Janni
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der Garten war ihm nicht wirklich wichtig. Ich habe immer lieber selber die Wiese gemäht (als Rasen würde ich das nicht bezeichnen wollen) und die Hecke geschnitten. Das war für mich immer, als wenn ich der Hecke oder dem Rasen eine neue Frisur verpasse. Das was mein Ex da so gemacht hat, war für meine Empfindung immer sowas wie eine Vergewaltigung. Ihm war es eher egal wie es aussah, Hauptsache vor den Nachbarn stand er als "echter" Mann da und macht die "harte Männerarbeit" und nicht die Frau. Die Qualität stand da gar nicht im Vordergrund.
Es musste für ihn auch immer was Besonderes herhalten um seine Einzigartigkeit zu unterstreichen. Das hätten dann immer seltene Autos sein müssen, die er aufgrund seines miserablen Umgangs mit Geld nie hätte bezahlen können. Sein für mich miserabler Heckenschnitt war dann künstlerische Freiheit. Ich war für ihn auch immer was, womit er angeben konnte. Das habe ich aber auch erst später durchschaut. Als Frau mit abgeschlossenem Ingenieursstudium und dann bei meinem jetzigen Arbeitgeber, die erste Frau im technischen Außendienst - wow. Das war für ihn so tooolllll. Da muss man schon was ganz Tolles und Besonderes sein um so eine Frau abzubekommen. Aber mir nicht mal zutrauen, dass ich mit der Bohrmaschine umgehen kann oder ähnliche Dinge. Dumm, dass in der Regel mein Ergebnis immer qualitativ hochwertiger war als sein Ergebnis. Dann hatte er eben einfach nur grade einen schlechten Tag oder wieder seine Herzprobleme (hat einen Herzfehler). Er kam damit nicht zurecht, dass ich sehr oft Recht hatte mit meiner vorausschauenden Sichtweise und mit meiner Fähigkeit um die Ecke zu denken und meinem eigenen Qualitätsanspruch.
Er hat Modellbau gemacht und hat dann seine Modelle immer ins Internet gestellt und nach Bestätigung gesucht, dass er toll ist. Oder Online-Spiele gespielt. Er hat dann ab und an mal Lob bekommen, dass er seine Aufgabe in der Gruppe toll gemacht hätte. Die Reaktion war echt sehenswert: "Hey, die haben mich gelobt, ich war gut." Er hat daraus immer sonstwas gemacht, hat mir wenn ich grade auf der Arbeit war (er hat Schichtdienst) dann SMS geschickt oder MMS, damit ich das auch ja lese und sehe. Jedesmal, wenn er gekocht hat, wollte er wissen, ob er toll gekocht hat. Er braucht dieses Lob und die Anerkennung um sich selber besser zu fühlen. Er kann keine eigene innere Zufriedenheit erlangen indem er mit sich selber und dem Ergebnis seiner Arbeit einfach zufrieden ist, immer nur durch Bestätigung von Außen. Klar ist Lob schön. Aber das fand ich echt übertrieben. Und ich bin eh eher jemand der nicht gerne im Rampenlicht steht. Mir reicht es zu sehen, dass es gut läuft und die Leute zufrieden sind. Damit bin ich glücklich und zufrieden.
Eigentlich können einem solche Menschen nur leid tun, da sie es wohl nie schaffen, wirklich glücklich zu sein. Aber andererseits bringen sie Menschen ohne Rücksicht in Schwierigkeiten. Auch wenn unser Sohn mal was toll gemacht hat, kam dann meistens ein Spruch ala "Hab ich da nicht einen tollen Sohn gezeugt?"
Naja, ich könnte noch stundenlang weiter schreiben. Aber das würde wohl den Rahmen sprengen
LG Janni
