Ich versuche die Geschichte so neutral wie möglich zu erzählen, auch wenn das natürlich nur meine Sicht der Dinge sein kann. Um die heutige Situation zu verstehen, muss ich allerdings etwas weiter zurückgehen.
Wir waren früher schon einmal zusammen und aus dieser Beziehung haben wir eine gemeinsame Tochter. Noch während der Schwangerschaft fand ich heraus, dass sie mich mit einem anderen Mann betrogen hatte. Daraufhin trennte ich mich noch vor der Geburt unserer Tochter von ihr.
Ab ungefähr ihrem ersten Lebensjahr lebte unsere Tochter dann überwiegend bei mir. Anfangs war das so nicht geplant. Ihre Mutter arbeitete viel, ging aber auch häufiger feiern und die Betreuung verschob sich immer stärker zu mir. Irgendwann brachte sie mir unsere Tochter für zunächst fünf Nächte und daraus entwickelte sich nach und nach, dass sie dauerhaft hauptsächlich bei mir lebte.
Das Verhältnis zwischen ihrer Mutter und mir blieb natürlich bestehen, weil wir gemeinsam Eltern sind. Die damaligen Ereignisse, vor allem das Fremdgehen während der Schwangerschaft, hatten bei mir allerdings Spuren hinterlassen und spielten später beim Thema Vertrauen wieder eine Rolle.
Über die Jahre hatten wir wegen unserer Tochter weiterhin Kontakt. Irgendwann wurde das Verhältnis zwischen uns wieder deutlich entspannter. Wir verstanden uns gut, konnten zusammen lachen und zwischen uns entstand wieder eine gewisse Leichtigkeit, ohne dass direkt eine Beziehung im Raum stand.
Im Sommer letzten Jahres kamen wir uns dann immer näher. Wir verbrachten mehr Zeit miteinander und waren schließlich auch gemeinsam im Urlaub. Dort wurde aus dieser lockeren Annäherung wieder mehr und wir kamen uns auch körperlich und emotional näher.
Danach ließen wir das erstmal so weiterlaufen. Ohne großen Druck und ohne direkt zu definieren, was das zwischen uns eigentlich ist. Wir verbrachten immer mehr Zeit miteinander, hatten schöne gemeinsame Momente und genau diese Leichtigkeit zwischen uns fühlte sich für mich damals sehr gut an.
Das ging ungefähr bis Weihnachten so. Zu diesem Zeitpunkt wollte sie mehr Klarheit. Sie wollte nicht länger in diesem undefinierten Zustand bleiben und wissen, ob daraus wieder eine richtige Beziehung werden soll.
Für mich war dieser Schritt aufgrund unserer Vorgeschichte und besonders wegen des damaligen Fremdgehens nicht einfach.
Auch nachdem wir uns wieder füreinander entschieden hatten, war ich emotional noch nicht wirklich angekommen. Rückblickend stand ich eigentlich immer mit einem Fuß außerhalb der Beziehung. Ich wollte sie, hatte aber gleichzeitig Angst davor, mich wieder komplett auf sie einzulassen und erneut verletzt zu werden.
Das zeigte sich wahrscheinlich am deutlichsten beim Thema Liebe.
Sie sagte mir, dass sie mich liebt, und ich konnte ihr darauf nicht dasselbe zurückgeben. Ich sagte ihr, dass ich diese Worte zu diesem Zeitpunkt einfach noch nicht sagen könne. Das hat sie verständlicherweise verletzt und wurde später auch immer wieder ein Thema zwischen uns.
Trotzdem haben wir uns wieder zusammengerauft und wurden schließlich offiziell ein Paar. Ich wollte dieser Beziehung wirklich eine Chance geben, aber meine emotionale Distanz war damit natürlich nicht einfach verschwunden.
Gleichzeitig begann bei ihr gesundheitlich eine schwierige Phase. Ihre Erkrankung und die Behandlung belasteten sie zunehmend, dazu kam ihre Arbeit. In dieser Zeit kamen auch die ersten größeren Probleme in unserer Beziehung auf.
Sie sagte mir ziemlich deutlich, was ihr fehlte: mehr gemeinsame Paarzeit, mehr Nähe, mehr Sex, mehr Zuneigung und auch die kleinen Dinge im Alltag. Sie hatte teilweise das Gefühl, dass wir zwar irgendwie zusammen waren, aber nicht wirklich wie ein Paar lebten.
Und an diesem Punkt muss ich meinen eigenen Anteil klar benennen: Vieles davon konnte ich ihr anfangs tatsächlich nicht geben. Ich war noch immer vorsichtig und zurückhaltend und hatte emotional eine Mauer stehen.
Irgendwann habe ich verstanden, dass ich auf diese Weise keine Beziehung führen kann.
Ich fing an mich stärker zu öffnen, meine Gefühle deutlicher zu zeigen und ihr bewusst mehr von den Dingen zu geben, die ihr vorher gefehlt hatten. Ich sagte ihr schließlich auch, dass ich sie liebe. Ich versuchte mehr Nähe herzustellen, gemeinsame Zeit zu schaffen und insgesamt nicht mehr ständig mit einem Fuß außerhalb unserer Beziehung zu stehen.
Dadurch wurde es zwischen uns auch nochmal besser und für eine Zeit stabilisierte sich unsere Beziehung.
Nur entstand dann ein anderes Problem: Genau zu dem Zeitpunkt, an dem ich emotional immer mehr in der Beziehung ankam, wurde gemeinsame Zeit immer schwieriger. Ihre Erkrankung, die Behandlung, ihre Arbeit und unser jeweiliger Alltag machten uns zunehmend einen Strich durch die Rechnung.
Wir hatten immer weniger wirkliche Paarzeit. Vieles drehte sich um Alltag, Arbeit und unsere Tochter. Gleichzeitig hatte ich zunehmend das Gefühl, dass sie sich emotional wieder von mir zurückzog.
Rückblickend entstand eine ziemlich bittere Dynamik: Am Anfang wollte sie mehr Nähe von mir und ich konnte sie ihr nicht richtig geben. Als ich mich schließlich geöffnet hatte und bereit war, mich wirklich auf die Beziehung einzulassen, hatte ich zunehmend das Gefühl, dass sie sich zurückzog.
Vertrauen, andere Männer und mein eigener Fehler
Mit der zunehmenden Distanz wurde Vertrauen für mich wieder ein größeres Thema. Durch unsere Vorgeschichte war das ohnehin eine empfindliche Stelle bei mir, von der ich eigentlich dachte, dass ich sie inzwischen ganz gut im Griff hatte.
Es gab bei ihr immer wieder Kontakte zu anderen Männern, unter anderem über Snapchat. Dabei ging es für mich nicht grundsätzlich darum, dass sie mit keinem Mann Kontakt haben darf. Mein Problem waren vor allem Männer, bei denen aus meiner Sicht erkennbar war oder zumindest der Verdacht bestand, dass von deren Seite mehr Interesse vorhanden war.
Einer dieser Kontakte wurde irgendwann besonders zum Streitthema. Es kamen Vorschläge wie gemeinsam spazieren zu gehen oder sich am See zu treffen. Für mich überschritt das eine Grenze.
Ich sagte ihr ziemlich klar, dass ich kein Problem mit normalen männlichen Bekanntschaften habe, aber nicht damit umgehen kann, wenn sie sich alleine mit einem Mann trifft, von dem wir wissen oder vermuten müssen, dass er mehr von ihr möchte.
Ihre Sicht darauf war eine andere. Sinngemäß war ihre Haltung: Wenn ein anderer Mann mehr von ihr möchte, ist das nicht ihre Baustelle, solange von ihrer Seite nichts läuft.
Genau da prallten unsere Vorstellungen von Grenzen in einer Beziehung ziemlich hart aufeinander.
Für mich gehört es zu einer Partnerschaft, solche Kontakte selbstständig auf Abstand zu halten. Für sie war offenbar stärker entscheidend, welche Absichten sie selbst dabei hat.
Dazu kamen weitere Kontakte über Snapchat. Manche davon waren wahrscheinlich vollkommen harmlos, andere haben bei mir Misstrauen ausgelöst. Je schlechter es zwischen uns lief, desto stärker beschäftigte mich das Thema.
Ich möchte dabei meinen eigenen Fehler nicht unterschlagen.
Bei einem unserer Streits meldete ich mich aus Frust selbst bei Tinder an.
Ich hatte dort kein ernsthaftes Interesse daran, eine andere Frau kennenzulernen. Ich war nur kurz in der App, lehnte die angezeigten Profile ab und ging anschließend wieder raus. Es entstand kein Treffen und kein wirklicher Kontakt.
Trotzdem war allein die Anmeldung falsch.
Ich kann nicht auf der einen Seite von ihr klare Grenzen gegenüber anderen Männern erwarten und mich auf der anderen Seite nach einem Streit bei einer Dating-App anmelden – unabhängig davon, ob ich tatsächlich vorhatte jemanden kennenzulernen.
Rückblickend glaube ich, dass wir an diesem Punkt beide zunehmend auf Verletzungen des anderen reagierten, statt das eigentliche Problem zu lösen. Ich wurde durch ihre Kontakte unsicherer und wollte stärkere Grenzen. Sie fühlte sich dadurch teilweise eingeschränkt bzw. kontrolliert. Gleichzeitig führte meine Tinder-Anmeldung wiederum dazu, dass auch ihr Vertrauen in mich beschädigt wurde.
Während wir über einzelne Männer, Snapchat, Tinder und Grenzen stritten, ging das eigentliche Thema immer mehr verloren: Wir hatten kaum noch echte Paarzeit, redeten immer schlechter miteinander und beide fühlten sich offenbar mit wichtigen Bedürfnissen vom anderen nicht richtig gesehen.
Die letzten Wochen und unser Urlaub
In den Wochen vor unserem Urlaub merkte man bereits deutlich, dass unsere Beziehung nicht mehr stabil war. Sie war sich zeitweise sogar unsicher, ob sie überhaupt noch mit unserer Tochter und mir in den Urlaub fahren möchte.
Für mich war das damals schon schwer einzuordnen. Einerseits hatten wir unsere Probleme, andererseits gab es immer wieder Phasen, in denen es zwischen uns wieder gut lief.
Schließlich entschied sie sich doch dafür mitzufahren.
Der Urlaub selbst war dann überraschend schön. Wir funktionierten als Familie, verbrachten viel Zeit miteinander und zwischen uns war wieder deutlich mehr von der Leichtigkeit und Nähe da, die uns am Anfang unserer erneuten Annäherung verbunden hatte.
Natürlich waren dadurch nicht plötzlich alle Probleme verschwunden, aber für mich fühlte es sich zumindest so an, als wäre zwischen uns noch etwas vorhanden, auf dem man aufbauen könnte.
Was ich zu diesem Zeitpunkt allerdings nicht wusste: Noch vor dem Urlaub war ihr mein Tinder-Profil gezeigt worden.
Sie wusste also bereits von meiner Anmeldung. Sie sprach mich aber weder vor dem Urlaub noch währenddessen darauf an. Ich hatte keine Ahnung, dass sie davon wusste.
Wie sehr Tinder ihre Gefühle oder ihr Verhalten zu diesem Zeitpunkt beeinflusst hat, weiß ich nicht. Sie hat es mir damals nicht gesagt und deshalb möchte ich ihr heute auch keine Motive unterstellen.
Nach dem Urlaub änderte sich die Stimmung allerdings ziemlich deutlich.
Die Nähe, die ich während des Urlaubs noch wahrgenommen hatte, war plötzlich wieder weg. Sie wirkte auf mich zunehmend kalt und distanziert. Ich versuchte zu verstehen, was passiert war, bekam aber immer weniger Zugang zu ihr.
Genau das hat mich rückblickend besonders verwirrt: Wir hatten gerade einen für mich wirklich schönen gemeinsamen Urlaub erlebt und kurz danach hatte ich wieder das Gefühl, emotional kaum noch an sie heranzukommen.
Irgendwann kam es schließlich zur Trennung.
Erst in diesem Zusammenhang bzw. danach erfuhr ich überhaupt, dass sie mein Tinder-Profil schon vor unserem Urlaub gezeigt bekommen hatte.
Natürlich verstehe ich, dass Tinder für sie ein massiver Vertrauensbruch gewesen sein kann. Auch wenn ich dort aus Frust nur kurz angemeldet war, niemanden kennenlernen wollte und keinen Kontakt aufgebaut hatte, ändert das nichts daran, dass ich mich überhaupt auf einer Dating-App angemeldet hatte, während wir zusammen waren.
Was mich gleichzeitig bis heute beschäftigt, ist die Kommunikation darum.
Sie wusste davon, sagte mir aber nichts. Wir fuhren gemeinsam in den Urlaub und ich hatte keine Möglichkeit ihr zu erklären, was passiert war oder Verantwortung dafür zu übernehmen, weil ich gar nicht wusste, dass dieses Thema bei ihr im Raum stand.
Nach der Trennung wurde mir dadurch erst klar, dass wir möglicherweise schon länger mit völlig unterschiedlichen Informationsständen durch unsere Beziehung gelaufen waren.
Ich hatte das Gefühl, dass sie sich immer weiter von mir zurückzieht und verstand nicht vollständig warum. Sie wiederum hatte mit Tinder eine Information über mich, die ihr Vertrauen zusätzlich beeinflusst haben könnte, ohne dass wir darüber gesprochen haben.
Und genau da liegt für mich rückblickend eines unserer größten Probleme:
Wir haben irgendwann aufgehört, schwierige Dinge wirklich miteinander zu klären. Stattdessen trug jeder seine Verletzungen und Gedanken zunehmend mit sich selbst herum.
Die Beziehung endete schließlich, obwohl ich selbst noch nicht an dem Punkt war, sie aufgeben zu wollen. Ich hatte weiterhin Gefühle für sie und glaubte, dass wir unsere Probleme zumindest hätten versuchen können gemeinsam aufzuarbeiten.
Die Trennung bis heute
Nach der Trennung war ich erstmal ziemlich durch den Wind.
Ich wollte sie noch und hätte die Beziehung nicht beendet. Gleichzeitig wollte ich aber auch nicht anfangen ihr hinterherzulaufen oder sie davon zu überzeugen, bei mir zu bleiben.
Das Ganze wird dadurch komplizierter, dass wir wegen unserer gemeinsamen Tochter natürlich nicht einfach vollständigen Kontaktabbruch machen können. Wir müssen weiterhin miteinander kommunizieren und ihre Betreuung organisieren.
In den ersten Tagen nach der Trennung merkte ich allerdings schnell, dass mir selbst dieser Kontakt schwerfällt.
Während ich noch versuchte die Trennung zu verarbeiten, hatte ich gleichzeitig das Gefühl mitzubekommen, wie sie ihr Leben ohne mich weiterplant.
Deshalb schrieb ich ihr irgendwann ziemlich offen, dass mein Schweigen oder meine knappen Antworten nichts damit zu tun haben, dass ich sie bestrafen oder ignorieren möchte.
Ich erklärte ihr, dass sie die Beziehung beendet hat und mir der Kontakt momentan einfach weh tut. Alles Wichtige bezüglich unserer Tochter können und müssen wir natürlich weiterhin klären, aber für alles andere brauche ich erstmal Abstand.
Über WhatsApp gab es trotzdem immer wieder Kontakt. Teilweise schrieben wir relativ normal miteinander, dann wurde es wieder sehr distanziert. Bei organisatorischen Dingen bezüglich unserer Tochter kam Kommunikation zustande, über uns selbst dagegen praktisch nicht.
Ich musste mir irgendwann eingestehen, dass ich insgeheim immer noch auf irgendein Signal von ihr gewartet habe.
Eine Nachricht. Ein Gespräch. Irgendeine Initiative, die mir zeigt, dass sie unsere Beziehung vielleicht doch noch nicht vollständig aufgegeben hat.
Dieser Schritt kam aber nicht.
Gleichzeitig wollte ich nicht anfangen jedes Verhalten, irgendwelche Social-Media-Posts oder andere Kleinigkeiten von ihr zu interpretieren und mir daraus Hoffnung zu bauen.
Deshalb entschied ich mich schließlich dazu, sie direkt zu fragen.
Ich schrieb ihr sinngemäß, dass ich gerne einmal in Ruhe persönlich mit ihr reden möchte. Nicht um sie zu irgendetwas zu überreden, sondern weil ich wissen möchte, ob wir beide grundsätzlich noch einen Weg miteinander sehen oder ob unsere Beziehung für sie wirklich endgültig beendet ist.
Ich sagte ihr auch: Wenn es für sie keinen Weg mehr gibt, brauchen wir dieses persönliche Gespräch nicht.
Mir war dabei wichtig, dass sie sich nicht für mich entscheiden muss.
Ich wollte eine ehrliche Entscheidung.
Wenn sie sagt, dass sie keinen Weg mehr sieht, möchte ich das akzeptieren, auch wenn es mir sehr weh tun wird.
Diese Nachricht habe ich gestern Nachmittag geschickt.
Seitdem kam darauf keine Antwort.
Inzwischen ist eine komplette Nacht vergangen und auch heute Vormittag hat sie sich dazu nicht geäußert.
Und genau dieses Schweigen macht mir momentan fast mehr zu schaffen als ein klares Nein.
Ein Nein würde mich vermutlich ziemlich treffen. Aber ich könnte es akzeptieren, anfangen loszulassen und mein Leben neu ausrichten.
Mit gar keiner Antwort hänge ich dagegen zwischen Hoffnung und Abschied.
Gleichzeitig merke ich durch dieses Warten etwas, womit ich vor ein paar Tagen noch nicht gerechnet hätte:
Je länger ich über unsere gesamte Beziehung nachdenke, desto mehr frage ich mich selbst, ob ich sie unter den bisherigen Bedingungen überhaupt zurückhaben möchte.
Ich habe alte Nachrichten von uns gelesen und dabei gemerkt, dass unsere Probleme eigentlich spätestens im März deutlich angefangen hatten.
Damals wollte sie mehr Nähe, mehr Liebe und mehr Paarzeit von mir. Ich war emotional noch nicht vollständig angekommen. Später habe ich mich geöffnet und versucht genau das zu verändern – und zu diesem Zeitpunkt hatte ich zunehmend das Gefühl, dass sie sich zurückzieht.
Vielleicht haben wir uns also nicht erst mit der eigentlichen Trennung verloren, sondern schon Monate vorher langsam angefangen, uns gegenseitig nicht mehr zu erreichen.
Trotzdem liebe ich sie noch.
Und wenn sie mir heute sagen würde, dass sie grundsätzlich noch einen Weg sieht, würde ich dieses Gespräch führen.
Ich würde allerdings nicht einfach wieder mit ihr zusammenkommen und dort weitermachen, wo wir aufgehört haben.
Ich habe in den letzten Tagen viel darüber nachgedacht, was überhaupt passieren müsste, damit ein Neustart für mich Sinn ergibt.
Mein Gedanke wäre inzwischen, ihr eine Paartherapie vorzuschlagen.
Nicht mit dem Ziel, dass ein Therapeut unsere Beziehung um jeden Preis retten soll.
Sondern damit wir beide lernen unsere Bedürfnisse vernünftig zu kommunizieren, die Perspektive des anderen zu verstehen und herausfinden, ob wir überhaupt noch eine Beziehung miteinander führen können, in der sich beide wohlfühlen.
Vielleicht würden wir dadurch tatsächlich lernen besser miteinander umzugehen.
Vielleicht würde dabei aber auch herauskommen, dass unsere Vorstellungen von Beziehung zu unterschiedlich sind und wir als Paar schlicht nicht funktionieren.
Dazu gehören für mich auch Themen wie Vertrauen, Nähe, gemeinsame Zeit und Grenzen gegenüber anderen Männern.
Ich habe inzwischen verstanden, dass ich bestimmte Dinge nicht mehr einfach hinnehmen könnte. Gleichzeitig weiß ich, dass auch ich meinen Anteil an der Entwicklung habe und an meinen eigenen Reaktionen und meinem Vertrauen arbeiten müsste.
Ich möchte also nicht die alte Beziehung zurück.
Wenn überhaupt, würde ich gerne herausfinden, ob wir beide in der Lage wären, eine neue und bessere Beziehung miteinander aufzubauen.
Aber ich möchte nicht wieder derjenige sein, der alleine versucht eine Beziehung zu retten, die eigentlich von zwei Menschen getragen werden müsste.
Und genau deshalb würde mich die Meinung von Menschen interessieren, die emotional nicht mitten in unserer Geschichte stecken:
Seht ihr bei dieser Geschichte überhaupt noch eine realistische Grundlage für einen Neustart?
Oder versuche ich gerade etwas zu retten, das eigentlich schon länger vorbei ist?
Und wie würdet ihr mit ihrem jetzigen Schweigen auf meine direkte Frage umgehen?