Liebe Tropicana,
dir ist sicher klar, dass dein gegenwärtiger Zustand erst einmal Gründe hat, die du selber erschaffen hast. Man kann nun lange darüber schreiben, was du stattdessen alles hättest machen können, aber ich versuche lieber herauszufinden, wie du in diese Situation gekommen bist und was du JETZT machen könntest. Denn Veränderungen können nur in Gegenwart und Zukunft stattfinden.
Unvermittelt deinen Mann zu informieren ist meiner Erfahrung nach nicht der beste Weg, denn du würdest bei ihm etwas abladen, was du alleine nicht tragen kannst. Er müsste es dann mittragen, aber er weiß nicht, was du wirklich willst, weil du selber nicht weißt, was du wirklich willst und vor allem, was du wirklich SCHAFFEN kannst.
Es geht also in einem ersten Schritt darum, für dich selber herauszufinden, was dein Ziel ist, was überhaupt machbar ist, wo und wie du in Zukunft leben willst.
Zitat:>> Jetzt ist einfach so eine unendliche Leere und Verwirrung in mir. Soll ich in meiner Ehe bleiben und wie kann ich das, wenn ich zu so einem dreisten Betrug fähig bin? Soll ich es meinem Mann sagen und ihn dabei ein Stück weit zerstören? Ich weiß nicht weiter.<<
Es wird sich voraussichtlich nicht die Frage stellen, ob du in deiner Ehe bleiben kannst. Denn das entscheidest du ja nicht alleine, das muss dein Mann mit entscheiden, wenn er mit eingeweiht ist. Die Beziehung ist, so wie sie war, für dich nicht mehr befriedigend gewesen. Was damals an Veränderung und Optimierung möglich gewesen wäre, ist heute nicht mehr ohne weiteres zu erreichen. Denn erst einmal muss der Betrug und die Affäre verarbeitet werden. Erst dann kann sich heraus stellen, ob ihr noch einen gemeinsamen Weg gehen könnt und wie der aussehen könnte.
Kurze Analyse der Affäre:
Zitat:>>Als ich nach Hause gekommen bin, bin ich heulend an der Treppe zusammengebrochen, weil ich so einen inneren Widerspruch gespürt habe. Ich hab meinem Kursfreund eine Nachricht geschickt, dass ich den Abend mit ihm schön fand, aber ich nicht weitermachen kann.<<
Das war der denkbar letzte Zeitpunkt, an dem eine Wendung vielleicht noch möglich gewesen wäre.
Zitat:>>Und da fing es an: er hat nicht locker gelassen, schrieb mir ständig unglaublich romantische Sachen, hat mich auf der Arbeit besucht, hat sich total ins Zeug gelegt. also schrieben wir weiter. Jeden Tag.<<
Deine Formulierung suggeriert, dass du Opfer seiner Bemühungen warst. Korrigiere dich da bitte. Ich weiß, dass viele sich in dieser Situation als Opfer sehen, aber das hilft dir nicht. Du hast das, was anschließend passiert ist, mit vollem Bewusstsein mit getragen. Darum solltest du auch dazu stehen.
Zitat:>>Dabei ist es nicht geblieben und nach einigen Monaten war das schon eine Affäre. Er hatte irgendwie gar kein Problem mit gar nichts und für mich war alles ein Problem, so dass ich alle paar Wochen emotional zusammengebrochen bin und versucht habe es zu beenden.<<
Ich kann nachempfinden, wie es dir dabei ging, darum rede ich auch nicht von SCHULD, aber von VERANTWORTUNG. Denn du trägst für das, was ihr miteinander hattet, die volle Verantwortung. Bitte mach dir das klar, sonst kommst du da nicht heraus.
Zitat:>>Nun bin ich mit den Kräften am Ende und habe jetzt seine Nummer gelöscht und den Kontakt hoffentlich endgültig eingestellt auch wenn ich unglaublich darunter leide. <<
Das ist ja nun erst der Beginn. Das Problem ist nicht aus der Welt, sondern die Problemlösung liegt noch vor dir. Es mag einige Menschen geben, die in deiner Position die Affäre, weil sie beendet ist, als GUTES GEHEIMNIS ansehen und denen es danach gelingt, die häusliche Beziehung wieder lebendig und lebenswert für beide zu machen. Ich sehe das bei dir nicht, soweit ich da bisher beurteilen kann.
Zitat:>>Ich will alles von einer Person und möchte dieser einen Person auch alles geben. Habe mich leider in ihn verliebt, obwohl er kein bisschen zu mir passt. Und es tut weh mich von dieser Beziehung zu lösen. Doch ich weiß warum ich das mache und auch wenn das Zeit braucht, muss ich damit zurechtkommen.<<
War denn irgendwann ein Thema, dass ihr zusammen kommt, ein Paar werdet und du dich deshalb scheiden lässt? Oder war immer schon sichtbar, dass er dich zwar als Affäre möchte, aber keine Bindung will?
Zitat:>>Was ich mit meiner Ehe von nun an machen soll...habe ich keine Ahnung und das bringt mich zur Verzweiflung.<<
Das liegt ja wie gesagt nicht nur in deiner Hand, sondern wird zusammen mit deinem Mann herausgefunden werden. Und zwar dann, wenn du genügend Kraft und Klarheit gesammelt hast, um das zu tun.
Zitat:>>Mein Mann hat definitiv was gemerkt, nur will er das nicht wahrhaben. Er ist ein herzensguter Mensch und wir gehen meistens sehr liebevoll miteinander um, aber von Leidenschaft ist keine Spur. Noch dazu macht er mir in letzter Zeit ordentlich Druck, dass wir Kinder bekommen sollen, weil wir schon lange genug zusammen sind.<<
Letzteres ist die schlechteste Idee überhaupt. Kinder taugen nicht als Bindemittel, sondern sie können eine zerbrechliche Beziehung zusätzlich schwer belasten. Die Reihenfolge ist: Erst du, dann ihr als Paar, dann erst kann eine Perspektive entwickelt werden.
Zitat:>>Kann mir jemand mit etwas Erfahrung und einem klaren Kopf vielleicht meine Handlungsmöglichkeiten aufzeigen?<<
Ich will es gern versuchen, wenn du schon mal auf das eingehst, was ich gerade geschrieben habe.