Gast-xy
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Es war ein sehr schönes Jahr, ein toller Mann, wir verstanden uns richtig gut ohne dass jemals schlechte Stimmung aufkam. Alles passte. Wir hatten soviele Gemeinsamkeiten, gemeinsame Interessen, gleiche Vorstellungen vom Leben, bekamen nicht genug voneinander. Wir trafen uns jede Woche mindestens einmal, telefonierten mit Facetime täglich viele Stunden, schrieben uns etliche Nachrichten - es war alles perfekt. Dann folgten schwierige Monate, und zum Schluss katastrophale Wochen. Wir waren beide verheiratet, es waren bei beiden jedoch kaputte Ehen. Ich weiß, das sagen die meisten Fremdgänger, aber wenn ein anderer in eine Ehe eindringen kann, dann stimmt in dieser Ehe etwas nicht.
Wir beschlossen nach kurzem Kennenlernen und Liebenlernen die Partner zu verlassen, und ein gemeinsames Leben aufzubauen. Die Gespräche und Aktivitäten gingen anfangs alle von ihm aus. Ich glaubte verliebt wie ich war alles was er mir erzählte, was er vorschlug. Glaubte seinen Träumen, Zielen und Wünschen.
Ich ging zeitiger aus meiner Ehe raus, für ihn, für uns. Er brauchte noch einige Wochen länger, lebte aber im Haus getrennt von seiner Frau. Er war zu feige zu gehen, letztendlich hatte er panische Angst vor der Zukunft. Er hatte sich viel aufgebaut in den vielen Jahren mit seiner Frau. Die Angst einen großen Teil davon zu verlieren war groß. Bei mir gab es auch viel zu verlieren, aber darüber dachte ich nicht halb soviel nach, wie er. In den Wochen bis zu seinem Auszug lernte ich eine andere Seite von ihm kennen. Manchmal zog er sich zurück, meldete sich anfangs Stunden, später bis zu zwei Tagen nicht bei mir, und nahm auch meine Nachrichten und Telefonate nicht in Empfang. Ich wusste nie was los war, er tat mir weh mit seinen Rückzügen. Hinterher entschuldigte er sich zwar, aber der Beigeschmack blieb. Im Frühjahr verließ er sie, kam in unsere gemeinsame Wohnung, um zwei Tage später wieder zurückzugehen.
Ich beendete daraufhin die Beziehung, eine Affäre kam für mich nicht in Frage. Es tat wahnsinnig weh, auf dem höchsten Gipfel unserer Liebe, der totale Absturz. Ich hatte täglich Heulkrämpfe, die wurden zwar nach und nach weniger, aber hörten nicht auf. Ich hatte ihn überall blockiert. Nach drei Wochen gab ich seinen Kontakt jedoch bei WA frei, keine Ahnung warum. Vielleicht wünschte ich mir nur ab und zu ein Zeichen von ihm. Nur einen Tag nach der Freigabe kam die erste Nachricht von ihm. Anfangs schrieben und telefonierten wir nur. Ich lehnte ein Treffen ab, solange er dort nicht alles geklärt hatte. Sie wusste seit Monaten von mir, hatte jedoch geglaubt, dass es nach seiner Rückkehr mit mir vorbei sei. Ohne dass sie von unserem erneuten Kontakt wusste verlangte sie vor vier Wochen die Scheidung. Sie hatte es satt hatte mit ihm. Schon am nächsten Tag kam er wieder zu mir. Nach nur 24 Stunden erzählten seine erwchsenen Kinder ihm, seine Frau läge auf der Intensivstation, an Geräten und Schläuchen, keiner wisse was los sei. Er fuhr wieder zurück, entdeckte, dass er belogen wurde, aber er war zurück, Ziel erreicht. Am nächsten Tag vollzogen er und seine Frau jedoch offiziell die Trennung. Sie zog aus.
Er kam nicht zu mir sondern blieb in dem Haus. Angangs wollte er, dass wir zwischen unseren Wohnorten hin und her pendelten, Dienstag abend sollte ich hin kommen, bis Donnerstag früh bleiben (meine Arbeit von dort erledigen, was ohne weiteres möglich ist), Donnerstag abend wollte er zu mir kommen, Freitags Bürotag hier, und Montag früh wollte er dann wieder zurück in seine Firma. Er hätte angeblich eine Wohnung für uns angemietet. Diese Planungen gingen ausschließlich von ihm aus. Ich stimmte zu und freute mich, nun endlich mit ihm die ersehnte gemeinsame Zeit anzugehen. An dem bewussten verabredeten Dienstag hörte ich jedoch nichts von ihm, er zog sich wieder einmal komplett zurück, ignorierte meine Nachrichten und meinen Anruf. 24 Stunden kein Wort von ihm. Keine Reaktionen auf meine Nachrichten, mein Telefonat nahm er nicht entgegen. Ich hasste diese Rückzüge allmählich. Ich könnte nie Nachrichten oder Anrufe von ihm ignorieren. Ich fragte mich, was in ihm an solchen Tagen vorgeht. Schon am nächsten Tag wieder Entschuldigungen, Liebesschwüre, Zukunftspläne.
Das kommende Wochenende wollte er zu mir kommen, das klappte jedoch nicht, aus beruflichen Gründen. Er bat mich Samstag zu ihm zu kommen. Die Wohnung gab es noch nicht, ins Haus wollte ich nicht, da gehöre ich nicht hin. Also trafen wir uns in einem Gasthof, wollten dort das Wochenende verbringen. Am späten Abend jedoch kamen wieder wichtige böse Nachrichten seiner Kinder, nach einem Anruf wieder volle Panik bei ihm. Er wollte nur kurz heim, dann zu mir zurückkommen. Ich beschloss jedoch ihm die Zeit zu geben und fuhr heim. Er erkundigte sich nicht einmal, ob ich gut angekommen sei (200 km). Am nächsten Tag wieder Entschuldigungen, Liebesschwüre, Zukunftspläne. Ich glaubte wieder einmal.
In der folgenden Woche verbrachten wir die Abenden mit Facetime bis wir ins Bett gingen. Morgens weckte er mich mit Facetime, wir telefonierten den ganzen Tag wann immer es zeitlich möglich war bis in die Nacht und freuten uns auf das kommende Wochenende. Freitag nachmittag - nach süßen Telefonaten - wieder das selbe, er meldete sich nicht mehr. Erst am Samstag vormittag, schrieb er eine Entschuldigung. Nun war der Punkt bei mir erreicht. Ich glaube, ich habe viel Verständnis für seine Panikattacken aufgebracht. Wenn er mich lieben würde, würde er mit mir über seine Probleme reden. Aber er schließt mich aus, macht alles mit sich allein aus und schiebt mich an solchen Tagen weit von sich. Ich weiß nicht was mit dem Mann los ist, er redet viel, verspricht ständig, sich nie nie wieder zurückzuziehen, verspricht mir nie nie wieder weh zu tun, verspricht mit mir zu reden, wenn es ihm nicht gut geht - aber tut komplett das Gegenteil. Ich habe kein Vertrauen mehr zu ihm. Ich frage mich inzwischen, ob seine Frau wirklich wie von ihm dargestellt das Problem in seiner Ehe war. Ich bin überzeigt davon, dass nicht sie das Problem war, sondern dass sie einfach irgendwann gelernt hat, mit seinen Macken umzugehen.
Ich beendete die Beziehung. Freundlich aber bestimmt. Nur bin ich diesmal nicht so rigoros vorgegangen, wie beim letzten Mal. Ich habe ihn bei Whatsapp nicht blockiert. Immer wenn ich mal online bin, sehe ich, dass er gerade schreibt wird ja grün angezeigt bei dem Namen und ist nicht zu übersehen. Natürlich bin ich nicht überm Berg, und freute mich insgeheim, irgendwie gibt es mir Genugtuung. Nur, er sendete seine Nachrichten nie ab ein Feigling. Gestern nachmittag sah ich, dass er ewig schrieb, und dachte, na endlich. Aber, auch das schickte er nicht ab. Ich war inzwischen fix und fertig und dachte spring ich halt über meinen Schatten und schreib. Ich schrieb, dass es mir unheimlich schwer fällt, nicht wenigstens WA-Kontakt mit ihm zu haben, und dass wenn er mag, wir uns ja ab und zu schreiben können. Ich würde wirklich gern mit ihm schreiben, einfach um meine innere Ruhe wieder zu finden, auch, um zu wissen, wie es mit ihm weiter geht. Ich möchte keine Beziehung mehr mit ihm. Seine Antwort war ziemlich kalt und unpersönlich, "okay, aber nicht heute bitte". Ich wäre am Liebsten im Erdboden versunken. Wie kann ich mich nur so anbiedern was ist los mit mir. Ich muss mich endlich von ihm lösen.
Ich liebe ihn immer noch, ich muss lernen, ihn zu vergessen. Ich möchte endlich diese traurige Stimmung weg haben, wieder Spaß am Leben haben. Hoffentlich heilt die Zeit alle Wunden, wie behauptet