-Laetizia-
Gast
Mit meinen fast 40 Jahren bin ich das erste Mal in einer Situation, mit der ich absolut nicht weiss umzugehen. Ich habe die Liebe meines Lebens verloren und komme einfach nicht damit klar.
Bevor ich darüber schreibe, möchte ich vorher aber noch kurz ausholen.
Ich habe mit Mitte 20 geheiratet, zwei Kinder bekommen. Nach 9 Ehejahren haben wir uns einvernehmlich getrennt. Wir hatten uns einfach komplett unterschiedlich entwickelt.
Erst 2 Jahre nach der Trennung habe ich mich wieder auf einen neuen Mann einlassen können, da ich mich erstmal auf meine Kinder und auf meinen Job konzentriert habe. Es folgten einige Bekanntschaften, die nicht über das Kennenlernen hinausgingen und 2 kurze Beziehungen.
Auch wenn es im ersten Moment enttäuschend war, dass es nicht geklappt hat, selbst bei meiner Ehe, habe ich immer positiv in die Zukunft geschaut.
Ich habe mir immer gesagt, es wird der Nächtste kommen, der mich glücklich macht. Da war ich völlig entspannt.
Und dann trat vor anderhalb Jahren ein wundervoller Mann in mein Leben. Wir haben uns online kennengelernt. Wir hatten eine intensive Kennenlernzeit, haben wochenlang nur geschrieben und telefoniert, bevor wir uns überhaupt mal getroffen haben. Schon da waren wir uns sehr vertraut und sind auch schnell zusammengekommen.
Eigentlich lief alles super. Und in vielen Dingen haben wir über den anderen exakt die selben Dinge gesagt. Wir hatten beide noch nie so starke Gefühle für jemand anderen. Haben noch nie so tiefgründige Gespräche geführt. Haben oft das selbe gedacht, gesagt und getan. Wir waren sehr eng miteinander und absolut kompatibel, in jeder Hinsicht. Wir wollten heiraten, er ein Haus kaufen oder bauen wo wir alles zusammen leben wollten, hatten beide trotz abgeschlossener Kinderplanung wieder einen starken Kinderwunsch. Zwei Mal bin ich dann auch schwanger geworden in der Zeit, habe aber beide Kinder in der Frühschwangerschaft verloren. Eigentlich hat uns das noch enger zusammengeschweißt. Wir haben so viel geweint und auch so viel gelacht. Wir dachten, wir bleiben für immer zusammen. Und wir waren uns einig: das ist nicht die rosarote Brille, sondern eine Tatsache.
Jetzt kommt das große Aber. Er war extrem eifersüchtig. Ich hatte dafür immer Verständnis, da er von einer Ex-Frau mehrfach betrogen wurde. Er hatte ziemlich Not und hat gebeten, dass ich ihm helfen soll, die Eifersucht in den Griff zu bekommen. Ich habe gesagt, dass er jederzeit in mein Handy schauen darf, was er auch tat. Habe ihm immer, wenn wir getrennt unterwegs waren, Nachrichten und Fotos geschickt.
Aber anstatt die Eifersucht in den Griff zu bekommen, ist es immer schlimmer geworden. Er hat sich immer mehr reingesteigert und an jeder Ecke Konkurrenz gesichtet.
Das war schlimm für mich, denn eigentlich wusste er, dass ich nichts ausser meinen Kindern und meinem Job habe und absolut treu bin.
Das Ende vom Lied war: ich sollte keine Nachtdienste mehr machen, da er befürchtete, ich könnte einem der männlichen Kollegen zu nahe kommen. Ich durfte nicht mehr auf der Arbeit einspringen, wenn jemand krank wurde. Er ließ mich nicht alleine in den Supermarkt und schon gar nicht alleine zum Sportplatz, um die Kinder vom Training abzuholen. Immer stand das Wort Trennung im Raum, wenn ich versuchte, mich durchzusetzen. „Wenn du noch mehr arbeitest, brauche ich ja keine Freundin mehr“ hieß es zum Beispiel.
Ein immer größer werdendes Problem waren auch die Kinder. So gut er sich auch mit ihnen verstand. wenn es mal nicht lief, war er unfassbar streng. Sein Argument: bei ihm war es früher auch nicht anders und es hätte ihm ja nicht geschadet. Ich habe eigentlich viel zu oft den Mund gehalten und meine Kinder somit regelrecht verraten. Nur, damit Frieden herrscht. Wenn er es aber richtig übertrieben hat, bin ich sofort dazwischen gegangen und war direkt wieder die Dumme. Ich würde ihm in den Rücken fallen, wurde mir unterstellt. Aber keine Mutter stellt sich gegen ihr Kind!
Er hätte sie die meiste Zeit am liebsten nur in ihren Zimmern gesehen und nicht bei uns im Wohnzimmer. Ich hatte im Prinzip nichts mehr von ihnen, oft wurden sie weggescheucht. Auch hier behauptete er, bei mir ginge es drunter und drüber. Dass ich aber auch MEINE Erziehung hatte und ich es auch anders kenne, wollte er nicht hören. Er hat selbst keine Kinder, das hatte wohl nie geklappt. Er konnte manches auch einfach nicht nachvollziehen. Ich habe oft Verständnis gezeigt, aber irgendwann ist die Grenze überschritten und dann musste ich einschreiten, wenn er sich mit den beiden zankte.
In Streitereien hat er mich zudem nie ausreden lassen, ist mir ungelogen immer ins Wort gefallen. Ich konnte mich niemals rechtfertigen oder erklären, warum ich mich so verhalte, wie ich mich verhalte oder warum was so läuft, wie es läuft. Auch war er generell sehr dominant bei Konflikten und hat mich hingestellt, als wäre ich der Grund allen Übels in dem Moment. Da war ich sprachlos wie mundtot durch seine Art.
In den letzten Monaten hatte ich zudem das Gefühl, dass die Beziehung und seine ganze Art nicht mehr gesund ist. Er hatte extreme Stimmungsschwankungen. Im einen Moment steht er völlig aufgelöst vor mir und sagt, er hätte fürchterliche Angst mich zu verlieren. Nach langen Gesprächen war es gut. Erstmal. Aber gleich am nächsten Tag hat er wieder alles infrage gestellt und drohte wieder mit Trennung, wenn ich etwas anders machen wollte, als er es sich vorstellte.
Ich habe mich immer mehr distanziert, was er natürlich gemerkt hat. Habe oft die Babyfotos von meinen Kindern hier in der Wohnung angeschaut und anschließend bitterlich geweint, da ich das Gefühl hatte, dass er mich nur für sich allein will und die Kinder ausgrenzt. Einmal hat er das mitbekommen und es gab ein langes Gespräch. Die versprochene Besserung seines Verhaltens trat, wenn überhaupt, nur vorübergehend ein.
Schlussendlich hat es nach einem Streit richtig geknallt und wir waren getrennt. Allerdings nur für ein paar Tage. Wir waren beide komplett am Ende und haben gemerkt, dass wir ohne den anderen nicht leben können. Somit haben wir es nochmal versucht.
Aber irgendwas war anders. Es war komisch. Ich habe mich nicht mehr wohlgefühlt. Schon in den Wochen zuvor habe ich über eine Trennung nachgedacht da ich wusste, dass es mir ohne ihn besser gehen würde. Er hat mich ziemlich eingeengt, es auch einfach so hingenommen, dass ich auf der Arbeit meinen guten Stand veliere, indem ich mich nicht mehr eingebracht habe.
Nach nur 2 Wochen kam es dann erneut zum Streit. Eigentlich nur eine Banalität. Und seitdem ist endgültig Schluss.
Die ersten Tage waren richtig schlimm. Dann habe ich versucht, nur die schlechten Dinge an ihm zu suchen, und das fiel mir nicht schwer. Mit diesen Gedanken ging es mir gut, ich war sogar froh über meine neu gewonnene Freiheit. Ich konnte auf der Arbeit wieder Dienste übernehmen, die Kinder konnten wieder bei mir im Wohnzimmer auf der Couch sitzen und ich war nicht mehr gezwungen, an der Supermarktkasse eine whatsapp ausführlich zu beantworten, damit es keinen Streß gab.
Seit einigen Tagen allerdings stürzt die geballte Ladung an Gefühlen über mir ein. Unsere Beziehung hatte so langsam, vorsichtig und dadurch umso intensiver begonnen, wir hatten eine so unglaublich schöne Zeit, wenn es keinen Streit gab. Diese tiefen Gespräche die wir beide vorher so noch nie hatten und diese enge Verbundenheit, die wir gespürt haben. Wir haben uns blind verstanden. Und auch wenn man den Menschen nur vor den Kopf schauen kann, eins weiß ich sicher: dieser Mann hat mich wirklich geliebt, die kompletten anderthalb Jahre. Er hat mir immer das Gefühl gegeben, was Besonderes zu sein. Ist mir in der schwersten Zeit meines Lebens so unterstützend zur Seite gestanden, hat den Großteil seines Jahresurlaubs geopfert, um sich um mich zu kümmern, als ich viele Wochen zuhause oder im Krankenhaus liegen musste und hat so viel mit mir geweint.
Jetzt stehe ich vor einem riesigen Scherbenhaufen. Und sehe nichts in der Zunkuft. NICHTS! Ich weiss nicht, was jetzt noch kommen soll, was das ganze noch toppen soll. Vor 3 Monaten war ich noch schwanger. Nun soll alles vorbei sein.
Ich konnte es so mit ihm nicht mehr aushalten. Genauso wie er die Dinge, die er sich wünschte, nicht durchsetzen konnte und es auch aufgegeben hat.
Aber er fehlt mir so. Ich denke den ganzen Tag an ihn. Egal ob ich arbeite oder zuhause bin. Ich schaue oft bei whatsapp, ob er online ist. Einfach so, um zu sehen, ob er noch da ist.
Wir hatten zuletzt nur kurz und knapp Kontakt, denn er muss seine restlichen Sachen noch abholen. Wie dieses Zusammentreffen werden soll, will ich gar nicht wissen. Ich habe Angst, in Tränen auszubrechen und ihm um den Hals falle.
Zu der Wohnung selbst: Er ist bereits kurz nachdem wir zusammengekommen sind bei mir bzw. uns eingezogen. Nach der ersten Trennung ist er dann bei einem Familienangehörigen unterkommen und hat nur die wichtigsten Dinge mitgenommen. Wir wollten es auch bei getrennten Wohnungen belassen, damit jeder seinen Rückzugsort hat, falls es eskalieren sollte. Aber es war zu spät.
Ich weiß wie gesagt nicht, wie es weitergehen soll. Ich will ihn so sehr zurück, aber eigentlich doch nicht. Nicht so, wie er zum Schluss war. Das klingt alles so fürchterlich wiedersprüchlich. Diese starken Gefühle auf der einen Seite, aber die Unfähigkeit zu streiten und die Uneinigkeit auf der anderen Seite. Aber es ist wie es ist.
Ich sehe auch keinen weiteren Mann mehr in der Zukunft, wie früher immer. Ich sehe gar nichts. Wie soll es jemals wieder so werden wie mit ihm? Vielleicht wird nochmal jemand kommen, der mich zum lachen bringt und mir gut tut. Aber das wird alles nicht übers Kennenlernen hinaus gehen. Dieser Mann war was ganz besonderes. Wir haben so viel Schlimmes erlebt und waren auch so glücklich und dachten, wir hätten endlich das passenden Gegenstück gefunden. Wir hatten beide die Liebe unseres Lebens gefunden. Und trotzdem ging es nicht gut.
Ich war so sehr davon überzeugt, dass er der Richtige war. Genau wie er. Ich brauche jetzt einfach ein paar aufbauende Worte. Es ist so schwer.