Zitat von Amaible: Vielleicht hat jemand von euch Lieben mal einen Denkanstoß.
Leider nein. Ich kann nur schildern, wie es bei uns gerade abläuft. Die Ausgangslage bei uns beiden ist ja sehr ähnlich. Mit dem Unterschied, dass meine Mutter das Gegenteil von deiner ist. Sie sitzt nach wie vor jeden Tag 4 Stunden lang bei ihrem Mann am Bett.
Aber die Situation für meine Schwester und mich hat sich stark gebessert. Meine Mutter fährt nun täglich mit der Frau des Zimmernachbarn. Wir wissen, dass das eine fragile Angelegenheit ist und sich plötzlich wieder ändern kann. Erst kürzlich war der Zimmernachbar für 10 Tage im Krankenhaus. Es hat sich jetzt so eingependelt, dass ich 2 mal die Woche ins Heim fahre.
Zitat von Amaible: Angeblich kann sie es körperlich nicht (eine Strecke ca. 1 km zu Fuß), allerdings weiß ich, dass sie ständiger Gast auf Beerdigungen vor Ort ist, regelmäßig in die Kirche geht (100 m vom Altenheim entfernt), einkaufen geht (der Weg führt direkt am Pflegeheim vorbei), ohne mal kurz ihren Mann zu besuchen.
Deine Überlegungen kann ich gut nachvollziehen, wenn sie am Heim vorbei geht und nicht nach ihm schaut. Vielleicht verlässt sie sich auch auf dich, denn du bist ja öfter dort. Dann kann sie ihre Besuche ja reduzieren.
Hast du Hilfe von deinen Kindern?
Meine Schwester und ich sind auch nicht die einzigen Familienmitglieder bei uns. Die anderen halten sich fein raus. Sie besuchen ihn seltenst bis gar nicht. Und klar, ärgere ich mich darüber. Ich spreche das aber nie an und nehme das so hin.
Damit will ich nur sagen, dass ich verstehen kann, wenn Amaible enttäuscht von ihrer Mutter ist. Schließlich ist sie auch die Ehefrau und steht ihm am nächsten.
Zitat von Brightness2: Das willst du deiner Mutter aufbürden, weil du es nicht mehr packst?
Deshalb meine ich, dass es genau umgekehrt ist. Die Mutter verlässt sich darauf, dass Amaible es schon irgendwie wuppt.
Zitat von Amaible: Meine Kinder sind der Meinung, dass sie es psychisch einfach nicht schafft, ihren Mann in dem Zustand zu sehen.
Wenn dem so wäre, sähe die Sache ja ganz anders aus. Hast du sie mal darauf angesprochen?
Zitat von Amaible: Ein eigenes Leben führe ich irgendwie schon lange nicht mehr.
Meine Hausärztin meinte mal zu mir "sie leben ja zur Hälfte das Leben ihrer Mutter ". Das hat mir sehr zu denken gegeben.
Ich hatte übrigens diese Woche den Termin mit der Therapeutin. Sie hat mich meinen halben Lebenslauf erzählen lassen, um mir dann zu sagen, dass sie ab dem nächsten Jahr kürzer treten will und keine Patienten mehr annimmt. Sie bietet ausschließlich Gruppentherapien an und ich würde in keine dieser Gruppen passen. Jetzt geht die Suche von vorne los.
Die weniger gewordenen Besuche im Heim sind schon eine große Erleichterung. Trotzdem sind die Sorgen 24/7 in meinem Kopf. Es fühlt sich so an, als trage ich ständig eine große Last auf meinen Schultern. Eine Floskel, aber so ist es. Ich habe große Angst, dass sich das nicht mehr ändert.