@Phoenix
Zitat:Ich denke nicht, dass das krank ist. Du kannst Dich eben in andere sehr gut hineinversetzen, und denkst, dass Du sie mit Deinem Verhalten enttäuscht hast. Vielleicht ist das Problem diesbezüglich aber kein Hineinversetzen, sondern ein für-andere-fühlen Aspekt. Ich sage das, weil es ganz oft noch ein Problem bei mir ist. Ich glaube zu wissen, was andere fühlen (könnten) und gehe dabei von mir aus. Ichh beschäftige mich dann mit deren Gefühlen, die aber nur in meinen Gedanken existieren. Ich fühle sozusagen für sie, und schwupp bin ich weg von meinen Gefühlen.
Liebe Phoenix, ich muss schon sagen, die letzten Tage finde ich immer neue Puzzleteilchen, auch gerade durch deine Beiträge, die mir immer deutlicher machen wo das Grundproblem liegt. Das
für andere fühlen ist so ein Aspekt. Früher war ich sogar "stolz" darauf, das ich oft so vorsichtig im Umgang mit anderen war, sie nicht verletzen wollte, meistens mehr bei ihnen als bei mir war. Das ich mich selber dabei gar nicht mehr gespürt habe, war mir nicht bewusst. Ich schreibe "früher", aber eigentlich bin ich ja nicht drüber weg, bin zwar besser geworden, aber ich glaube dieses Thema wird mich für den Rest meines Lebens begleiten.
Zitat: Trauer zulassen. Dieses auf und ab ist anstrengend, das stimmt. Aber viel anstrengender wäre doch, es nicht zu verarbeiten und es bis zum Sterbebett mit sich "herumzutragen".
Dazu fällt mir ein Buch ein, ich habe es nicht gelesen, aber darüber gelesen. Es ist von einer australischen Krankenschwester, die viele todkranke Menschen beim Sterben begleitet hat. Sie hat diese Menschen gefragt, ob/was sie in ihrem Leben bereuen oder gerne anders gemacht hätten und die Antworten sind bezeichnend:
1.Ich hätte gerne den Mut gehabt, mein eigenes Leben zu leben-
und mich nicht von den Erwartungen anderer leiten lassen.
2.Ich hätte nicht so hart arbeiten dürfen.
3.Ich hätte den Mut haben sollen, meine Gefühle auszudrücken.
4.Ich hätte mit meinen Freunden in Kontakt bleiben sollen.
5.Ich hätte mir mehr Glück und Zufriedenheit gönnen sollen.
Am Ende des Lebens, von allem überflüssigen "Wichtigkeiten" (eher Nichtigkeiten) befreit, kommt man zu den essentiellen Antworten. Ich wünsche mir, das wenn bei mir mal die Stunde schlägt, ein anderes Resümee ziehen zu können, ich bin auf dem Weg. Die Trauer über das Geschehene zuzulassen fällt mir immer noch schwer, es schaltet sich der Kopf dazwischen und versucht es mit rationalem verarbeiten, seine Spezialität. Heulen findet der irgendwie blöde, schwach. Aber er verliert zusehends die Kontrolle, weil sich all diese verletzten Gefühle einfach bahn brechen, herausgeschwemmt werden müssen.
Zitat:Unser negativ Erlebtes ist ist so vernarbt, dass es schmerzt, weil die Narbe an der gleichen Stelle wieder aufgerissen wurde. Darunter ist eine Wunde mit einer Infektion, die nie verheilt ist.
Es gibt dazu ein schönes Lied, ich bin in der Zeit mit dem N drauf gestossen und habe es rauf und runter gehört, weil der Text genau ausdrückt, wie ich mich gefühlt habe.
Es tut wieder weh (Jennifer Rostock)
Ich trag meine Vergangenheit mit mir rum wie Dreck
Unter den Nägeln und mein Tagebuch widert mich an
Ich zerreis' alle Seiten und versuch zu vergessen, dass ich dich nicht vergessen kann
Meine Gedanken häng' wie Trauerweiden in der Luft
Und die Schwalben fliegen wieder tief
Dann seh ich deine Silhouette am Horizont da war das Monster, das so lange schlief
Du tauchst in mein Leben
Und ich spür', wie es sticht
Wie all' meine Hoffnungen an den Worten zerbricht
Du tauchst in mein Leben
Schürst aufs Neue die Glut
Und meine älteste Narbe spuckt wieder Blut
Es tut wieder weh
Es tut wieder weh
Ich will raus hier
Doch ich weiß nicht wie
Es tut wieder weh
Es tut wieder weh
Und mein Stolz geht vor dir auf die Knie
Es tut wieder weh
Noch mit den Füßen im Feuer würd' ich schwörn' es ging mir nie besser doch die Lüge ist kein Triumph
Ich verteidige mein Wort schon seit Jahren bis aufs Messer
Doch das Messer wird mir langsam stumpf
Es tut wieder weh
Dieses Verlangen, das ich nicht ertrag
Es tut wieder weh
Es tut wieder weh
Und ich fühl' mich, wie am ersten Tag
Es tut wieder weh
Es tut wieder weh
Du tauchst in mein Leben
Und mein Leben wird kalt
Und deine Versprechen werden müde und alt
Du tauchst in mein Leben
Und ich spür', wie es sticht
Denn du siehst mich nicht
Oh, du siehst mich nicht