Annika_84
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wie wohl viele hier hänge ich auch gerade etwas im Liebeskummer fest und würde mich riesig über Einschätzungen freuen.
Wir sind beide w, 37 und 39 und haben uns im April auf einer App kennengelernt. Die reinen Fakten (Alter, Einkommenssituation, das, was wir suchen usw. passten perfekt). Die schriftliche Kommunikation lief auch super, so dass schon bald das erste Treffen folgte. Hier war auch alles gut, wir konnten ewig quatschen, über die gleichen Dinge lachen, gegenseitig die angefangenen Sätze vervollständigen. Die Wellenlänge passte einfach. Sie hat mir dann erzählt, dass sie noch nie eine Beziehung hatte. Das fand ich zwar etwas schräg, aber noch nicht bedenklich. Ich selbst habe als Erwachsene in zwei langjährigen Beziehungen gelebt, die jeweils ohne Drama verliefen und im Guten auseinander gingen.
Ein paar Tage später haben wir uns zum zweiten Mal getroffen. Hier sagte sie dann, dass sie in Therapie sei, auch schon vor einigen Jahren eine Therapie und kürzlich eine Reha gehabt hätte. Das klang erstmal nicht so toll, aber da das, weshalb sie die Therapie macht, so auf den ersten Blick keinen Bezug zu uns hatte, beschloss ich, das einfach so hinzunehmen. Grundsätzlich finde ich es auch gut, wenn jemand an seinen Problemen arbeitet.
Wir trafen uns dann im Regelfall einmal in der Woche und Freitag/ Samstag. Ab und an sagte sie ein Treffen ab oder verschob es, weil sie Zeit für sich brauchte. Dies habe ich immer ohne Diskussion akzeptiert, da ich entsprechend Hobbys und Freunde habe, mit denen ich auch gerne etwas unternehme. Nach vier Wochen, in denen sie mir häufig sagte, wie toll sich alles mit mir anfühlt, wollte sie wissen, ob es mit uns etwas festes ist. Das wurde meinerseits bejaht. Daraufhin wurde ein gemeinsamer Urlaub im Juli anvisiert. Am folgenden Tag stellte sie mich dann auch schon ihrer Familie vor, die mich (laut ihrer Aussage) mochten.
Am nächsten Wochenende sollte sie zu mir kommen, rief aber Samstag früh an und sagte mir, sie wolle Schluss machen. Ich konnte sie dann überzeugen, dass wir uns persönlich treffen und miteinander sprechen. Hier erzählte sie mir dann, ich würde sie war nicht einengen, aber sie wolle frei sein und könne mir keine Verbindlichkeit geben. Ihr Therapeut hätte zwar gesagt, sie brauche doch jetzt gar nichts zu entscheiden und solle erstmal schauen, wie es ist, wenn wir uns weniger sehen. Das habe ich dann auch vorgeschlagen, wurde aber alles abgelehnt. Am Ende saßen wir beide weinend dort, sie blieb aber bei ihrem Entschluss.
Am Tag darauf rief sie mich an, sagte, sie habe einen riesigen Fehler gemacht. Wir trafen uns und sie sagte, dass sie mich weggestoßen habe aus Angst, verletzt zu werden. Außerdem sei die Vorstellung, mich nicht mehr in ihrem Leben zu haben total schlimm gewesen. Jetzt wäre sie frei gewesen und habe gemerkt, dass sie das doch nicht wolle. Sie wolle dann auch in ihrer Therapie an die Bindungsangst gehen.
Ich gab ihr also eine zweite Chance. Die folgenden Wochen liefen ähnlich wie zu Beginn ab. Regelmäßige, aber nicht sehr häufige Treffen, die harmonisch verliefen. Unter anderem sagte sie, dass ihr Vater mich für die perfekt passende Schwiegertochter halte, dass alles Wichtige zwischen uns super passt, sprach relativ konkret über Kinderwunsch etc. Das Einzige, was sie störte, war das Stockwerk meiner Wohnung und dass mein Hund derzeit etwas pubertär ist. Ich bin dann immer zu ihr gekommen und auch mit dem Hund kam sie von Mal zu Mal besser klar. Ab und an sagte sie, dass sie mir nicht versprechen könne, dass es zwischen uns für immer ist. Ist ja auch kein Problem gewesen. Das habe ich auch so kumminiziert.
Ende Juli ging es dann mit ihrem (psychisch stark angeschlagenen) Bruder in den Urlaub, den sie ursprünglich auch mit mir hatte machen wollen. Wir hatten schriftlich und telefonisch ganz normalen Kontakt. Am Tag als sie wiederkamen, war sie komplett gestresst, weil sie noch einkaufen und Wäsche waschen musste. Ich ließ sie dann natürlich in Ruhe. Am nächsten Tag schrieb sie dann, dass sie Abstand brauche und wir erstmal nicht mehr jeden Tag schreiben sollten. Kein Problem. Ich schrieb, sie solle sich einfach melden.
Eine Woche später wollte sie sich treffen und beendete die Beziehung schon wieder. Sie wolle frei sein und das könne sie mit mir nicht, außerdem hätten sich ihre Gefühle nicht weiterentwickelt und sie würde mich jetzt weniger mögen als vorher, wir würden auch nicht zueinander passen. Sie würde keine Zukunft sehen. Sie wisse, dass sie gerade Mist baut und uns beide verletzt, könne aber nicht anders handeln. Es wäre ein innerer Zwang, sich zu trennen. Ich erklärte ihr kurz meine Sicht der Dinge, dass man an einer Beziehung auch arbeiten muss, nahm die Trennung aber so hin. Meine Sicht fand sie auch vernünftig. Am Ende weinte sie.Ich blieb zumindest äußerlich gefasst. Wir verblieben, dass wir uns jeweils beim anderen melden können, falls es nicht gut geht.
Eine Woche später rief ich an, weil für mich noch einiges offen geblieben war. Sie sagte, sie müsse an ihrer Bindungsangst arbeiten, dabei könne ich ihr aber nicht helfen. Außerdem müsste ich mich angeblich verbiegen, weil sie mich dauernd kritisieren würde. Stimmt aus meiner Sicht überhaupt nicht. Ich habe mich kein Stück verbiegen müssen. Mich selbst hat sie auch nicht kritisiert, sondern nur die Wohnung und den Hund. Die Wohnung könnte man leicht ändern und der Hund ist auch nicht ewig in der Pubertät. Also wirklich absolute Kleinigkeiten. Außerdem sagte sie noch mehrfach, dass wirklich Schluss wäre. Ich wäre super und sie würde mich vermissen, aber für ihr Gefühl passen wir nicht zueinander. Sie konnte allerdings nicht sagen, was nicht passt. Am Ende war sie wieder in Tränen aufgelöst. Es täte ihr total leid, dass sie uns beide so verletzt. Und sie hätte sich so sehr gewünscht, dass es klappt mit uns.
Eine Woche später schrieb sie wegen etwas organisatorischem, was sie aber auch leicht anders hätte lösen können. Ich antwortete freundlich, aber knapp.
Soweit ich mich schon über Bindungsangst informiert habe, scheint es typisch zu sein, dass die Leute ihre Partner kritisieren um auf Distanz gehen zu können und auch diese starken Gefühlsschwankungen scheinen üblich zu sein. Andererseits scheint es aber auch gut therapierbar zu sein, wenn jemand wirklich möchte.
Wie seht ihr denn das Ganze? Iigendwie stresst mich das relativ, weil es bis dato super gepasst hätte und ich auch das Gefühl nicht loswerde, dass in dem Urlaub mit dem Bruder irgendetwas vorgefallen ist. Da fehlte ja auch die offenbar notwendige Stabilisierung durch den Therapeuten.
Ganz lieben Dank schonmal für eure Antworten.