Mini94
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Ich habe meinen Ex in der Uni kennengelernt und schon bevor wir zusammen waren eine emotionale Bindung zu ihm während einer Freundschaft aufgebaut. Als wir dann zusammenkamen, war er am Anfang sehr zugewandt, offen und verliebt. Er hat sich gefreut, dass ich seine Freundin bin, hat mich anderen vorgestellt und mir das Gefühl gegeben, etwas Besonderes für ihn zu sein. Unsere Bindung hat sich sehr besonders angefühlt, weil wir uns so ähnlich in unseren Interessen und in unserer Art waren. Ich war auch seine erste richtige Beziehung und seine erste wirkliche Liebe. Er meinte, dass er noch nie für einen Menschen so gefühlt hätte wie für mich. In dieser Phase war er emotional präsent und die Verbindung hat sich für mich sehr intensiv und stimmig angefühlt. Mit der Zeit, vor allem als bei ihm beruflicher Stress dazu kam, hat sich sein Verhalten aber deutlich verändert. Er wurde zunehmend distanzierter und funktionaler. Emotionale Gespräche wurden schwieriger, er konnte mit meinen Gefühlen oft wenig anfangen oder hat sie nicht richtig verstanden. Wenn ich etwas angesprochen habe, wurde es teilweise umgedreht, sodass ich mich am Ende eher schuldig gefühlt habe. Insgesamt war sein Verhalten sehr wechselhaft. Für mich hat sich das wie eine Achterbahn angefühlt.
Die Trennung kam dann sehr plötzlich und ohne echtes Gespräch. Er hat das für sich entschieden und mir im Grunde einfach mitgeteilt. Es gab keine gemeinsame Aufarbeitung oder Möglichkeit, Dinge zu klären. Ich habe das nie verstanden. Wie konnte er mich so lieben und dann so im Stich lassen? Er hat generell viel mit sich selbst ausgemacht und ist auch jemand, der denkt alles besser zu wissen. Ich habe nie einen richtigen Grund für die Trennung bekommen außer, dass er durch den Stress nicht die nötige Zeit und Kraft für eine Beziehung aufbringen kann und ich das nicht verdiene. Ich würde besseres verdienen und er könne mir das nicht geben.
Danach ist eine sehr lange Zeit ohne Kontakt vergangen und währenddessen habe ich das meiste aufgearbeitet. Ich weiß, dass ich nicht mehr so in einer Partnerschaft behandelt werden will und ich habe auch keine romantischen Gefühle mehr für ihn. Dennoch hat er mir als Mensch gefehlt.
Wir haben wieder Kontakt zueinander aufgenommen, um eine freundschaftliche Ebene zu probieren.
Was mich jetzt aber zusätzlich verwirrt, ist, dass er mittlerweile eine neue Freundin hat, mir das aber nicht von sich aus gesagt hat. Ich musste selbst nach paar Gesprächen nachfragen. Gleichzeitig hat er sich über den Kontakt mit mir gefreut und wollte sich mehrfach treffen. In diesen Gesprächen war er wieder teilweise vertraut und hat auch Dinge gesagt, die an unsere alte Dynamik erinnert haben. Auch dass er positiv an die Beziehung zurückdenkt und ihn bestimmte Sachen daran erinnern. Für mich passt das schwer zusammen, weil er einerseits in einer Beziehung ist und andererseits wieder Nähe zu mir sucht.
Rückblickend sehe ich die Beziehung heute deutlich kritischer als damals und erkenne viele Dinge, die für mich nicht gesund waren. Trotzdem fällt es mir schwer, das emotional wirklich loszulassen, gerade weil der Anfang so intensiv war und sein Verhalten sich dann so stark verändert hat. Ich habe mich auch gefragt, wie er es dann doch geschafft hat mittlerweile die nächste Beziehung einzugehen, obwohl er mit unserer Tiefe nicht umgehen konnte. Ich rede mir da irgendwie ein, dass seine neue Partnerschaft vermutlich oberflächlicher ist. Aber das ist eigentlich nicht mehr meine Baustelle.
Mich würde interessieren, ob jemand ähnliche Erfahrungen mit so einem plötzlichen Umschwung in einer Beziehung gemacht hat und wie ihr das für euch eingeordnet habt. Auch die Frage, wie man mit diesem widersprüchlichen Verhalten nach der Trennung umgeht, würde mich interessieren. Mich hat das natürlich für die Zukunft sehr geprägt, weil ich dachte, dass dieser Mensch die Liebe meines Lebens war und dann irgendwie doch nicht.
Ich freue mich über jede Erfahrung, jeden Tipp und jede Perspektive.