Zitat von DieSeherin: außerdem finde ich es auch schwierig zu entscheiden, ob man gerade übergriffig und bevormundend ist, oder die betroffenen wirklich schützen will und muss!?
Ja, das ist es in der Tat.
Bei uns ist die Situation so: Meine Mutter hat ihre Entscheidung getroffen. Sie pflegt ihren Mann (bis zum bitteren Ende).
Mein Vater sieht das irgendwie auch als selbstverständlich an. Leider.
Dann sind da noch wir Kinder. Drei erwachsene Menschen, räumlich etwas unterschiedlich entfernt. Aber doch in der Nähe.
Die Thematik Übergriffigkeit/Schutz ist ja nun auf beiden Seiten gegeben.
Einerseits sorgen wir uns um unsere Mutter, die scheinbar über jede Belastungsgrenze hinausgehen will.
Wir können sie nicht vor sich selbst schützen, deshalb ist es wohl übergriffig, eine andere Lösung anzustreben.
Gleichzeitig ist es eine sehr fragile Konstruktion. Denn wenn sie, wie jetzt zuletzt aufgrund eigener Krankheit ausfällt, sind natürlich wir gefordert. Für mich ist es extrem schwierig, zu kommunizieren, dass ich mit dieser Erwartungshaltung Probleme habe. Aber da liegen eben viel tiefere Ursachen dahinter. Spannungen innerhalb der Familie, unausgesprochene und ungeklärte Ereignisse, die teils lange zurückliegen . Und speziell bei mir kommen noch große Schuldgefühle hinzu.
Im zurückliegenden Jahr, als ich diesen massiven Schmerz aufgrund der unglücklichen Liebe erlebte, begann ich auch, mich mit meinen Mustern zu beschäftigen. Und es war echt bitter zu erkennen, wieviel ich mir selbst verbaut habe, indem ich lange, lange Zeit versuchte, diese Schuld gegenüber meiner Familie wieder gut zu machen. Ich hatte mir das selbst auferlegt, ausgesprochen haben wir uns nie. Jedenfalls nicht meine Eltern und ich, mit meinen Geschwistern ist es mir gelungen.
Nun war ich endlich dabei, mich davon zu lösen. Fühlte mich stärker, auch mal dem entgegenzutreten, was so an Vorstellungen existiert wie Dinge sein sollten.
Doch plötzlich stehe ich wieder unsicher da, und wage kaum Widerspruch. Fürchte mich vor der Aburteilung, wenn ich ins Gespräch bringen würde, dass auch der Gedanke an einen Pflegeheimplatz für meinen Vater nicht ausgeschlossen werden darf.
Hinzu kommt, dass ich keine Kinder habe. Die Jungs meiner Schwester sind zwar bereits erwachsen, aber es gibt schon Enkelkinder in ihrer großen Familie. Meine Bruder hat noch kleine Kinder. Ich bin es also, die eigentlich Zeit haben müsste/sollte/könnte. Von meinen Geschwistern wird das so nicht bewertet, wahrscheinlich bin es wieder hauptsächlich ich, die meint, einer Erwartung entsprechen zu müssen.
Das große Glück in allem, und dafür bin ich sehr dankbar, ist das gute Verhältnis unter uns Geschwistern. Auch in den ganz tiefen Phasen meiner Traurigkeit waren es diese beiden Herzensmenschen und ihre Familien, die mir Halt gegeben haben. Immer und immer wieder. Ich hoffe, wir können uns diese Verbundenheit unser Leben lang bewahren.