Yugo
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ich wurde vor ein paar Tagen von meiner Freundin verlassen und möchte die Möglichkeit hier nutzen um unsere Geschichte und meine Gedanken niederzuschreiben und evtl. auch etwas Feedback zu erhalten. Wir sind beide Mitte 30.
Kennengelernt haben wir uns im November vergangenen Jahres, über eine Dating App. Ich weiß noch ganz genau wie ich eines Morgens aufgewacht bin und ihre erste Nachricht auf dem Handy gelesen habe. Es folgte eine Woche intensives Schreiben, wobei wir uns über alles Mögliche ausgetauscht haben. Nach den paar Tagen haben wir uns schon so verbunden gefühlt. Es folgte unser erstes Treffen nach nicht einmal einer Woche. Die restlichen Wochen bis zum Jahresende haben wir uns beinahe täglich gesehen, ab dem neuen Jahr täglich. Es hat einfach wundervoll harmoniert, ich hätte nie gedacht dass es so etwas gibt.
Ihre vorherige Beziehung hatte sie erst zwei Wochen vor unserem Kennenlernen beendet. Sie wollte sich sicher mit uns sein, und nicht überstürzt die nächste Beziehung starten, weshalb die Kennenlernphase drei Monate dauerte. Es war uns aber beiden bewusst dass es nur eine Formsache war, wir haben so gut zusammen gepasst. Ab Februar waren wir dann ein Paar. Da meine Wohnung im Sommer vom Vermieter renoviert werden sollte, haben wir die Gelegenheit genutzt und ich bin bereits im Juni zu ihr gezogen.
Was ich rückblickend unterschätzt habe, ist ihr zeitraubender Lebensstil. Sie hat zwei Hunde (zusammen mit jeweiligem Ex-Partner) und ein Pferd. Mit den Hunden betreibt sie Hundesport im Verein. D.h., einmal wöchentlich Training, am Wochenende hin und wieder ganztägige Turniere oder Vereinsausflüge. Das Pferd ist in einiger Entfernung (eine reichliche halbe Stunde Fahrtweg) untergebracht, und wird meist dreimal wöchentlich besucht. Hinzu kommt eine Selbstständigkeit als Ernährungsberaterin für Hunde. Ergänzend durch einen kommunikativen Job hat sie sehr viele (soziale) Kontakte, die auch gepflegt werden wollen.
Das alles hat dazu geführt, dass sie im Alltag ständig gebunden war. Für gewöhnlich kam sie nicht vor 20 Uhr nachhause, meist auch später. Verständlicherweise braucht sie dann auch mal Zeit für sich. Gemeinsame Aktivitäten mussten immer im Voraus geplant werden, und sich danach richten ob die Hunde bei uns sind oder nicht anderweitige Verpflichtungen durch die Tiere bestehen.
Wie das in unserer Anfangszeit funktioniert hat ist mir jetzt im Nachgang ein Rätsel. Sie hatte mir von Anfang an gesagt, dass sie viel unterwegs ist, und dass ihr bisheriges Leben bzw. der Lebensstil ihr sehr wichtig ist und sie daran nichts ändern will und wird. Trotzdem gab es diesbezüglich anfangs nie Probleme. Nach dem Zusammenziehen hatte ich wohl unterbewusst die Erwartung, dass wir uns weiterhin so regelmäßig sehen oder noch mehr Zeit als zuvor verbringen können.
Damit die Beziehung weiterhin funktioniert, habe ich mich so gut es ging arrangiert und untergeordnet. Bspw. bin ich mit zum Pferd gefahren (gemeinsame Zeit auf der Fahrt) oder bin mit den Hunden raus (weniger Belastung für sie). Zeit mit meinen sozialen Kontakten oder Sport habe ich nach ihrer Planung gerichtet und so gelegt, dass dadurch gemeinsame Zeit mit ihr nicht gefährdet wird. Das hat sie nicht verlangt, aber andernfalls hätten wir uns noch weniger gesehen.
Unterm Strich war das wohl mein großer Fehler. Ich hätte mich nicht derart selbst aufgeben dürfen und hätte mehr auf mich selbst achten müssen. Gebracht hat es insgesamt nur recht wenig. Das hat meine Unzufriedenheit mit der Situation umso mehr gesteigert.
Wir haben dann zunehmend mehr gestritten, immer wieder ging es um das Thema 'gemeinsame Zeit' und meinerseits die Kritik an ihrer Alltagsplanung. Vorläufiger Höhepunkt war eine ziemlich rauer Streit (rein verbal natürlich) Mitte September. Ich habe dabei alles rausgelassen was sich bis dahin in mir angestaut hatte und ihr unverblümt meine Meinung gesagt. Da sie auf persönliche Kritik sehr emotional reagiert, wollte sie die Diskussion abbrechen, was ich aber nicht auf Anhieb akzeptiert habe. Da hat die Beziehung einen Knacks erhalten, der nicht mehr zu reparieren war.
Ende Oktober war ich zwei Wochen im Urlaub. Die Distanz hat sie genutzt, um über unsere Beziehung nachzudenken, mit dem Entschluss sich nach meiner Rückkehr zu trennen. Ich konnte sie dazu 'überreden' uns noch eine Chance zu geben.
Jetzt in der Vorweihnachtszeit standen mehr Termine und Verabredungen bei ihr auf dem Plan als je zuvor (Hundeverein, Pferdegemeinschaft, Dienstreisen, Freunde,. ). Sie war aber nicht bereit, mal einen Termin auszulassen.
Dadurch haben wir uns nur noch zwischen Tür und Angel gesehen und uns noch weiter entfernt. Da sie meine Unzufriedenheit gespürt und sie das zusätzlich emotional gestresst hat, hat sie vergangene Woche einen Schlussstrich gezogen.
Für mich ist eine Welt zusammengebrochen. Ich war wirklich der vollen Überzeugung, sie ist die Frau fürs restliche Leben. Ich habe so sehr zurückgesteckt, aber verliere nun dennoch sie, die Hunde welche ich ebenfalls über alles liebe, und muss mir eine neue Wohnung suchen. Da sie die zweiten Chance ab Anfang November wohl nie als solche wahrgenommen hat, hat sie einen gedanklichen und emotionalen Vorsprung und wirkt nach außen recht abgeklärt. Sie beharrt auf ihren Entschluss und meidet es, dass wir uns gemeinsam in der Wohnung aufhalten.
Das alles macht mich zusätzlich fertig. Meine Familie und Freunde fangen mich gut auf und meinen, ich hätte nichts besser machen können und dass sie einfach nicht bereit war ihrerseits Kompromisse einzugehen. Aus rationaler Sicht ist es sicherlich auch so, das zu akzeptieren kann ich im Moment aber noch nicht.
Ich danke allen die bis hierhin durchgehalten haben. Alle Gedanken rauszulassen tut mir gerade unheimlich gut, entschuldigt bitte den langen Text.