Vielen Dank für eure Nachrichten und auch guten Ideen von gestern. Entschuldigt bitte, dass ich euch allen jetzt mal gemeinsam antworte.
Über alternative Beziehungsformen, offene Beziehung und Polyamorie haben wir uns mehrfach ausgetauscht und hinterfragt, ob es etwas gäbe, wo wir alle gut mit zurechtkämen, mit dem Schluss, dass keiner von uns langfristig damit glücklich wäre, weil grundlegende Bedürfnisse sich überschnitten hätten und nicht vereinbar gewesen wären. Es kommt auch dazu, dass trotz unseres Alters ein Wunsch nach Familienplanung bestand, was zuvor leider nicht geklappt hat. Das hätten wir uns alle aber auch nur mit einem Partner vorstellen können und wollen, nicht aber in einer Drei- oder Vielecksbeziehung.
Was ich zur psychischen Vorbelastung und zu meinem "Beuteschema" sagen kann: Ich habe kein Beuteschema weil Menschen für mich keine Beute sind, die ich jage und festleine, sondern ein Glück, das einem begegnet und bleiben will oder nicht. Ich war nie aktiv auf Partnersuche und meine ehemaligen Partner waren sehr unterschiedliche Menschen, mit denen ich langjährige Beziehungen hatte und denen ich auch treu war. Nur die letzten beiden Männer hatten psychische Vorbelastungen, von denen ich aber erst erfuhr, als ich verliebt war. Das war aber kein Grund für mich, den Menschen nicht anzunehmen.
Die psychischen Vorbelastungen haben aber bei keinem der beiden ihre Selbstverantwortlichkeit eingeschränkt, dass sie nicht imstande gewesen wären, sich zu distanzieren. Mein Freund hatte sich auch schon einmal von mir zeitweise getrennt, wir waren aber aufgeschlossen und haben gesagt, dass, wenn es sich stimmig anfühlt, wir es nochmals versuchen werden, was nach 6-monatiger Pause auch so kam. Der andere Mann hat seine zweitletzte, an sich harmonische und langjährige Beziehung zu seiner Freundin beendet, obwohl er sie liebte, weil er sich mehr Entwicklung und Bewegung wünschte. Ich schreibe das, weil ich damit zeigen möchte, dass beide durchaus imstande dazu waren, eigenständige Entscheidungen zu fällen und keine Marionetten sind, die abhängig von einer Fremdentscheidung waren.
Und ich weise keine Schuld von mir, dass ich auf etwas angesprungen bin, was ich mir viele Jahre gewünscht und kommuniziert habe, was mir plötzlich mit offenen Armen angeboten wurde. Ich hatte nie eine vergleichbare Situation in meinem Leben und wußte selbst nicht, wie ich damit umgehen soll, ich hätte mir auch nicht vorstellen können, dass es möglich ist, geschweige denn dass mir so etwas passieren würde. Und ich mache mir dafür heftige Vorwürfe, etwas signalisiert zu haben, bevor ich einen klaren Cut mit meinem Freund gehabt hätte. Nein, ich wollte nicht warm wechseln, die Situation war fremd für mich und hat mich überfordert.
Ich habe aber erkannt, dass ich meine Trennungsversuche, auch die, die klar so formuliert waren, dass vor etwas neuem ein cut zum alten sein muss, wenn es kein Teufelskreis sein soll, durch Appelle an mein Mitgefühl unterbunden wurden, Nervenzusammenbrüche, cholerische Anfälle, die Bitte, nicht zu gehen). Ich habe den Mann geliebt aber die Entscheidung gegen ihn zur Klärung mit meinem Freund, in welche Richtung es sich auch immer entwickelt hätte - durfte ich nicht treffen, ohne dass Appelle an meinen Gerechtigkeitssinn und heftige Zweifel an der Richtigkeit und die Art meiner Entscheidung aufgekommen wären. Auch, wenn viele von mir hier keinen Funken an Empathie zutrauen, hat es mich zutiefst berührt und immer wieder neue Fragen aufgeworfen. Es war ja nicht so, dass ich ihn nicht liebe und mir nicht hätte vorstellen können, dass wir nach einer Aussprache tatsächlich eine Chance gehabt hätten. Er hat sich aber von vornherein heftig gegen eine Distanzierung gewehrt und sich abgelehnt gefühlt.
Wir haben uns gestern auf jeden Fall voneinander verabschiedet. Das Treffen war mit dem schlimmsten Anfall verbunden, den ich bei ihm erlebt habe. Ich habe ihn im übrigens nicht zum Choleriker gemacht, das war er auch vor meiner Zeit, da mir das jemand von euch hier auch mal vorwarf.
Er wird sich nun frei sich und seinen Bedürfnissen zuwenden und ich mich meinen.
Mit meinem Freund werde ich Klärung schaffen und wenn er denn möchte und bereit dafür ist, auch eine gemeinsame Therapie in Anspruch nehmen.
Danke nochmals für eure Meinungen, ich verstehe auch eure harte Kritik und danke euch für viele gute Anregungen.