Zitat von Hippie: Ich bin mit meinem Partner 30 Jahre zusammen- jetzt will er sich von mir trennen. Grund: Weil ich seine! Entscheidung, dass meine Mutter mir nicht gut tut und unsere Wohnung nicht betreten darf, nicht akzeptiere.
Ich verstehe die Welt nicht mehr! Zur Zeit drückt mich auch noch eine depressive Episode (stressbedingt- Beruf) in die Knie- das passt…
Ich versuche die Hintergründe zu erfahren- außer Schuldzuweisungen für das Ende unserer Beziehung verantwortlich zu sein wenn ich nicht einwillige, höre ich nichts verwertbares.
Könnt Ihr mir einen Rat geben?
Zitat von Hippie: So sagt er es, da er der Meinung ist, dass sie für meine Depressionen verantwortlich ist. Nachweislich ist das aber nicht so.
In einem kleinen Streit zwischen den beiden hat meine Mutter wohl gesagt, dass sie es nicht sieht, dass ich in unserer häuslichen Situation gesund werden kann.
Ich denke daher rührt dieser Entschluss.
Hallo Hippie,
willkommen im Forum! Es tut mir sehr leid, daß es dir schlecht geht. Die liebe Familie kann schon hin und wieder auch ein Kreuz sein. Familien sind ja Systeme, in denen häufig unbewusst Verantwortungen, die eigentlich bei jemandem anderen liegen, übernommen werden und gleichzeitig werden Verantwortungen, die zu einem selbst gehören gern auch mal anderen übertragen.
In einem gemeinsamen Lebensraum sollte die Entscheidung, wer dort zu Gast sein darf natürlich im besten Fall auch gemeinsam getroffen werden, dies gilt um so mehr, wenn es sich bei dem Gast nicht um eine Freundin sondern die Mutter von einem vom beiden handelt. Die Entscheidung also, daß Deine Mutter Euch dort nicht mehr besuchen darf, ist ein großer Alleingang und hört sich auch von viel Wut getragen an.
Dem gegenüber steht die Aussage Deiner Mutter. Wenn ich meinen Partner 30 Jahre lang begleite auch durch die schlechteren wenig erfreulichen Seiten des Lebens, immer für diesen da bin etc, dann ist die Aussage Deiner Mutter, sie sehe nicht, wie du in dieser häuslichen Situation wieder gesund werden sollst, zutiefst kränkend. So etwas würde ich zB auch nicht reaktionslos hinnehmen.
Interessant ist jetzt folgendes, Dein Partner sagt, das Verhalten Deiner Mutter hat erheblichen Anteil an der Depression, Deine Mutter wiederum behauptet, daß Zusammenleben mit Deinem Partner kann nicht zur Heilung beitragen. Wenn Du genau hinschaust, weisen die sich ja nicht nur gegenseitig Verantwortung für etwas zu, was allein in Deiner Verantwortung liegt, sondern beide Aussagen sind auch von dem Wunsch getragen, daß es Dir besser geht. Eigentlich also hätten sie ein gemeinsames Ziel, was sie aber hier anstatt zu vereinen, trennt.
Das wiederum deutet darauf hin, daß ihr schon eine ganze Weile in indirekten und vielleicht wenig gesunden Kommunikationsmustern verharrt. Wie genau kommt Dein Partner zu seiner Annahme und wie genau kommt Deine Mutter zu ihrer und kann es sein, daß Du da Anteil dran trägst? Wie kommt es denn bitte überhaupt zu einer Situation, in der beide sich dazu berufen fühlen über die Ursachen Deiner Erkrankung zu diskutieren oder eine Meinung zu haben. Du bist doch keine fünf Jahre alt mehr und man muss da für Dich sorgen oder erraten, was Dir gut tut und was nicht.
Depressionen sind unfassbar hartes Brot, Antriebs- und Wahrnehmungsstörung können das Leben und vor allem die Lebensqualität so massiv einschränken, daß man das Gefühl hat, mit all dem Blei, was an einem dran hängt unter zu gehen.
Ob und warum jemand an einer Depression erkrankt, lässt sich kaum sagen und wie bei jeder Erkrankung bist du nicht schuld daran. Aber und das ist hart, Gesundung liegt in Deiner Verantwortung. Nicht bei Deinem Partner und auch nicht bei Deiner Mutter. Wie also könnte es Dir gelingen von beiden diese Verantwortung, die sie da völlig zu Unrecht von dir übernommen haben, wieder zurückzufordern? Was brauchst Du damit dir das gelingt bzw du es wenigstens versuchst?
Gute Besserung.