Zitat von bifi07: In seinem Fall würde ich mir wünschen in die Zukunft sehen zu können, damit wir auf alles vorbereitet wären und frühzeitig handeln könnten...
Mich beschäftigt der Gedanke, was sein wird, auch sehr. Aber sich vorzubereiten, ist nur bis zu einem gewissen Grad möglich. Also die praktischen Fragen zu klären, die im Falle eines Falles einer Antwort bedürfen. Wie es dann funktionieren kann. Das ist bei uns auch noch offen, weil auch Dinge zur Sprache gebracht werden müssen, die unangenehm sind. Aber Wollie schrieb mir das ja auch. Besser sich jetzt damit auseinandersetzten, um später gewappnet zu sein und nicht plötzlich ohne Plan dazustehen. Das würde dann viel heftiger.
Aber auch noch etwas anderes geht mir durch den Kopf. Nämlich meine Rolle in der gegenwärtigen Situation und wie ich damit umgehe. Würde mein Vater in naher Zukunft sterben, hätte ich sicher ein schlechtes Gewissen, in der letzten Zeit teilweise so ungehalten und manchmal auch genervt gewesen zu sein. Vielleicht würde ich denken: 'Hätte ich mich für diese Zeit nur ein bisschen zusammengerissen, das wäre doch nicht so schwer gewesen.' Mit diesem Gedanken im Hinterkopf versuche ich immer wieder nachsichtig zu sein, ja auch runterzuschlucken, was mich belastet. Aber dann wieder gelingt mir das nicht.
Gestern gab es sogar mal eine Situation, in der meine Mutter und ich lachen konnten.
Als ich am Nachmittag zu meinen Eltern kam, forderte mein Vater gerade, in den Rollstuhl gesetzt zu werden. Meine Mutter widersprach, da sie ihn erst eine halbe Stunde vorher, gemeinsam mit meiner Schwester, aus dem Rollstuhl wieder ins Bett zurück gebracht hatte. Meine Vater verlegte sich nun auf mich. Ich solle ihm raushelfen. Auch ich blieb beim "Nein". Wie immer, er beharrte darauf und rief nach uns beiden. Wir wiederholten, es wird nichts daraus. Er wurde lauter. Nach einer Weile schlug Mutter ihm vor, ihn erstmal wieder auf die Seite zu drehen. Okay, einverstanden. Die Situation beruhigte sich.
Ich begann nebenan den Geschirrspüler auszuräumen, er fragte was das Klappern sei und dass es ihn störe. Einiges an "gutem" Geschirr musste ich im Wohnzimmer aufräumen, wo er ja im Pflegebett liegt. Auch da klapperte und klirrte es natürlich und er sagte: "Ist jetzt endlich mal Ruhe in dem Laden hier !". In dem Moment war es wirklich lustig für mich. Aber zeigt auch sehr deutlich, dass es meinem Vater nur um sich selbst geht. Was sein Rufen und Betteln mit uns macht, ist ihm egal. Aber wenn ihn etwas stört, muss es nach seinem Willen sofort beendet werden.
Schwierig, schwierig.....