Zitat von Fluxi:@procurator Erst einmal vielen Dank, dass du dir so viel Mühe gegeben hast. Ich musste deinen Beitrag etwas sacken lassen und möchte mich noch einmal gerne darauf beziehen. Ich habe dieses Thema eröffnet, weil ich mir zum einen bzgl. der Entschuldigung unsicher bin und mir eine Einschätzung ihres und meines ...
19 gute von 20 Jahren? Also dann habe ich deinen Eingangsbeitrag und weitere Sätze ziemlich falsch verstanden. ich habe herausgelesen, dass deine Arbeitsüberlastung und finanzielle Situation temporär, das Ungleichgewicht innerhalb eurer Beziehung aber länger bestand (wenn nicht schon immer vorhanden war) - zumindest aus ihrer Sicht.
Du verfasst sehr unterschiedliche Beiträge. Daraus schließe ich, du bist vielschichtig und empfängst momentan sehr unterschiedliche Impulse und Gedanken aufgrund deiner unterschiedlichen Fassetten. Das alles in Balance zu bringen ist sicher nicht einfach, insbesondere wenn man fair sein will. Aus diesem Grund gab ich dir den Rat, noch zu warten, bevor du eine Entscheidung triffst. Sie muss vor allem dir gut tun.
Ich versuche auf einige deiner Impulse einzugehen:
Ich musste deinen Beitrag etwas sacken lassen
Man muss dich hier mal loben, wie viel Kommentare du hier bereits hingenommen hast und noch immer schreibst. Ich weiß, das ist nicht einfach sich alles anzuhören und du hältst dich wirklich gut. Ich glaube übrigens nicht, dass du ein Narzisst, Egoist oder beziehungsunfähiger Partner bist. Auch sie liest sich keinesfalls wie eine verdeckte Narzisstin (alles nur Spekulation und wir kennen sie nicht), sondern wie ein Mensch, der aus seinem Mangel heraus agierte. Sie hat sich im recht gefühlt, von dir zu fordern. Anspruchsdenken ist generell gefährlich und man verliert seine Achtsamkeit.
Zitat von Fluxi: Ich schrieb zweischneidig, evtl. ein Ego-Ding, aber ich wurde auch in meiner schwierigsten Zeit meines Lebens verlassen und ausgetauscht. Das ging sehr gegen meine Werte.
Du übernimmst Verantwortung und siehst das nichts schwarz und weiß ist. Gleichzeitig wurdest du sehr verletzt und enttäuscht. Das ist schon nachvollziehbar alles. Du hast unterschiedliche Motivationen. Einerseits eruierst du Chancen, Risiken, andererseits hast du Angst, bedauerst, andererseits sehnst du dich nach einem Ende und Wiedergutmachung. Es spielt bei dir wahnsinnig viel (unterschiedliches) rein, das hört man gut. Du bist noch nicht ganz im reinen in welche Richtung das gehen soll. Das ist auch in Ordnung und mich wundert das nach 11 / 18 Monaten nicht bei 20 Jahren...
Zitat von Fluxi: Bis wir die Zweisamkeit immer mehr aus den Augen verloren haben, wir waren beide nur noch gestresst und gehetzt vom Leben. Im Grunde war es vor allem ein massives Kommunikationsproblem bzw. bei beiden! Seiten das offene zeigen und benennen von Gefühlen. Ich denke, das lässt sich aber beheben. Daher tue ich mich zumindest in unserem Fall immer so schwer mit “aufgewärmt schmeckt nur Gulasch” usw. …
-es ehrt dich, dass du eure Beziehung wie einen Schatz von allen Seiten betrachtest und schaust, ob man noch etwas retten könnte. Ich verstehe dich übrigens in diesem Punkt absolut und ich befürworte diese Einstellung ganz grundsätzlich. So eine Entscheidung hat aber auch ihren Preis und den zahlst nicht nur du
- euer erneutes Zusammenkommen erfordert sehr viel an Aufopferungsbereitschaft, Arbeit, Zeit, viel viel Kommunikation, Entscheidung wieder zu vertrauen, Loslassen alter Verletzungen, Loslassen alter Gewohnheiten, Beharrlichkeit und gestandene Persönlichkeiten - ganz abgesehen von den fehlenden wichtigen Fakten dazu ob sie
a) ähnliche Erkenntnisse rückblickend gewonnen hat
b) reifte
c) verfügbar ist (insbesondere für dich!)
Die Gefahr, dass einer doch zum Fazit kommt, nicht kompatibel zu sein, ist groß. Ihr befindet euch eben nicht in der Situation dass ihr noch zusammen seid... Du musst wissen, welchen Preis ihr bezahlen müsstet und was es euch kosten würde. andererseits ist Liebe eine Entscheidung
- ich höre bei dir ganz viel Sehnsucht nach EINER Beziehung heraus. Vermisst du wirklich sie oder vermisst du das Positive an einer Beziehung und der Liebe und bist langsam auf dem Weg neu anzufangen?
- Kommunikation, Liebessprachen, Bedürfnismitteilung und -Wahrnehmung etc. muss man erst schmerzhaft erlernen, wenn sie nicht vorgelebt wurde - ihr habt falsch gemacht, was die meisten falsch machen. Man darf sich vor allem verzeihen, das man es eben nicht besser wusste.
Ich bezweifle stark, dass diese Probleme erst entstanden ist, als es bei euch schwierig wurde. Das solltest du dir nochmals genauer ansehen. --->
Zitat von Fluxi: ich allein hätte die Beziehung ganz anders gestalten können. Auch ohne ihre Erkenntnisse und Einsichten.
Hätte das denn gereicht für eine erfüllte Partnerschaft? Wärst du nicht nach wie vor einsam?
Eure Beziehungsdynamik zu durchbrechen, würde eisernen Willen beiderseits erfordern. Das kannst du nicht alleine.
Zitat von Fluxi: Du schriebst, dass sie “Jahre der Entbehrung und Machtlosigkeit“ erlebt hat, das ist wirklich nicht so gewesen. Ja, es war ein Jahr ca. und auch das ist eine Zeitspanne die relevant sein kann, denn das was zuletzt gesagt und getan wird, bleibt immer hängen und das davor wird negativ behaftet. Die Frage ist inwieweit Vergebung möglich ist.
Ihr Verhalten war sicher nicht gesund und fair, insbesondere, weil man von einem Partner ganz grundsätzlich erwarten würde, dass er in schwierigen Zeiten (temporär, ohne dass es eine Selbstverständlichkeit ist oder überhand nimmt) durch die du während dessen gehst, Rücksichtnahme zeigt, dass er sich selbst während dessen selbst Liebe gibt und dich unterstützt, im Haushalt mehr Verantwortung übernimmt, aufmerksam ist und dir Liebe geben kann, während er zurücksteckt was sie nicht getan hat. Dass auch du einsam warst, ist mir nicht entgangen.
Stabile Partnerschaften hätten den von dir beschriebenen Zustand überstanden, weil reife Persönlichkeiten ohne ständige Liebeszufuhr vom anderen nicht gleich eingehen wie eine Blume.
Sie ist sehr unschön gegangen.
Aber wie du weißt (ich betrachte nur den Ist-Zustand und versuche nicht zu werten) haben Menschen mit wenig Selbstwert auch wenig Selbstliebe, d.h. sie brauchen ihr Futter im außen (Du). Bleibt das aus, entsteht ein Mangeldenken und Leere. ihre Erwartungshaltung hatte sich gegen Beziehungsende nicht verändert.
Wenn sie sich vor diesem Hintergrund ihren neuen Partner ausgesucht hat, dann denkt sie mit großer Wahrscheinlichkeit, dass du der "Fehler" warst und in einer neuen Liebe im Anfangsstadium würde ihr dieses Bild nur bestätigt werden, weil in der Verliebtheitsphase spürt man kaum Mangel... Verstehst du, was ich dir damit sagen will?
Natürlich ist Vergebung möglich - was man nicht alles vergeben kann. Der Blick auf die Beziehung wird nicht nur vom Ende bestimmt, bei dir doch auch nicht? Es lastet momentan nur so auf dir, weil du dir selbst noch nicht vergeben hast und dich schämst. Ich würde sagen, Erwachsene differenzieren zwischen der Trennungsphase und dem Normalzustand ihrer Beziehung und können dem Ex-Partner diese Schwächen verzeihen. Ein zweites Mal passiert es ja eher selten, das man sich gehen lässt und es eskaliert. da erträgt man alles mit mehr Würde und denkt sich seinen Teil
😉.
Zitat von Fluxi: Wie kostbar das ist, wenn ein Mensch einen so liebt.
- hast du bedacht, dass vieles von dem, was du bei ihr für Liebe gehalten hast, eher Anzeichen für abhängiges Verhalten sind, die wegbleiben würden, wenn sie sich "gesund" verhält?
- bei diesem Punkt meine ich, musst du nochmals nachdenken und reflektieren, was das für dich bedeutet.
-Ich meine, du hast irgendwann geschrieben, dass du ihre erste Beziehung warst. Niemand liebt schöner als der, der noch nie verletzt wurde... im Vergleich dazu sind dein Datingerfahrungen natürlich weniger berauschend.
Zitat von Fluxi: Sicherlich ein erklärbares Verhalten, da sie sich unterwürfig verhalten hat und dann die Beziehungsdynamik wahrscheinlich automatisch kippt und an entsprechender Augenhöhe verliert. Aber wer will ich sein?
Wir sind alle erklärbar aber unentwirrbar...
Bzgl. Karma:
So habe ich das sicher nicht gemeint. Du bist zu hart zu dir. Du hast dir das Ende doch nicht "verdient". Es passiert einfach häufig, dass es bei ungleichgewichtigen Beziehungen später nur noch um Macht und Ego und Denkzettel geht, Menschen verlieren ihre Fassung und Gefühle eskalieren.
wenn du jetzt zum Ergebnis gekommen bist, dass es eine Entschuldigung zwecks Abschluss sein soll bzw. eine Aussprache und du das unbedingt machen musst:
- dieser Gedanke und Wunsch solle mindestens über einen Monat konstant bestehen bleiben...
- sprich nur von dir
- rechne mit Vorwürfen / anderen Wahrnehmungen; höre dir dies nur an und schweig dazu (... wenn es dir wirklich nur um die Entschuldigung deiner eigenen Anteile, losgelöst von ihren geht) wenn du einen Streit vermeiden willst
- rechne aber damit dass es dir danach ziemlich schlecht gehen wird, denn du entschuldigst dich, gehst den ersten Schritt zu, sie tat dies aber nicht. Das bringt dich etwas weiter in ein gefühltes Ungleichgewicht.
- ist eine Sprachnachricht wirklich das richtige für ein solches Gespräch? Das was du beschreibst, wäre eher eine "Aussprache" und dafür bietet sich eher ein persönliches Gespräch an.
- Du hoffst auf Konsens. Aber meiner Erfahrung nach, weichen die gewonnenen Fazite stark voneinander ab, insbesondere bei einem Ungleichgewicht. Konsens braucht Jahre und beiderseitige Bereitschaft und Fähigkeit sich selbstkritisch wahrzunehmen und ehrlich zu sich zu sein. Du hast selbst beschrieben, wie schmerzhaft Selbsterkenntnis ist.
Da ist die Herangehensweise natürlich eine ganz andere als wenn man jemanden zurückerobern möchte und vor diesem Hintergrund verstehe ich auch deine Bedenken bzgl. "Männlichkeit und Neubeginn mit einer Entschuldigung" und halte es auch nicht für ein Ego-Ding, weil ich verstehe, worauf du damit hinauswillst. Ja - es wäre kein" prickelnder Anfang", wenn man mit Problemen beginnt und sich reuig zeigt. Aber ein prickelnder Anfang ist bei euch aufgrund eures Gepäcks unmöglich.
Darum ist es auch wichtig, dass du endgültig weißt, was du bezwecken willst. Du musst es für dich wissen und es nicht von ihrem weiteren Verhalten abhängig machen.