Hallo "aufgewacht",
schön von Dir zu hören, wenn auch in Form von Zitaten.
Die Geschichte von "Springer" habe ich aufmerksam und interessiert verfolgt, und sie jetzt noch einmal gelesen. Es stimmt tatsächlich, dass er seine Frau irgendwie sehr unpersönlich beschreibt.
Zitat:Sie ist eine tolle Mutter, häuslich und geht seit einigen Jahren auch noch 1/2-tags arbeiten.
Mir fehlt da die wirklich emotionale Wahrnehmung seines Gegenübers. Er sieht nur ihre "Leistung". Und er sieht auch nur seine "Leistung" auf materiellen Gebieten. Toller Job, erfolgreich etc. Das sind Dinge, die ich nicht unbedingt in die erste Kategorie "Erfolg" einordnen würde. "Authentizität" wäre etwas, dass da hineingehört. Also im Leben nicht opportunistisch sein Fähnchen in den Wind zu halten, um den eigenen Vorteil zu erreichen. Solche Verhaltensweisen sind mir zum Beispiel sehr unangenehm und fremd.
Der Fall "Springer" ist ja sowieso einer für sich. Er lebt einem Ideal hinterher, dass ihm seine Eltern vermittelt haben und an dem er seinen persönlichen und gesellschaftlichen "Wert" misst. Ich finde das ziemlich traurig, wenn ich ehrlich bin. Sein ganzes Leben scheint eine Art "Projekt" zu sein, dass Regeln zu folgen hat, die nicht er selbst festgelegt hat. Daraus spricht eine große "Unselbstständigkeit", die durch die Flucht in eine "Rolle" kaschiert wird. Ob "Springer" wirklich weiß wer er ist, kann ich nicht beurteilen, aber viel Substanz und Nähe zu sich vermute ich in seinem Fall nicht. Der Begriff "Hülle", der im Thread genannt wird, illustriert das sehr schön. Und dieses fehlende Bewusstsein für sein Ich, mit seinen Abneigungen und Vorlieben, ist sicherlich der tiefere Grund dafür, dass er sich schon auf Bahngleisen liegend gesehen hat. Dass ist nicht nur eine "Lebenskrise", sondern eine ausgewachsene Depression.
Ich hatte auch mal so eine Phase. Zwar nicht so schwer, dass ich an die Verabschiedung von der Welt gedacht hätte, aber ich war emotional blockiert und zutiefst einsam. Das hing mit dem Krebstot meiner Mutter zusammen, den ich unmittelbar erlebt habe und in dem Alter noch nicht verarbeiten konnte. Der ganze Schmerz hat sich auf die Seele gelegt, weil ich letztlich alleine mit ihm umgehen musste; funktionieren musste. Ich habe in einer Blase gelebt. Überspielt habe ich das damals mit einer Maske aus Arroganz und Unnahbarkeit, was rückblickend natürlich noch Schmerz verstärkend gewirkt hat. Meine ganze Unzufriedenheit habe ich damals an meiner Umgebung ausgelassen und teilweise enge Freunde verstoßen, was mir heute sehr unangenehm ist. Vor einiger Zeit habe ich eine Freundin aus dieser Zeit wieder getroffen, die mich direkt gefragt hat, was damals mit mir los war. Ich habe es ihr erklärt und mich für meine Hartherzigkeit entschuldigt. Ich war damals nicht ich. Mein Ofen war aus und es brauchte wirklich lange Zeit, bis die Glut in ihm wieder zu glimmen begann; bis ich mich wieder entdeckt habe. Kein leichter Weg. Dort heraus zu kommen ist etwas, was ich für mich als "Erfolg" werte. Hätte ich so weitergelebt, wäre ich tatsächlich irgendwann auf Bahngleisen gelandet, glaube ich.
Heute sehe ich diese Zeit aber als "Geschenk", weil ich die Chance hatte, wirklich meine Abgründe kennen zu lernen und zu sehen, dass diese existieren, es aber möglich ist, sich mit ihnen zu versöhnen, sie einschätzen lernen zu können und die Dämonen bannen bzw. bekämpfen kann, die aus ihm hervorstreben.
Worin ich mich in dem Zitat wiederfinde ist, dass ich wenig Gefühlseindrücke geäußert habe, wenn sie mir nahe war. Daran muss ich auf jeden Fall arbeiten. Es war ganz oft so, dass mir erst im Nachhinein eingefallen ist, dass ich einfach mal hätte sagen können, dass die Situation gerade schön ist oder ich mich wohlfühle. Das kam tatsächlich zu selten, wenn ich zurückblicke.
Aber ich schrieb ja anfangs auch, dass ich teilweise nicht mehr dazu kam, weil vorher schon die Frage danach gestellt wurde. Das soll keine Entschuldigung oder Relativierung sein! Es war einfach so. Teilweise hat sie meine Liebesäußerungen auch gar nicht angenommen.
"Sowas wie mich kann man lieben?" usw. Mehr als ein "Ja, verdammt!", kann ich dann nicht mehr äußern. Und wenn das dann nicht ankommt... Was tun?
Zitat:entdecke, dass das konventionelle Männerbild unmenschlich und unmännlich ist
D'accord! Ich bin ganz sicher keiner der Männer, die, mit "Machismo" bis zur Schädeldecke durch die Welt laufen und Frauen als schwache, formbare Anhängsel zum Ego-Push begreifen und das Leben auf dicke Autos ausrichten. Ganz sicher nicht. Das ist mir zutiefst zuwider. Und ich suche auch keine "Mutti", die für mich den Haushalt schmeißt und mein Leben organisiert. Bei solchen Paaren bekomme ich Brechreiz.
Zum zweiten Zitat:
Ich beschäftige mich schon seit der Pubertät mit den Themen, die da aufgezählt werden. Zum Beispiel mit dem Buddhismus, respektive dem Zen, seit ungefähr 20 Jahren. Ich meine aber nicht "Zen" als neumodischen New-Age-Abklatsch mit Räucherstäbchen und Buddha-Statue im Bad!
Fremde Kulturen und Bräuche sind auch schon seit ganz langer Zeit Teil meines Bildungshorizonts. Besonders die asiatischen Länder haben es mir angetan, weil die Menschen dort eine ganz andere Denkweise als wir "Westmenschen" haben. Da kann man viel lernen.
Den Mut "anders" zu sein bzw. zu denken, habe ich auf jeden Fall und mir ist die "allgemeine Verflachung" auch sehr, sehr unangenehm. Wenn ich manchmal höre, was so gesprochen wird, wenn sich Menschen in der Kneipe unterhalten, gruselt es mich. Arbeit, Einkommen, Konsum. Das kann doch nicht alles sein!? Wo bleibt die Seele, wo der Geist, wo das Herz?
Zitat:Ich habe zudem jede Menge (vor allem ältere) Menschen befragt, wie es ihnen so erging mit ihrem Partner. Meistens kam heraus, dass sie zwischendurch auch vorübergehende fette Krisen hatten, Affären, Trennungen … und wieder zusammen kamen. Interessant zu hören, welche Fallstricke sie im Nachhinein entlarvt hatten, interessant zu sehen, wie sie beim Erzählen über sich selber schmunzelten. Von diesen "Erfolgsstories" (wie ich finde) liest man in Foren leider so gut wie nichts.
Falls es noch nicht deutlich geworden sein sollte zwinkern Ich persönlich finde die meisten Trennungen ziemlich überflüssig (außer bei Verbrechen und vielleicht bei Sucht …). Eine persönliche Entwicklung dagegen überhaupt nicht. Bei Gründen wie "wir haben uns auseinandergelebt" oder "ich liebe ihn/sie nicht mehr" horche ich auf: Meist ist hier ein Schritt selbstwärts nötig. Mit dem Partner hat das meist herzlich wenig zu tun.
Schön gesagt!
Ich finde auch, dass man von jedem Menschen auf seinem Weg etwas lernen kann. Mir geht das zumindest so. Aber dafür muss man achtsam sein und sein Gegenüber wahrnehmen können ohne zu urteilen. Leider habe ich manchmal das Gefühl, dass Empathie und "emotionale Intelligenz" langsam verschwinden. Viele Menschen sind einfach zu voll vom "Ich".
Liebe Grüße an alle!