Thomi
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deine Geschichte hat mich sehr mitgenommen. Habe jetzt lange überlegt was ich dir schreiben kann und versuche mal meine Gedanken zu formulieren. Zunächst einmal bin ich auch Christ, war lange in verschieden Pfingstgemeinden (wegen Umzug), bin jetzt allerdings in einer baptistischen gelandet. Das tut nicht viel zur Sache, aber ich kann ganz gut die Begleitumstände nachvollziehen.
Meine Erfahrung ist, dass das Ehegelöbnis von gläubigen Menschen deutlich ernster genommen wird als von ungläubigen. Auch scheinen die Ehen besser zu funktionieren, weil eher das Wohl des Partners als das eigene im Fordergrund steht. Aber auch christliche Ehen sind vor Problemen nicht gefeilt. Nach meiner Erfahrung ist der Auslöser oft ein Problem mit sich oder mit dem Glauben. So wie ich dich verstehe, befindet deine Frau sich gerade in einer ausgesprochenen Sinnkrise. Sie scheint gerade alles, also Ehe sowie Beziehungen zu wichtigen Personen in Frage zu stellen. Natürlich trägt sie im Inneren einen Kampf mit Gott aus, denn sie weiß, dass Gründe wie du sie aufführst eigentlich keine Trennung rechtfertigen. In meinem Bekanntenkreis ist eine Ehe zum Glück eine Entscheidung, die über Egoproblemen steht und ist nicht zur gefühlten Beliebigkeit wie in "der Welt" verkommen. Ich nehme an, so wird es auch bei ihr sein.
Ich glaube nicht, dass sie sich schon entschieden hat. Sie fühlt sich aber in ihrer Sinnkrise, die vielleicht auch hormonell bedingt ist, allein und verloren. Ihr geht es nicht weniger schlecht als dir, und ich würde dich gerne bestärken in dieser Zeit behutsam mit ihr zu sein, auch wenn es weh tut. Nicht umsonst gilt für uns, dass eine Ehe erst durch Ehebruch quasi gelöst ist. Vielleicht fühlt sie sich unverstanden, eingeschränkt, nicht auf Augenhöhe und macht sich Luft, bzw. schägt um sich.
Ich will dir tatsächlich Hoffnung machen, was aber nicht heißt, dass du jede Qual ertragen musst. Jedoch musst auch du durch diese Prüfung durch. Es ist nie verkehrt sich auf sich zu besinnen, an sich, seiner Gesundheit, Gewicht etc. zu arbeiten. Aber du solltest deine Frau immernoch als deine Frau sehen, weil sie es noch ist, auch wenn sie auf Abwegen ist, und sie mit viel Respekt und Liebe behandeln. Suche weiter Kraft im Glauben, bete für deine Frau und wenn es geht auch mit deiner Frau.
(Vielleicht lässt sie das noch zu, auf der Geschwisterebene. Das ist übrigens in meiner Ehe das stärkste Mittel.)
Und einen Vers möchte ich dir mitgeben, Eph. 5, 26.
Schließlich noch ein Gedankenanstoß, der mir im Zusammenhang mit sehr stillen Frauen einfiel. Nicht selten gibt es eine tief sitzende nicht verarbeitete Narbe aus der Vergangenheit, evtl. auch aus der Zeit vor eurer Ehe. Vielleicht hast du sie mal sehr gekränkt es ist dir aber nicht bewusst. Diese Narbe kann einfach wieder anfangen zu bluten und bringt alles durcheinander. Wenn sie dich auf vermeintlich längst abgeschlossen Themen anspricht, solltest du es nicht als "Unvergebenheit" abtun, sondern als ein Schrei der Seele und einen Vertrauensbeweis, dass sie sich doch öffnen will. Deswegen ist es auch gut, wenn sie noch Vertrauenspersonen, wie Freundin oder Pastor hat, denen sie sich mitteilen kann.
Kopf hoch! Im Nachhinein wissen wir dann, wozu dieser Lebensabschnitt gut und wichtig war.