Awkward
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ich habe in den letzten Wochen nahezu täglich still mitgelesen und mich in wirklich vielen Beiträgen wieder erkannt. Alles, was ich gelesen habe, hat mir sehr geholfen. Jetzt bin ich aber an einem Punkt, an dem das Lesen nicht mehr ausreicht, an dem ich mir ein offenes Ohr und vielleicht auch einen Ratschlag erhoffe. Ich komme mit meiner Situation einfach nicht mehr klar...
Mein Freund hat mich vor etwa vier Wochen verlassen. Nach 1 1/2 Jahren. Ich bin 32, er 41. Wir haben von Anfang an eine Fernbeziehung geführt, uns trennen 230 km. Ich bin jedes Wochenende hingefahren, da er arbeiten musste. Das hat sich zu Beginn diesen Jahres geändert. Wir haben uns dann abgewechselt. Auch meine Urlaube habe ich - soweit es meine familiäre Situation zuließ (dazu gleich) - immer bei ihm verbracht. Er hat einen vierjährigen Sohn, der regelmäßig an den Wochenenden zu ihm kommt. Soweit der Rahmen.
Unsere Beziehung begann wie ein knall. Wir waren wahnsinnig verliebt. Von jetzt auf gleich. Merkten beide sehr schnell, dass es für uns Suchmeldung, dass es Liebe ist. Nach vier Wochen hat er angefangen, bei mir einen Job zu suchen, obwohl er Haus und Kind hat. Wir waren einfach so wahnsinnig verrück nacheinander. Dachte. Wir könnten alle Hindernisse der Welt auflösen, wenn wir nur uns hätten.
Wir kannten uns grad ein paar Tage, da wurde mein Papa, mein ein und alles, (erneut) schwer krank. Ich war wir gelähmt. Unzählige Tage im Krankenhaus und später auch im Heim folgten. Größtenteils war er gar nicht ansprechbar.
In dieser zeit musste ich viel leisten. Anspruchsvoller Job.viel Verantwortung. Unter der Woche zu Papa und Mama versorgen. Viel Verantwortung. Am Wochenende zu meinem Freund fahren, sorgen vergessen, eine Beziehung zu seinem Sohn aufbauen. Viel Verantwortung.
Es ging wohl schon nach ein paar Monaten an. Ich weiß nicht, ob ich mich direkt zurückgezogen habe. Jedenfalls konnte ich Freude wohl immer seltener zeigen. Offen auf seinen Sohn zugehen. Ich konnte es nicht. Ich war so gefangen in meiner Trauer. Das weiß ich jetzt. Ich habe bereits vor Monaten angefangen zu trauern. Auch wenn Papa erst vor einer Woche gegangen ist.
Zusätzlich bin auch ich lange krank gewesen. Trotzdem hab ich versucht alles weiter zu managen. Die Wochenenden aber, unsere Wochenenden, waren nicht mehr wie vorher. Ich konnte nicht. Wurde immer unsicherer mit mir selbst. Hatte Angst, dass er mich nicht mehr liebt.
Vor vier Wochen nun hat mein Freund Schluss gemacht. Er hat mir vieles vorgeworfen (zu recht). Unsere Leben seien nicht zusammen zu bringen. Er wolle nicht zu mir ziehen. Einen besseren Partner für sein Kind (sein Sohn mag mich sehr, sehr gern. Ich ihn auch, konnte das aber nicht zeigen. Meine Trauer war übermächtig). Ich sei beziehungsunfähig. Er würde mich nur noch mögen. Vielleicht auch etwas mehr. Er könne aber einfach nicht mehr.
So - hoffentlich - die Kurzfassung.
Ich habe auf eine Mail von ihm nur einmal noch geantwortet. Mich total "nackig" gemacht. Das hab ich noch nie. Und auch er hat geantwortet, dass er noch nie so berührt worden sei. Er könne aber einfach nicht mehr.
Um mich zu sammeln, zu reflektieren und zu genesen, habe ich den Kontakt abgebrochen. Nach einer Woche kam von ihm die Frage, wie es mir gehe und dass er total verwirrt sei.
Als Papa gestorben ist (ich habe ihn begleitet) habe ich in meiner Not den Kontakt gesucht. Nach knapp drei Wochen. Ich konnte nicht anderes. Wir haben eine Stunde abends telefoniert. Nur über Papa. Nichts anderes. Aber seine Stimme war noch so "verzerrt" wie bei der trennung auch. Nicht die Stimme, die ich kannte.
Seit dem schreibt er. Zunächst alle zwei, drei Tage. Nur bezogen auf Papa. Nichts persönliches. Das war für mich ok. Habe erstaunliche Kräfte in mir entdeckt. Ich wollte ihn zurück, hab aber trotzdem den lösungsprozess angestoßen. Ich habe mir Hilfe gesucht. Viel geredet und reflektiert. Ich war ein ganzes Stück weiter.
Die Betonung liegt auf war. Ich bin so sauer grade. Er nimmt mir die Möglichkeit um Papa zu trauern, weil ich nur um ihn trauere. Beides ist zu viel. Ich dränge Papa einfach weg! Seit ein paar Tage. Schreibt er regelmäßig ... und ich antworte. Gestern lang auch über uns. Er ist verzweifelt, weiß nicht was er will, was er fühlt (immer noch nicht?). Hat Angst, dass er nicht mit den Konsequenzen seines Handels leben kann... Ich kriege die Krise! Wieso lädt er das bei mir ab? Die Hoffnung die das auslöst! Ich bin soverletzt: er redet von geringer toleranzgrenze und lässt mich mit meinem sterbenden Papa im stich? Was ist denn das?
Ich liebe ihn. Er war der Mann meines Lebens. Ich sage bewusst war, denn nach der letzten Woche frage ich mich, ist das normal dass man in so einer Situation geht ohne vorher alles versucht zu haben? Sicher, ich habe ihn über Monate buchstäblich gequält und zugleich doch so geliebt...konnte es nicht zeigen. Aber ein Wort? Ein einziges?
Nun, ich wollte in erster Linie alles mal niederschreiben. Der neuerliche Kontakt hat mich ganz an den Anfang geworfen. Ich liebe ihn sehr. Ich möchte ihn auch zurück und weiß nicht wie ich mich verhalten soll... Abwarten? Ich habe Angst. Ich möchte weiter an mir arbeiten, alles verstehen und ihm auch wieder vertrauen. Ich weiß es einfach nicht...
Könnt ihr mir einen Tipp geben?
Liebe Grüße
Awkward
