Zitat:Meine Gedanken heute und gestern drehen sich überwiegend um die Frage, wie es gelaufen wäre, wenn ich die Affäre nicht gehabt hätte.
Wären wir dann als Familie so zusammen wie wir es sind? Wäre ich noch bei meinem Mann? Hätte ich meine beiden Kinder bekommen (wollen)?
Fragen, die im Nachgang schlecht bis gar nicht zu beantworten sind.
das Markierte kapiere ich nicht ganz. Du hast Dich darauf einlassen können weil Du wusstest, dass Du neben der Verpflichtung und Bindung ans Familienleben sozusagen noch einen Freiraum hattest- Deinen Affairenmann?
Zitat:Darüber hinaus habe ich vorgestern einen sehr interessanten Aufsatz eines Neurophilosophen über den vermeintlich "freien Willen und freie Entscheidungen" gelesen und mir die Frage gestellt, wie viele Affären tatsächlich mit einer bewussten Entscheidung beginnen.
Ich glaube, es sind nicht viele.
Danach, freilich, wird die Entscheiding, es dem Partner nicht zu sagen, sehr bewusst getroffen.
das finde ich absurd. Demnach sind wir ja nie für unser Handeln verantwortlich weil wir eh keinen freien Willen haben?
Ich glaube, es hat absolut nichts mit einem Mangel an freiem Willen zu tun, sondern mit einer Prioritätensetzung: was ist mir im Moment wichtiger?- ein gutes Gewissen zu haben oder meine Bedürfnisse?
Übrigens- ich will Dir kein schlechtes Gewissen einreden. Aber Du scheinst all die Jahre ja selbst eines gehabt zu haben, schriebst von all den Trennungsversuchen usw. Warum? Weil etwas in Dir Dein Verhalten nicht in Ordnung fand? Oder weil Du mit den Moralvorstellungen nicht konform gehst?
Viel zentraler finde ich die Frage, die wir hier schon hatten- wie viel Nähe zu Deinem Mann ist möglich, wenn er wesentliches aus Deinem Leben nicht erfährt?
Du hast jetzt großen Kummer und Sorge wegen, um Deinen Affairenmann. Das ist emotional vermutlich gerade das wichtigste Thema in Deinem Leben. Dein Mann weiß zwar, dass Du gerade nicht guter Dinge bist, aber all Deine Gefühle und Gedanken kannst Du nicht mit ihm teilen.
Unter diesen Umständen ist meiner Erfahrung nach keine echte Nähe möglich. Das Beisammensein wird zum Schauspiel.
Ich glaube nicht, dass sich z.B. im Falle eines Seitensprungs das Gewissen bzw. Unbehaglichkeit bei uns nur wegen den Moralvorstellungen rührt..., sondern auch aus anderen Gründen.
Auch in anderen Bereichen, also nicht nur in Bezug aufs Fremdgehen, spüren wir doch meistens ganz genau, welches Verhalten das richtige wäre, um uns in Einklang mit uns selbst zu
fühlen.
Manchmal ist das gerade dasjenige, das uns Schwierigkeiten bereitet- wir stoßen auf Ablehnung, wir gestehen ein, dass wir gelogen haben, wir müssen die Tränen oder die Wut des anderen aushalten usw. Und trotzdem spüren wir, wie sich alles in uns entspannt, wenn wir danach gehandelt haben.
Das ist manchmal sehr schwer auszuhalten, aber meiner Erfahrung nach fühlt es sich immer stimmig an, denn in genau diesen Momenten ist es, als sei man wirklich im Kontakt miteinander, man zeigt sich und sieht sich.
Es geht doch nicht nur um Moralvorstellungen, sondern um Authentizität, darum, sich dem Partner zu zeigen, wie man ist.
Solche Fragen waren für mich persönlich nie rational entscheidbar- was ist Moral, Würde?, Gibt es einen freien Willen? usw. , das ist Theorie..., emotional weiß man meistens doch sehr gut, was richtig wäre. Und das in ganz vielen Situationen und Lebensbereichen. Fast jeder Mensch hat eine schnelle und klare Antwort, wenn man ihn fragt, wie er sich in Punkt xyz eigentlich verhalten wollte. Was ihn daran hindert, ist dann meistens das "Aber", die Bedenken, Änsgte usw., die folgen.
Ich bin mal fremd gegangen und habe mich so elend gefühlt, dass ich deswegen den Rat einer Psychologin suchte. Sie fragte mich, welche Motivation ich hätte, ihm die Wahrheit zu sagen. Wenn es nur darum ginge, mein Gewissen zu erleichtern- ich habe Schei. gebaut und will mich nicht auch noch mit den negativen Gefühlen abplagen-, dann solle ich es ihm nicht sagen. Es dient nur meiner Erleichterung.
Ich ging von diesem einmaligen Gespräch Heim und sagte es meinem Freund und es war absolut richtig. Es ging nicht um mein Gewissen, sondern um die "Echtheit" in unserem Kontakt. Ich musste aushalten, zu erleben, wie er darauf reagiert, wenn er erfährt, wie ich wirklich bin, fühle....
Es ist doch spannend- so etwas zeigt einem doch auch einmal auch den betrogenen Partner ganz genau.
Die Gesellschaft schreibt vor..., die Moralvorstellungen...Man selbst spielt doch im Gesellschaftsspiel mit. Man spielt eine monogame Ehe...
Ich finde es etwas verdreht, all den Beziehungskonventionen und Moralvorstellungen zu entsprechen,- eben ein klassisches Eheleben zu führen, sich dann aber über die Engstirnigkeit der Gesellschaft oder die Moralvorstellungen aufzuregen, sich gar wie ein kleiner Rebell zu fühlen- das unterstelle ich Dir nicht @nepomuk- denn man hat ja die Möglichkeit, dieses Spiel nicht mitzuspielen..., müsste dann aber auch die Reaktionen der Mitmenschen aushalten. Und letzteres zu tun, ist schon etwas rebellischer, findet jedenfalls Ysabell
Und erzählt man dem Partner nicht die Wahrheit weil er sie nicht aushalten würde? Oder weil man selbst nicht auf die Annehmlichkeiten, Sicherheiten, die die Moralvorstellungen bieten, verzichten möchte?
Mal ein Beispiel: ich habe mich in einer Freundschaft immer auch ein wenig verleugnet, mich also in bestimmten Bereichen etwas verbogen. Warum ich das tat, weiß ich gar nicht so recht. Aus Bequemlichkeit? Angst vor einem Konflikt? Es fühlte sich jedenfalls sch. an. Dann hatte ich genug von meinem Schauspiel und sprach Tacheles. Folge war große Wut auf der anderen Seite und erstmal Funkstille.
Ja, nicht schön aber seither fühle ich mich in diesem Punkt absolut im Einklang mit mir und atme richtig auf. Wer keinen Kontakt mehr zu Ysabell will, wenn er erfährt, wie sie wirklich denkt und fühlt, zu dem habe ich doch gar keine echte Beziehung.
So könnte ich z.B. auch stumm abnicken oder sogar mit einstimmen, wenn meine Nachbarn über die Flüchtlinge wettern, mich aber in den Abendstunden davon schleichen, um mich in der Flüchtlingshilfe zu engagieren. Oder ich sage, was ich denke und muss die Reaktionen der anderen aushalten.
Fällt mir gerade ein weil ich es kürzlich wettern hörte
Was ist denn echt in meinem Leben wenn ich nicht einmal einen Freund habe, dem ich davon erzählen kann, dass ich Liebeskummer habe? Dass ich eine tiefe Bindung zu einem anderen Mann habe? Nepomuk, Du schriebst doch, dass Du nicht einen Menschen hast, mit dem Du darüber sprechen kannst, oder?
Vielleicht schreibe ich auch am Thema vorbei? Keine Ahnung..., das fällt mir jedenfalls dazu ein. Mein Beitrag ist auch eher fragend geschrieben...und richtet sich auch ein wenig an Dich @whynot60
Ich finde das, was Du schreibst etwas zu theoretisch und denke, es ist emotional viel komplexer.
Habe versucht, dass in meinem Beitrag zu erklären.