Slice-of-Life
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Vor ca. einem Jahr habe ich dann beobachtet, dass er sich verändert. Er hat exessiv angefangen, Sport zu treiben (er war zwar schon immer sportlich, aber auf einmal ging es los mit Marathon, Gewichteheben, Hyrox und Eisbaden). Ich scherzte damals sogar noch: "Na, hast du eine Midlife Crisis, kaufst du dir bald ein Motorrad?", worauf er eher schnippisch reagierte, was ungewöhnlich war, da wir beide einen ausgeprägten Sinn für Humor besitzen und immer viel gelacht haben. Jedenfalls war von Anfang an bei all diesen sportlichen Aktivitäten diese eine Frau von seiner Arbeit mit dabei. Groß, blond, athlethisch. Eifersucht spielte nie eine große Rolle in unserer Beziehung, daher ließ ich alles laufen, weil er mir sagte, das sei rein freundschaftlich und sie würden sich aufgrund des Sports einfach gut verstehen. Vielleicht war ich zu naiv. Komisch wurde es jedenfalls, als er mir plötzlich erzählte, er wolle eine Verbindung zu den Kindern dieser Frau aufbauen. Mal mit ihnen in den Zoo gehen oder Sterne gucken am Teleskop. Das war für mich vollkommen befremdlich, da er in dieser Zeit auch emotional aufgewühlt und nah am Wasser gebaut wirkte. Vielleicht hatte er an der Kinderlosigkeit doch schwerer zu knabbern als ich. Jedenfalls gab es ein paar dieser Treffen mit den Kindern der Frau. Zu dieser Zeit fing es auch an, dass er plötzlich an mir herumnörgelte: Ihm gefällt mein Kleidungsstil nicht, ich würde mir nicht genug Mühe geben, sei alt geworden und sollte doch mal schönere Unterwäsche tragen. Umsetzen konnte ich das nicht und sagte ihm das auch, da ich zu dieser Zeit gerade eine Phase hatte, in der es mir gesundheitlich über mehrere Monate nicht gut ging. Anders als sonst unterstützte er mich nicht, sondern reagierte abweisend und genervt. Seine Launen wurden irgendwann so schlimm, dass ich sogar an ein Burnout oder eine Depression dachte und bat ihn immer wieder, sich Hilfe zu suchen. Zumal er auch Dinge sagte wie: "Ich fühle nichts mehr. In mir ist eine Leere". Da klingelten bei mir alle Alarmglocken. An die Möglichkeit, dass er mit dieser Frau etwas angefangen hatte, dachte ich zu der Zeit immer noch nicht.
Im Frühjahr diesen Jahres schließlich habe ich eine zweiwöchige Reise mit meiner Mutter gemacht und nach meiner Rückkehr war er noch viel abweisender und distanzierter als vorher. An ihn ran kam ich jetzt kaum noch. Irgendwann bekam ich aus ihm heraus, dass er eine Therapie begonnen hat und bestärkte ihn noch dafür, da ich ja nach wie vor davon ausging, dass er in einer massiven Lebenskrise, vielleicht sogar einer Depression steckt. Eines Abends, als er wieder extrem abweisend war und vor mir flüchtete, bat ich ihn um ein Gespräch und fragte, was ich tun könne, um ihn zu unterstützen. Und da kam es plötzlich heraus, wobei ich ihm alles mehr oder weniger aus der Nase ziehen musste. Er hatte sich in die andere Frau verliebt und will die Trennung. Zum Therapeuten war er nur gegangen, um mit ihm zu besprechen, wie er mir die Trennung beibringt. Ich stand erstmal völlig unter Schock und holte Schnap. raus, den wir gemeinsam tranken. Er sagte mir noch an dem Abend, dass ich im gemeinsamen Haus wohnen bleiben kann, dass er die Hälfte der Rate übernimmt, weil auch ihm so viel am selbst gebauten Haus liegt. In den Tagen danach haben wir viel geredet und geweint, er war endlich wieder offen und der Mann, den ich kannte, schimmerte zumindest wieder durch seine neue Fassade hindurch. Ein paar Tage später sagte er mir, dass er sich doch nicht sicher sei, wie er sich entscheiden wird und Zeit brauche. Ich machte mir natürlich wieder Hoffnung, bot an, in Paartherapie zu gehen und an unserer Beziehung zu arbeiten, um sie zu retten. Eine Weile lang war es fast wie früher. am vergangenen Wochenende dann war unser Hochzeitstag, eigentlich wollten wir gemeinsam ein paar Tage wegfahren. Er sagte, es sei ihm lieber, in Ruhe nachzudenken, also fuhr ich mit meiner Mutter. Tja, und gestern hat er mir nun gesagt, dass er mich definitiv nicht mehr liebt, dass er die Trennung will. Er fühle sich nicht erfüllt in unserer Beziehung, es sei vorbei. Plötzlich war auch keine Rede mehr davon, dass ich im Haus bleiben kann und er zu ihr zieht. Er will jetzt hier bleiben, er kann die Rate aufgrund seines viel höheren Einkommens auch allein stemmen. Zur neuen Frau, die ebenfalls gerade in einer Trennung steckt, könne er wegen der Kinder erstmal nicht ziehen und wolle das auch nicht. Aber es ist nunmal auch mein Zuhause, ich habe so viel Energie und Liebe in unseren wundervollen Naturgarten investiert. Daher ist jetzt der Plan, dass wir erst einmal beide hier bleiben. Wie es jetzt weitergeht: Keine Ahnung. Wir wollen uns einvernehmlich einigen, aber gleichzeitig habe ich Angst davor, aus dem Haus gedrängt und verarscht zu werden. Ich vermute, dass seine Eltern ihn in diese Richtung drängen werden, da sie uns finanziell beim Bau unterstützt haben. Trotzdem stehen wir beide im Grundbuch und ich habe ja Anspruch auf Auszahlung.
Ich fühle mich furchtbar, hatte gestern Magenkrämpfe und Gliederschmerzen, kann mich kaum auf die Arbeit konzentrieren. Ich muss mir jetzt wohl einen neuen Job (Vollzeit, ich habe bisher Teilzeit gearbeitet) und eine Wohnung suchen, ich weiß gar nicht, womit ich zuerst beginnen soll. Ich habe schreckliche Angst davor, unsere Freunde einzuweihen, sie alle halten uns für ein Traumpaar und haben uns am Wochenende noch zum Hochzeitstag gratuliert. ich glaube nach wie vor, dass er in einer massiven Midlife Crisis steckt. Hat jemand eine so krasse Wandlung in einer Lebenskrise schon einmal erlebt?
