catherin
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Am Anfang einer Beziehung, die begann wie in einem Roman von Rosamunde Pilcher. Das Ende ähnelt eher einer schlechten Vorabend- Soap und ich habe eine ungewollte Rolle darin.
Getroffen in einem Chat vor knapp 5 Jahren, so fasziniert voneinander, dass nächtelangen Telefonaten, einem kurzen Sehen und Berühren in Deutschland, eine Wochen in New York folgte und das den Beginn einer wundervollen, lebendigen (Fern)-Beziehung einläutete.
Eine sehr intensive, nahe Beziehung, in der wir die Woche mit täglichen Abendtelefonaten überbrückten. Ich habe ihn als gefühlvollen, zärtlichen Partner; als klugen, interessanten, charismatischen Mann an meiner Seite geschätzt und war sehr glücklich, ihm begegnet zu sein.
Es gab auch andere Facetten, die das Leben mit ihm schwierig gestalteten. Er ist kein werteorientierter Mensch, beschreibt sich als Egozentriker, hatte ein ganz eigenen Blick auf die Welt. In seiner langjährigen Ehe hat er seine Frau mehrmals ‚platonisch’ betrogen. Suchte das Gefühl der ständigen Verliebtheit. Ein Verhalten für mich unvorstellbar. Ich vertraute, da ich liebte.
Meine berufliche Entwicklung hat in dieser Zeit einen sehr dynamischen Trend erfahren. Bei ihm dagegen, ist eine Plateauphase – auf einem allerdings sehr hohem Niveau – eingetreten. Bei abendlichen Telefonaten nahmen meine beruflichen Themen mehr und mehr Raum ein.
Meine Intuition zeigte mir irgendwann schmerzlich, dass er sich zurückzieht, warum auch immer. Ich schob das auf eine persönliche Krise, das Stagnieren seiner Karriere, die Probleme mit seinen beiden Kindern, die obwohl schon über 20 ohne Ausbildung und lebensuntüchtig. Auf nicht vorhandene Ziele in seinem Leben.
Ich fragte ihn, ob er noch bei mir ist .. und bekam immer ein Ja.
Ende September plante er einen Trip zur Biennale nach Venedig. Allein. Ich unterstützte das sehr, da er in einer immer schlechteren Verfassung war.
Er kam nicht mehr zurück zu mir, informierte mich telefonisch über seinen Rückzug. Er nannte mir keine Gründe, nur, dass er ein Stück Weg allein gehen muss. Hoffte als Einziges, das ich die Zeit genauso positiv wie er einschätze.
Mir hat es schlichtweg die Füße unter den Boden weggezogen. Er war einfach gegangen, ohne zu klären, ohne zu reden. Hat sich einfach der Situation entzogen.
Für mich so unwirklich, als ob er mir nie nah war, mich nie berührte, nie meine Hand nahm.
Seitdem versuche ich nun – seit Januar mit lieben Zeitgenossen aus diesem Chat – zu akzeptieren, was ich nicht verstehen kann. Ein schwerer Weg. Manchmal, nur manchmal, habe ich für einen kurzen Augenblick den blauen Himmel wieder gesehen.
Bis letzten Donnerstag. Ich bekam mitten in einem Workshop einen Anruf von einer Frau.
Sie erzählte mir, dass sie ihn bereits seit März aus einem Chat kennt. Dort hat sich mit mehrere Frauen getroffen. Seit Juli sind sie ein Paar. Sie war mit in Venedig. Sie wollen jetzt zusammenziehen. Sie hatte ihn aufgefordert, mir ‚reinen Wein’ einzuschenken. Nun hat Bedenken, ob man ihm trauen kann. Fragt mich, ob ich nichts gemerkt hätte. Fragt mich um Rat, was sie tun soll.
Ich habe ihr zugehört, noch ohne zu erfassen. Es kam zeitversetzt. Körper und Geist wehrten sich.