wir malen uns am Vorabend gemeinsam aus, was alles in der anderen Wohnung Schönes auf es wartet, wie es den Abend dort verbringen wird und wie schön es für das Kind sein wird, das andere Elternteil wieder zu sehen. Ich konzentriere mich darauf, mich für das Kind zu freuen. Erst nachdem die Tür ins Schloss fällt, erlaube ich mir, meinen eigenen Verlust wahrzunehmen und entsprechend zu betrauern. Das verlangt aber sehr viel emotionale Disziplin und echtes Gönnenkönnen gegenüber dem Kind. Den anderen Elternteil blende ich dabei völlig aus. Dem gönne ich so wenig, dass ich das nicht hinbekäme, mich auch für ihn zu freuen. Der spielt keine Rolle - nur das Kind. Die Trennung wird Dich zwingen, Dein Herz groß und weit zu machen, Deine eigenen Bedürfnisse hintanzustellen und Deinen Groll auf Deine Ex-Frau ganz bewusst von Deinem Verhältnis zu den Kindern zu trennen und ihnen zu vermitteln, dass Du ihre Liebe für ihre Mutter mit ihnen teilen kannst. Ganz ähnlich wie Du ihre Liebe für Elsa oder Minions mit ihnen teilst, ohne Dir selbst etwas aus diesen Figuren zu machen. Du wirst an der Trennung wachsen (müssen).
Viel Glück und Kraft dabei!