Zitat von Arnika: Wenn ich jahrelang den Sex verweigere, ist das in jeder Kultur, Religion und Gesellschaft ein Bruch der Ehe und Scheidungsgrund.
Es ist ein bissl OT, gehört aber irgendwie auch zum Thema dazu. Nein, der BGH zum Beispiel macht den Bestand der Ehe nicht am Vorhandensein von Sex fest. Es geht um die Bereitschaft des Füreinander Einstehen Wollens also wirtschaftlich und rechtlich. Das ist in Ländern, in denen das Verschuldensprinzip zumindest noch auf dem Papier existiert etwas anders, das ist aber dem Verschuldensprinzip immanent, welches, weil ja Schuld verteilt werden muss, die Parteien auch dann gegeneinander ausspielt.
Es gibt aber genügend Ehen, in denen Sex zT von Anfang an keine Rolle spielt. Das Problem ist nicht der fehlende Sex sondern die Uneinigkeit der beiden darüber.
Ich möchte übrigens anmerken, daß ich die Formulierung den Sex "zu verweigern" sehr problematisch finde, denn er stammt aus einer Zeit, in der vor allem Frauen verpflichtet waren, ihrem Ehemann beizuwohnen und er lenkt den Blick eigentlich nicht dort hin, wo es lohnt hinzuschauen, nämlich zum anderen, der die Situation ja mitträgt.
Ich verstehe natürlich Deinen Ansatz, aber ich finde, er greift gerade etwas zu kurz, denn Du schaust zwar auf die Ehe, vernachlässigst aber die Familie. Peter steht vor der Herausforderung seine Ehe so zu verändern, daß diese ihm Raum gibt für ein erfülltes Liebesleben ohne nach Möglichkeit dabei seine Familie zu verlieren. Das ist nicht mit einem Gespräch oder dem Aussprechen der Trennung getan und nur ihr den schwarzen Peter zuzuweisen, so denn die Schilderungen tatsächlich in ihrer Einseitigkeit stimmen, wird da nicht helfen.
Er schreibt, der Sex hätte nach der Geburt des zweiten Kindes aufgehört, es gibt eine ganze Reihe von Frauen, die nach der Geburt und vor allem aufgrund der Geburt Verletzungen erleiden, welche Sex weniger lustvoll ja so gar schmerzhaft machen. Vor 20 Jahren sind Frauen mit solchen Probleme noch völlig alleine gelassen worden, weil es eben in Kulturen in denen Frauen sich dem Mann hinzugeben haben, der weiblichen Lust nicht bedarf. Ich kann nicht beurteilen, was davon auf Peters Ehe zutreffend ist, aber es geht mir darum, darzustellen, daß das alles schon etwas komplexer sein dürfte, als ein "was bitte hat die Ehefrau denn erwartet".
Weibliche und männliche Lust unterliegen Schwankungen über die Jahre. Da kommt die Menopause oder der Bluthochdruck , Stress oder Trauma, und plötzlich geht erst einmal nix mehr. All das sind Herausforderungen die in einer Ehe gemeistert werden wollen. Dafür braucht es Geduld und gute Kommunikation, gerade letztere ist aber, so scheint es, hier nun wirklich nicht gegeben.
Wie bricht man eine Ehe auf, ohne die Familie zu verlieren und vor allem wie kann dann irgendwann neue Partnerschaft gelingen, wenn man doch eigentlich gar nicht hätte gehen wollen, sondern nur gegangen ist, weil man sich nicht mehr geliebt gefühlt hat? Wenn die alten Familienstrukturen doch weiter gelebt werden wollen?
Das sind fundamentale Fragen, die sich nicht im Vorbeigehen lösen lassen, sondern Zeit und meinem Dafürhalten nach auch Hilfe von Außen brauchen.
Peter, Du stehst am Anfang einer Reise, die sicher auch ganz schön beängstigend ist. Ich finde es gut, daß Du dich nicht kopfüber in eine Affäre stürzt, um die verkorkste Kommunikation aufzubrechen, sondern nach anderen, besseren, erwachseneren Wegen suchst. Das spricht sehr für dich!
Als Du von Deiner Gartenarbeit oder den Wochenendtrips erzählt hast, konnte ich Deine Isolation so gut spüren. Ich glaube, daß der Sex natürlich ein Thema ist, aber eben nicht das einzige, Du möchtest, wie wir alle, wieder gesehen werden und zwar nicht nur als Vater oder derjenige, der sich ums Haus kümmert sondern als Mann und als Mensch. Vorwürfe und der Blick auf die Nicht-Habenseite führen nicht zu konstruktiven Lösungen. Du hast einen ersten Schritt gemacht, in dem Du Dich uns und auch Deiner Frau gegenüber geöffnet hast. Das hat sicher sehr viel Mut erfordert.
Schön wäre jetzt, wenn Du weiter machst.
Wie wäre denn mal ein Coaching für Dich oder käme eventuell auch eine eigene Therapie für Dich in Frage? Hast Du einen guten belastbaren Freundeskreis, also außerhalb der "wir sind befreundet mit" Nummer, bei denen Du Dich weiter öffnen könntest? Wofür interessierst Du Dich denn ansonsten und hast Du da Gleichgesinnte mit denen Du etwas unternehmen könntest?
Bitte fühl dich gesehen!
Alles Gute.