Zitat von alleswirdbesser: aber die Wutphase gehört nun mal dazu und hilft beim Abschließen.
Stimmt genau. Eine Trennung erfolgt in Phasen. Zunächst glaubt man, das kann nicht real sein. Mir zieht es den Boden unter den Füßen weg. Das kann einfach nicht sein.
Gemischt mit Erinnerungsfetzen an bessere Zeiten, die einem wieder mal einfallen, ist das schon mal ein richtiger Gefühlsmix aus Nichtwahrhabenwollen, Verdrängung und innerer Panik. Nie hätte ich gedacht, dass mir so etwas passieren würde, es kann einfach nicht sein. Ich habe etwas falsch verstanden, es ist nicht richtig bei mir angekommen und diese Gedanken werden sofort wieder von der Erkenntnis verdrängt, dass man sich nicht verhört hat.
Und dann kommt die Phase der Tränen und der maßlosen Enttäuschung, die ebenfalls sehr heftig ist. Man steht vor einer inneren Leere und ist sich sicher, dass das Leben vorbei ist. Tränen und Löcher-in-die Luft-Starren wechseln sich ab. Man weiß, es ist real, aber man kann nicht gemessen und beherrscht damit umgehen. Es ist eine Phase, in der alles andere zurücktritt, nichts mehr interessiert, sogar Essen und Trinken werden vernachlässigt und die Nächte sind furchtbar. Nächtliches Aufwachen mit der dumpfen Erkenntnis, dass man getrennt ist und dann stundenlanges Wachliegen. Das zehrt.
Meist schließt sich dann eine Wutphase an. Man empfindet Wut über den Verlassenden, über sich selbst und stellt das Vergangene in Frage. So toll wie geglaubt war das doch gar nicht, ich habe manches hochstilsiert und auch den Partner anders angesehen, sozusagen als beständigen Lebensbegleiter. Und jetzt, nachdem ich so viel für ihn getan habe und oft genug auch meine Interessen und Pläne ihm zuliebe hintenan gestellt habe, geht er. Im Falle eines Mannes geht der Verlasser meist dann, wenn das nächste Nest bereit steht oder zumindest die andere Wiese grüner erscheint. Man erlebt Verbitterung und Aggressionen und wünscht dem Ex. gelinde gesagt die Krätze. Ich hatte Gewaltfantasien und träumte davon, dass seine Bremsen versagen würden, er würde einen schweren Unfall haben und könnte sich dann Gedanken darüber machen, was er mir angetan hatte. Ich träumte davon, dass er schwer erkranken würde. Er sollte büßen für das , was er angerichtet hat.
Wenn diese Phase geschafft ist, geht man dazu über, die Trennung nüchterner betrachten zu können. So manches taucht im Rückspiegel auf, was den Ex. aber auch sich selbst betrifft. Der Schmerz ist noch nicht überstanden, aber er jault nicht mehr so "laut" und ist weniger quälend. Oft wird er als eine Wehmut, ein Bedauern empfunden, dass die Beziehung den Bach runter ging. Der Schmerz, immer noch gepaart mit Sehnsucht, wird zu einem stillen Begleiter im Leben.
Und dann realisiert man auf einmal erstaunt, dass man 2 Stunden nicht daran gedacht hat. Aus den 2 Stunden werden Tage, dann Wochen. Das Leben hält wieder Einzug, man hat sich neu aufgestellt und kann wieder nach vorne schauen.
Und wenn man dann eines Tages die Gefühle für den Ex. gänzlich verloren ist und er nur noch als Mensch gesehen wird, der mal eine wichtige und oft genug überschätzte Aufgabe für einen erfüllte, kann man klar und emotionslos auf die Beziehung zurück schauen. Man kann sie betrachten wie ein Zweipersonenstück auf der Bühne von zwei, die mal zusammen halten wollten, manches zusammen durchgestanden haben und nun doch getrennte Wege gehen, was sich im Nachgang oft genus als gar nicht mal so schlecht herausstellt.
Aus Krisen lernt man, auch vieles über sich selbst und man erfährt, dass das Leben nicht vorbei ist, nur weil dieser als einzigartig eingestufte Ex. nicht mehr da ist. Neue Dinge tun sich auf und manchmal sieht man auch, dass man die letzten Jahre mit ihm auf der Stelle getreten hat und es nun Zeit für ein neues Leben ist. Das muss nicht zwangsläufig einen neuen Partner bedeuten, aber man merkt, dass man auch gut allein durchs Leben kommt und dass das Leben wieder an Qualität gewinnen kann.
Der Mensch ist kein Automat und Schicksalsschläge lassen niemanden unberührt und es gibt auch niemanden, der sie kalt und emotionslos hinnimmt. Daher ist es zu viel verlangt, von einem frisch getrennten Menschen zu erwarten, dass er die Dinge nüchtern einordnen soll. Das kann er nicht, denn die Phasen wollen auch durchlebt werden. Sie sind wichtig, damit man in ein anderes Leben hineinfinden kann.