-Laetizia-
Gast
Wie kann man einen Kinderwunsch haben, wohlweislich was alles auf einen zukommt, vor allem finanziell?
Er hat seinen ganzen Hausstand verkauft und teils sogar verschenkt, als er bei mir eingezogen ist. Er besitzt aktuell nur noch seine Kleidung und ein paar Haushaltsgegenstände. Er muss praktisch bei null anfangen, stellt auch bei mir keine Forderungen. Macht man sowas, wenn man gar nicht lieben kann?
Hausbau oder -kauf stand zur Debatte. Es gab Probleme seitens der Stadt mit den Grundstücken. Aber hätte sich das geklärt, hatte er rasch mit dem Bau beginnen können. Das Haus war grob geplant, da hatten wir gemeinsam schon einige Termine wahrgenommen. Die zweite Etage sollte nur für die Kinder sein, es waren drei Kinderzimmer geplant. Nimmt man mit über 40 noch so eine große Last auf sich? Klar, umgeplant ist ein Haus schnell und er kann jetzt mit einer einzigen Etage für sich leben. Ich will mir das auch nicht schön reden. Aber warum das ganze, wenn von fehlender Liebe die Rede ist?
Ich möchte auch nochmal klarstellen, dass die Kinder natürlich nicht die letzten anderthalb Jahre ihr Dasein in ihrem Zimmer fristen mussten.
Aktuell sind die beiden schon froh, dass er weg ist. Denn es hatte sich vor allem in den letzten Wochen extrem zugespitzt.
Allerdings habe ich natürlich auch viel mit den beiden geredet. Es sind ja keinen kleinen Kinder mehr, sondern sind Anfang Teeniealter.
Rückblickend haben mir beide gesagt, dass es schon ätzend war, wenn er seine Ruhe wollte. Dennoch sei es zwischendrin schön gewesen. Er hat mehr für die beiden ausgegeben als mein Exmann, der sich nur an Geburtstagen und an Weihnachten bei den beiden meldet. Sie hatten mit dem Fussball ein großes gemeinsames Thema, haben regelmässig Spiele im Fernsehen geschaut oder an der Kosole gezockt. Auch das ein oder andere Gespräch über Mädels hat er übernommen, worüber sie mit mir so gar nicht gesprochen haben. Es war also für beide nicht alles schlecht.
Betrogen hat ihn wohl damals seine langjährige Jugendliebe, die er damals mit unter 20 bereits geheiratet hat. Ob es wirklich die allererste Freundin war kann ich gar nicht sagen. Sie hat ihn während der Ehe mehrfach betrogen und er hat ihr wiederum mehrfach verziehen, da er die ganzen Jahre nicht einfach wegwerfen wollte, wie er sagte. Ich denke schon, dass sowas prägt.
Ich soll mir professionelle Hilfe suchen, haben einige geschrieben. Darüber habe ich auch schon nachgedacht, aber dies hier sollte ein erster Schritt in diese Richtung sein. Vielleicht hilft das Schreiben schon. Zumindest merke ich innerlich, dass es mir mit der Erkenntnis, dass es mehr Manipulation und Kontrolle als Liebe war, irgendwie leichter fällt, loszulassen. Hätten hier alle geschrieben, dass es eben doch der Richtige war und wir nur unfähig waren, Konflikte zu lösen, wäre ich wahrscheinlich nie über diesen Mann weggekommen. Dennoch ist alles im Moment sehr unschön.
Ich hatte vor einiger Zeit auch einen Bericht im Radio gehört und mich daraufhin mit dem Thema toxische Beziehung auseinandergesetzt, da mir einige Sachen doch bekannt vorkamen. Manches war stimmig, andere Dinge hingegen so gar nicht und passten nicht zu dem Bild einer toxischen oder narzisstischen Person.
In dem Trennungsgespräch selber habe ich ihm noch mitgegeben, dass ich ihn für nicht normal halte und er sich Hilfe suchen soll. Darauf hat er gar nicht wirklich geantwortet, wenn ich zurückblicke.
Ein Zurück wird es nicht geben, das kann ich meinen Kindern nicht weiter zumuten. Auch wenn ich es mir noch so sehr wünschte. Für mich war es am Ende auch nur noch der pure Stress. Dennoch ist es hart, denn die schönen Zeiten kann ich ja nicht wegradieren.
Ich werde mich die nächsten Abende auch intensiv mit den ganzen Begrifflichkeiten befassen, die mir so gar nichts sagen. Victim blaming, fast forwarding usw.. Vielleicht wird es mit der harten Wahrheit einfacher, abzuschließen.
