Zitat von jaqen_h_ghar:So langsam kann ich Manfred Lütz verstehen, wenn er sagt, die Therapeutenschaft würde sich aus dem "Selbstbedienungsladen" der Kundschaft am liebsten nur die Leute mit den "Befindlichkeitsstörungen" herauspicken, die weniger Arbeit machen.
Das gilt leider nicht nur für die Therapeuten-, sondern für die gesamte Ärzteschaft.
Da wird gern mal was auf die Psychoschiene und in Therapie geschoben, wo man eigentlich auch mal genauere Labortests hätte machen können, um ein nicht nur effizienteres, sondern auch nachhaltigeres Ergebnis zu erzielen und das in erheblich kürzerer Zeit als andersherum. Hab es selbst am eigenen Leib erlebt.
Leider fängt das schon damit an, daß das Medizinstudium bestimmte Prioritäten setzt und viele Ärzte sich mit einfachsten Dingen wie beispielsweise Jod- oder Vitamin D-Spiegel nicht auskennen, bzw. sich nicht in der Richtung weiterbilden. Man muß dies dann als Patient selbst tun und gezielt nachfragen, was aber IMO nicht der rechte Weg ist.
Ich gehe ja nicht zum Arzt um ihn oder sie zu beraten, sondern umgekehrt.
Zitat von jaqen_h_ghar:Ich könnte Dir jetzt auch noch bisschen was dazu schreiben, dass ein nicht unerheblicher Teil der psychotherapeutischen Arbeit in z. B. Reha-Kliniken von noch nicht einmal ausgelernten Psychotherapeuten in Ausbildung gestemmt wird - weil das eben die letzten und damit billigsten Glieder in der Nahrungskette sind. Die müssen ihre Praktikumsstunden machen - und das wissen die Arbeitgeber. Darum kann man sie gnadenlos ausbeuten. Krankenhäuser und Kliniken sind heute in erster Linie wirtschaftlich ausgerichtet - d.h. sie müssen Profit machen. Das sagt dann schon einiges über das Niveau der therapeutischen Arbeit aus.
Auch das deckt sich leider mit einigen meiner eigenen Erfahrungen.
Danke, daß Du so offen darauf hinweist. Vielen sind diese Hintergründe nicht bekannt oder sie werden ihnen erst bewußt, wenn sie unmittelbar damit konfrontiert sind.