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Trotz Gefühlen Beenden noch im Anlaufprozess

Tran

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Guten Tag allerseits.

ich bin in einer unglücklichen Lage. Vor einigen Monaten bin ich einer Frau näher gekommen, die ich zuvor schon "kannte", wir uns aber aus den Augen verloren. Wir kamen dann Ende letzten Jahres langsam zusammen, hatten schöne Gespräche, eine schöne Zeit und ich auch sehr starke Gefühle entwickelt, da sie in ihren Eigenheiten und Charakter einfach der Typ Frau ist, den ich mir immer gewünscht hatte, von der Anziehung ganz zu schweigen.

Während des Shutdowns haben wir beide viel von zu Hause gearbeitet, auch gemeinsam und kamen einfach toll mit einander aus, ich hätte mir irgendwie mit ihr vorstellen können, dass wir zusammen bleiben und auch feste Pläne hatten wir bereits besprochen. Da wir beide Ende 30 sind, war das für mich auch realistisch.

Doch irgendwie wurde das zu Beginn des Jahres alles sehr sehr sprunghaft. Als Beraterin ist sie normal Europaweit unterwegs, aber sonst immer am Wochenende daheim gewesen, durch die ständigen Shutdowns, Quarantänebedingungen ist das jetzt alles mittelfristig nicht mehr möglich, woraufhin sie fest an einen neuen Standort soll, Auswahl steht noch aus, Datum steht schon fest.

Irgendwie sind bei mir ziemlich viele Träume geplatzt. Und ich habe das Gefühl, sie ist etwas sauer darüber, aber in meinen Augen auch selbst schuld, da sie sich nie um feste Übernahme vor Ort gekümmert hat.

Wir hatten lange Gespräche darüber, die ich irgendwann aber abbrach, da ich gemerkt habe, dass a) die Pläne nicht änderbar sind und b) sie auch alles schon in die Wege geleitet hat und c) mich das belastet hat, ständig daran zu denken, bald ist sie weg.

Irgendwann hat bei mir der Schalter "klick" gemacht. Ich dachte mir, die Zeit zusammen ist toll, wunderschön, werde ich in dieser Form nicht mehr erleben. Ich habe versucht, das ganze lockerer zu sehen, das gelingt mir zunehmend.

Allerdings wurde unsere Beziehung so intensiv und unglaublich schön, dass ich inzwischen das Gefühl habe, sie zweifelt immer mehr an ihren Plänen, die allerdings nicht umkehrbar sind für mindestens 2 Jahre (Vertrag geht so lange).

Da ich mich kenne und weiß, dass ich keine Lust habe, auf eine Beziehung, in der man sich 1-2x pro Monat sieht und alles nur per Chat, Telefon und Mail kommuniziert, habe ich in den letzten Wochen bewusst ein Bedürfnis entwickelt, mich auch wieder mit anderen Leuten um mich herum auszutauschen, zu telefonieren und dann auch mal "keine Zeit" zu haben, weil ich denke, ich möchte hier meine Kontakte nicht vernachlässigen. Bevor ich wusste, dass das ganze offenbar in eine Form "Affäre" hinausläuft, hatte ich das Bedürfnis, jede Sekunde mit ihr zu verbringen, bei mir sind viele Träume geplatzt.

Wir haben lange darüber gesprochen, für sie ist das alles kein Problem, da sie glaubt, nach 2 Jahren werden wir zusammen ziehen und alles wird schön, ich bin da deutlich skeptischer, nicht unbedingt sie betreffend, sondern auch mich betreffend und stelle mir zunehmend die Frage, ob ich das will und schwanke, was für mich bedeutet: Ich will es nicht, da ich gern gemeinsame Zeit verbringe und kein Telefon-Typ bin.

Ich habe einige Male darüber gesprochen, gemerkt, dass sie meine Skepsis zunehmend nervt und sie das garnicht richtig hören will, sondern ihre Pläne quasi weiter laufen, trotz Distanz und Ferne. Ich glaube sie hat das Gefühl bekommen, dass ich diese "Affäre" (so habe ich es auch mal bezeichnet) als genau solche sehe. Inzwischen merke ich mehr und mehr, dass sie jede Minute mit mir verbringen möchte, was ich auch sehr schön finde, aber ich möchte bewusst nicht die restlichen 2-3 Monate nur mit ihr verbringen, sondern auch mit Freunden kommunizieren und diese nicht vernachlässigen.

Sobald weitere Lockerungen kommen, wird das recht schnell gehen und ich fürchte, mir wirds nicht gut gehen in der Zeit, und ihr noch viel schlechter, da ich den letzten Wochen gemerkt habe, dass ihre Bindung stärker ist, als sie sich eingestehen wollte.

Ich überlege, ob es sinnvoll ist, das ganze vorzeitig -also jetzt - zum Ende zu führen, bevor wir beide uns gegenseitig die Ohren voll heulen. Nur weiß ich nicht, ob ich das wiederum in der Zeit schaffe, Distanz herzustellen, da die Tatsache einfach ist, dass wir uns toll verstehen, stundenlang zusammen sein können und wollen, ich bin hin und her gerissen.

Vielleicht hat jemand Erfahrungswerte, bewusst gegen das Gefühl handeln, um perspektivisch "ohne Herzschmerz" davon zu kommen.

02.04.2021 15:18 • #1


alom


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Wenn ich richtig lese, ist die Sache doch sowieso fix befristet, also dürfte es für dein Gefühl relativ egal sein, ob du heute sagst "Auf Wiedersehen" oder ob die Fakten für euch beide sagen "Auf Wiedersehen". Ich würde mit der guten Frau einfach nichts mehr unternehmen. Dann erübrigt sich das von alleine. Sie hat später keine Zeit für dich, du hast dann ab sofort einfach mal eine mehr für sie. Sehe das Problem nicht so recht.

02.04.2021 16:19 • x 1 #2



Trotz Gefühlen Beenden noch im Anlaufprozess

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Tran


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Logisch, es fällt mir in der Sache sehr sehr schwer, Klartext zu sprechen mit ihr, da ich gefühlsmäßig ja komplett drinnen hänge. Und es eben keinen logischen Grund für mich gibt, es zu beenden, also es würde sich völlig verrückt anfühlen und trotzdem weiß ich, dass am Tag X sich vermutlich das ganze verlaufen wird, ich war nie der Mensch, der sich je dachte, auf so etwas einzulassen.

Vor allem käme ich mir auch ziemlich merkwürdig vor, man schwebt im siebten Himmel und Tags drauf komme ich dann an und beende etwas, was eigentlich nicht einmal den Status Beziehung hat.

02.04.2021 20:22 • #3


Selina20


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Zitat von Tran:
Vielleicht hat jemand Erfahrungswerte, bewusst gegen das Gefühl handeln, um perspektivisch "ohne Herzschmerz" davon zu kommen.


Habe ich, 3 mal - und nie ohne Herzschmerzen davon gekommen. Wie sollte das auch funktionieren?

Ich habe den Eindruck, ihr vertraut euch beide nicht.
Sie kümmert sich nicht um ihre Versetzung an den Standort in deiner Nähe, weil..... Ihr die Karriere wichtiger ist, sie ihren Konkurrenten nicht die Torte überlassen will, sie dir als Lebenspartner nicht vertraut, eben weil der Job verlässlicher ist.

Du willst sie degradieren zur Affäre, weil sie bald weg ist und du keine Lust auf Distanz Beziehung hast, aber eigentlich bist du auch unsicher, ob du ihr vertrauen kannst, da der Job augenscheinlich wichtiger ist als du.

Eigentlich könnte das eine super Liebe auf emotionaler Distanz werden.
Manche stehen auf sowas.

Einen Menschen, den man wirklich liebt und mit dem man sich vorstellen kann sein Leben zu teilen, trifft man nicht an jeder Ecke vielleicht nicht mal jede Dekade.
Redet mal richtig miteinander

02.04.2021 21:45 • x 1 #4


Skorpion


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Hallo Tran,

also verstehe ich Dich jetzt richtig, Du erlebst gerade eine tolle Zeit mit einer Frau, die genau nach Deinem Geschmack ist und mit der Du Dich bestens verstehst und willst jetzt quasi im vorauseilenden Gehorsam die gerade entstandene Verbindung beenden, weil sie beruflich an einen Ort geht, der noch nicht mal feststeht?
Ich kann das tatsächlich nicht so ganz nachvollziehen. Ich frage mich, warum kannst Du die Zeit jetzt nicht genießen und bist gedanklich schon so weit in der Zukunft? Du kannst doch gar nicht wissen, was wird?!

Zitat von Tran:
ständig daran zu denken, bald ist sie weg.

Zitat von Tran:
werde ich in dieser Form nicht mehr erleben.

Zitat von Tran:
, ich bin da deutlich skeptischer,

Zitat von Tran:
und ich fürchte, mir wirds nicht gut gehen in der Zeit,


Das klingt insgesamt sehr unentspannt. Lass der Beziehung doch etwas mehr Raum und wer weiß, vielleicht vermisst ihr beide Euch dermaßen während dieser vorübergehenden getrennten Phase, dass es anschließend umso schöner wird. Sieh es als Herausforderung, nicht als Problem. Herzschmerz lässt sich manchmal nicht vermeiden, üble Gedanken über die Zukunft aber schon... Soweit meine Sicht auf die Situation.

02.04.2021 22:50 • x 1 #5


Tran


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Danke für die netten Antworten.

Ich versuche mal auf die Denkansätze einzugehen.

Bis zum Zeitpunkt, zu dem sie mir eröffnete, dass es da Pläne ihrerseits gibt, die sie micht mehr habe stoppen können, war ich derjenige, der auf Wolke 7 schwebte.

Sie hat mir Zeit gegeben, darüber nachzudenken und für mich war das anfangs ok. Ich dachte, mal sehen, wie es wird.

Bedingt durch die Umstände hier haben wir schon öfter einige Wochen nur telefonieren oder man sich beruflich nicht gesehen, sie war ja auch immer mal hier für ein, zwei Wochen unterwegs. Allerdings war dann immer klar, man sieht sich wieder.

Das wird jetzt dann schwieriger. Ich habe während der gesamten Pandemie festgestellt, dass ich ein Typ Mensch bin für echte Kontakte und diese virtuellen Bindungen nichts nicht sind.

Ich denke, der Vertrauensbruch ist i mir später entstanden als ich mir irgendwann einfach dachte, wieso hat sie es mir nicht früher gesagt. Daraufhin bekam ich die Antwort, dass die Entscheidung viele Monate vorher stand und z mehr revidiert werden konnte, sie nicht wusste, dass ihrerseits so eine starke Bindung entstehen könnte.

Nun sind einige Wochen vergangen und ich sehe es zunehmend nüchtern, stelle mir konkrete Fragen nach dem "wie" soll das funktionieren und welche Zukunft hat das. Zumal ich auch sage, ich habe mit mit Distanzen immer schwer getan in der Vergangenheit.

Auf diese Frage weicht sie aus und sagt auch sehr direkt, sie möchte sich danke nicht belasten und verdrängt das ganze, was für mich die Situation nicht leichter macht. Sie möchte die Zeit genießen. Ich auch, mir fällt es aber schwerer.

Vermutlich der der einzige Punkt, in den wir uns unterscheiden ist, dass ich Dinge heute schon geklärt haben will und nicht abwarten möchte, wie es wird, um später festzustellen, dass man es doch nicht hinbekommt und sich ohne Ende hineingesteigert hat.

Ich erlebe die derzeitige Lage für mich, als dass ich das ganze ausbremse, sie schwebt heute auf Wolke 7 und macht Pläne mit uns, die für mich nicht greifbar wirken. Mir fällt es daher zunehmend schwer, mich weiter fallen zu lassen und die Leichtigkeit ist nicht mehr da.

Auch rede ich mir die Sache dann schlecht indem ich mir sage, es hätte ohnehin nicht gepasst, was leider nicht stimmt.

Im Inneren denke ich schon, diese Frau denkt wie ich und ist skeptisch wie ich und ist für mich so wie ich denke, danach habe ich immer gesucht, aber es hat eben nicht sollen sein.

Ich bin in der Tat hin und her gerissen, da ich mir einfach nicht vorstellen kann, dass über unbestimmte Zeit, über Jahre solch etwas funktionieren kann, was ich vorher aus Prinzip immer abgelehnt habe und ich nicht jünger werde.

Ich habe gerade während der Zeit der Pandemie gemerkt, wie schwer es ist, jemand ins Leben zu integrieren, wo man kaum Familie und Freunde treffen kann.

Um nochmal auf das Thema Vertrauen zurück zu kommen. Ja .... der Bruch kam bei mir sicher zu Stande in dem Moment wo ich das Gefühl hatte, ich bin nicht im elementare Thema eingebunden worden. Allerdings ist mir heute klar, sie hat das nicht mehr rückgängig machen können. Einige Mal habe ich das damals angesprochen und immer wieder gemerkt, das ist ein wunder Punkt, den sie selber gerne habe zurück nehmen wollen, was aber damals nicht mehr ging.

Da dieses Thema rotes Tuch war, wollte ich die Zeit nicht damit belasten, die wir hatten. Und trotzdem hätte es geklärt gehört.

Damit entstanden Sinne bei mir zunehmend Zweifel, weil ich einfach direktere Antworten bräuchte, die ich diesbezüglich nicht bekomme. Je länger es dauert mit uns, desto mehr mein Eindruck, stärkt sie ihre Bindung zu mir und desto mehr verdrängt sie den Zeitpunkt und die Frage danach, wie das auf Distanz von 1500km oder mehr werden soll, denn sie selbst hat auch keine Erfahrung darin.

Mir würde es helfen, darüber zu sprechen, allerdings habe ich es mehrfach versucht und das Gefühl, sie hat Angst vor diesem Zeitpunkt und diesem Thema. Denn sie fragt zwischendurch immer mal nach, ich solle sie doch bitte regelmäßig besuchen und tue mich dann wieder schwer, das zuzusagen, weil mir das alles zu unkonkret ist. Immerhin sagte ich bereits, bin ich ein Freund von Nahbeziehungen und auch weiss ich nicht einmal wohin genau und auch ist bei mir immer die Enttäuschung tief, einfach in das Thema nicht eingebunden worden zu sein.

Da spielen viele Dinge eine Rolle. Es gibt Momente, da bin ich so traurig darüber, jemandem gefunden zu haben, der mich unbeabsichtigt enttäuscht hat diesbezüglich, dass ich am liebsten sofort alles abbrechen würde als auf den Moment zu warten, als das ein Ereignis es beendet.

Ihr könnt also herauslesen, mir fehlt es, darüber zu sprechen, wie das das funktionieren soll und sie idt binnen der letzten wenigen Wochen auf der Sachebene nicht mehr erreichbar, sondern nur noch mit dem Herzen dabei, was bei mir aber derzeit sehr schwierig ist und ich Antworten brauche, um mich weiter einlassen zu können

03.04.2021 02:09 • #6


VictoriaSiempre

VictoriaSiempre


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Aufgrund der kurzen Beziehungszeit und vor allem Deinen Zweifeln rate ich Dir, die Geschichte zu beenden. Was soll es bringen: Ihre beruflichen Pläne ziehen sie hinaus in die Welt, Du wünscht Dir Zweisamkeit zuhause.

Andererseits erlebst Du grade das, was Generationen von Frauen bisher oft mitgemacht haben. Der Mann macht Karriere und/oder setzt auf die Job-Karte, die Frau zieht entweder mit oder lässt es bleiben. Frag mal die Frauen von Bundeswehrsoldaten, als das noch ein reiner Männerverein war...

Im besten Fall trifft man sich im Jahr 2021 irgendwo in der Mitte. Ich seh das aber durchaus problematisch, wenn man sich grade kennenlernt, so wie Ihr. Da mag große Verliebtheit da sein, aber zu wenig Substanz, um sich sicher sein zu können, über 2 Jahre (oder so) zu planen. Andererseits gibt es Garantie nur auf nen Toaster (und das auch nur befristet).

Ich bin da jedoch anders gestrickt: Wenn ich mächtig verknallt bin, dann würde ich es erst einmal versuchen. Ich wäre traurig, ich würde es mir anders wünschen - aber ich würde gucken, ob es nicht doch funktioniert. Wenn nicht, kann man ja immer noch entscheiden.

Was wäre denn Dein Wunsch? Dass sie ihre Berufsplanung aufgibt und einfach nur bei Dir bleibt?

03.04.2021 03:15 • x 2 #7


alom


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Es gibt Menschen, die können eine Phase genießen ohne Pläne haben zu müssen und es gibt Menschen, die brauchen Zukunftsaussichten in einer Sache. Das sind einfach Eigenschaften, die du auch nicht ändern kannst. Sie sind so.

Wenn man mir in der Kennenlernphase vor die Füße schmeißen würde, dass das ganze einer Affäre ähnelt, deren Ende sogar schon fest steht, wäre ich auch gedämpft und nicht mehr bereit unentwegt Zeit und Energie zu investieren, um ehrlich zu sein - ich finde das nicht verwerflich.

Möglich, dass sie sich auch den Kopf zerbricht, aber nicht in der Lage ist mit dir darüber zu sprechen, weil das Ergebnis auf einfach lauten könnte, dass DU nicht bereit bist, diesen Weggang zu deinem Thema zu machen und ihr dann hinterherzustiefeln, ich würde das auch nicht machen. Wieso? Mit welchen Aussichten? Für welchen Zeitraum? Mit welcher Perspektive? All das sind Fragen, die ich beantwortet haben wollte, bevor ich meine Zeit und Geld und Urlaub in eine Frau investiere, wo ich keine Ahnung habe, was bei rum kommt.

Dein Verstand dämpft deine Gefühle daher auch zu Recht. Es ist nicht selten, dass der andere das unbewusst spürt und plötzlich eine starke Bindung entwickelt. Man darf halt auch nicht vergessen, angesichts der derzeitigen Lage wird es schwierig sein sich vernünftig zu sehen, und angesichts der Lage weltweit wird auch sie vor Ort Schwierigkeiten haben, "anzukommen", dass man da froh ist, jemanden zu haben, der für einen da ist und wo klar ist, dass man sich gut versteht - logisch. Aber du musst eben an dich denken.

Ich persönlich denke nicht, dass es funktionieren wird, weil du schon jetzt Zweifel hast. Ich glaube, es wird für dich nicht so schwer, wie du glaubst, wenn die "Frist" abgelaufen ist, denn wenn du dich mental bereits damit auseinandersetzt, dass es nicht funktioniert, wird es dir leichter fallen, es zu akzeptieren. Umgekehrt dürfte es spannender werden, aber das ist halt nicht dein Thema.

Für mich persönlich sind Fernbeziehungen ungesunde Beziehungen, ich kenne auch keine Fernbeziehung, die wirklich gut läuft, nicht über Jahre, nicht ohne Ziel und Perspektive. Einer, hier in dem Fall du, wird sich immer benachteiligt fühlen, weil für dich ja entschieden wurde und du nicht mit diese Entscheidung getragen hast oder eingebunden wurdest. Obwohl in Wahrheit du deutlich bessere Perspektiven hast, du machst hier weiter, sie muss neu aufbauen und wird sich vor Ort ständig bei kleinsten Problemen hinterfragen, ob der Weg der richtige war.

Ich würde das ganze vorzeitig beenden oder mich einfach nicht mehr rühren. Wieso? Die gute Frau hat dich auch vor den Kopf gestoßen, finde jetzt nicht unbedingt, dass man da sensibel reagieren muss.

@VictoriaSiempre
Ich weiß nicht, der Vergleich mit der Bundeswehr, da weiß man worauf man sich einlässt, ich glaube, es wäre anders verlaufen, wenn er gewusst hätte, worauf er sich einlässt......aber hier wurde er einfach mal komplett vor den Kopf gestoßen.

03.04.2021 08:11 • #8


Liessa

Liessa


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Ich werde immer ganz traurig, wenn ich so etwas lese und dabei bin ich gar nicht der romantische "er/sie ist die eine große Liebe"-Typ. Aber ich denke mir, wenn es doch so gut passt bei euch beiden, warum gibst du der Sache (auch auf Distanz) nicht eine Chance und versuchst es mit ihr zumindest? Beenden kannst du es doch immer noch, wenn es nicht klappt. Vielleicht lässt sich das ja alles viel besser an, als du das jetzt befürchtest. Oder ist sie es nicht wert, mal über deinen Schatten zu springen?

03.04.2021 08:16 • x 2 #9


Tran


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Schwierig, schwierig, danke für die vielen Denkanstöße.

Das Problem sehe ich tatsächlich darin, dass ich das Gefühl habe, ich wurde vor Veränderungen gestellt, die mit mir aber jetzt im Nachgang nicht einmal besprochen werden, also dieses "Wie soll das gehen".

Wäre ich eingebunden worden, wäre ich der Auffassung, sie soll das tun, weil ich immer der Meinung bin, man sollte sich durch Partnerschaft nicht einschränken, lediglich ich selbst muss mir die Frage stellen, ob ich damit zurecht komme.

Derzeit merke ich, ich kann mich nicht mehr so fallen lassen, wie einst möglich, ich bin kein Typ für befristete Verträge, befristete Arbeitsverträge, befristete Mietverträge, ich würde mich nicht so einrichten, nicht so ins Zeug legen, wenn ich nicht weiß, es ist jedenfalls - theoretisch - unbefristet. Und hier hat man mich klar befristet, das ist mein Gefühl, auch wenn ich jedesmal, wenn ich das Thema anspreche, sofort ausgebremst werde, sie will davon einfach nichts hören, sie mag nicht hören, wenn ich sage, dass wir uns ggf. dann nicht mehr sehen, für sie ist das ausgeschlossen und überhaupt keine Hürde.

Manchmal erschrickt mich das, das ist eine weltoffene und super erfahrene Frau und in dieser Frage kommt sie mir vor wie ein kleines Kind, das sich Dinge zurecht spinnt, bei denen ich selbst sage, der erheblich weniger Erfahrung hat, "denk doch mal nach, das kann nicht funktionieren".

Natürlich wird es sich zeigen, ich befürchte nur, dass ich selbst bis dahin kaum mehr genießen kann.

Wenn ich wüsste "wie", hätte ich es vermutlich schon hundert mal schonend beendet und hundert mal wieder rückgängig gemacht. Solange sie noch greifbar ist, würde vermutlich Rückfallgefahr bestehen, erst wenn sie weg wäre, wäre sie eben weg und die Sache für mich auch vorbei.

Ich bin ziemlich sicher, damit klar zu kommen, nach einiger Zeit jedenfalls auch ohne größeren Schmerz, ich bin mir nur nicht sicher, ob ich diese Zeit noch gemeinsam mit ihr verbringen soll, wenn ich sie nicht mehr so genießen kann, wie es vorher immer der Fall war.

03.04.2021 08:18 • #10


Tran


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Zitat von Liessa:
Ich werde immer ganz traurig, wenn ich so etwas lese und dabei bin ich gar nicht der romantische "er/sie ist die eine große Liebe"-Typ. Aber ich denke mir, wenn es doch so gut passt bei euch beiden, warum gibst du der Sache (auch ...


Das sind genau die Gedanken, die mir seither im Kopf rum geistern. Ich hatte bereits Beziehungen und bei keiner Frau konnte ich mir vorstellen, zu heiraten, zusammen zu bleiben. Bei ihr kann ich mir das vorstellen, ohne es besonders begründen zu können.

Ich denke, das macht es für mich so schwer. Wir kennen uns noch keine Ewigkeit, vom Sehen her länger, aber tatsächlich erst einige Monate.

Ich kenne mich und ich bin eher ein Typ, der Nähe braucht um zu vertrauen, Distanz schafft bei mir zunehmend Fragen, weil ich das Gefühl habe, man lebt 2 Leben, kann den anderen nicht einbinden, nicht in Familie, nicht in Probleme, nicht in den Alltag und für mich bestand bisher immer die Frage, ob sowas funktioniert, bisherige Beziehungen habe ich auf dieser Ebene konsequent beendet und dachte mir, das hat keine Zukunft. Und da war ich jünger als heute.

Dass ich überhaupt darüber nachdenke, es "nicht" zu beenden zeigt mir irgendwie die Besonderheit.

Am liebsten wäre mir trotzdem weiterhin, das ganze zu besprechen, aber solange sie das wegschiebt und in gewisser Form verdrängt, hat das natürlich wenig Zweck, da ich merke, für sie ist dieser Weggang einfach nur eine Veränderung die Örtlichkeit betreffend und das habe (in ihren Augen) nichts mit "uns" zu tun. In meinen Augen ist das recht elementar.

Ein Freund sagte mir neulich, er sei lieber mit einer Beziehung zusammen, die 70% passt, aber erreichbar ist, als mit so einer Fernbeziehung, die 100% passt oder passen würde. Man muss zu sehr verzichten, sagt er, auf S., auf Gespräche, auf direkte Entscheidungen vor Ort.

Ich weiß, dass es viele gibt, die solche Beziehungen leben, ich persönlich denke mir schon, ich werde nicht jünger und möchte auch vor Ort Dinge gemeinsam erleben. Meine Befürchtungen sind, irgendwann macht jeder sein Ding und man lebt sich ohne Schnittstellen einfach auseinander. Diese Schnittstellen können nur im echten Leben gebildet werden.

03.04.2021 08:24 • #11


alom


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Zitat von Liessa:
Ich werde immer ganz traurig, wenn ich so etwas lese und dabei bin ich gar nicht der romantische "er/sie ist die eine große Liebe"-Typ. Aber ich denke mir, wenn es doch so gut passt bei euch beiden, warum gibst du der Sache (auch ...


Ja Liessa, das Problem ist nur, das Leben ist keine Daily Soap und kein GZSZ. Ich habe nicht selten erlebt, dass sich Fernbeziehungen durch Illusionen halten, man die Lücken, die man also mit dem Partner nicht gemeinsam kennt, sich einfach zusammen spinnt, das große Erwachen kommt dann, wenn das ganze auf einmal eine Nahbeziehung wird. Plötzlich lernt man einen anderen Partner kennen. Es ist schon ein erheblicher Unterschied ob man plötzlich 24/7 auf einander hockt oder vorher 2x geskyped hat die Woche. Häufig sind Fernbeziehungspartner nämlich nach Rückkehr sofort mit dem Koffer vor der Tür, die haben ja keine eigene Wohnung.

Dein Tipp ist natürlich nicht schlecht, es einfach passieren zu lassen, die Frage lässt sich nur durch Ausprobieren beantworten, das muss jeder für sich entscheiden. Ich persönlich wäre mir zu schade dafür, irgendwo zu warten, ob und wie und wann, wenn man nicht vorher sachlich klärt, wie es funktionieren soll, aber jeder Mensch ist anders. Es gibt auch Menschen, die kümmern sich in letzter Minute und erst dann, wenn die Sache, die es zu lösen gilt unmittelbar vor der Tür steht, andere brauchen einen Plan. Man kann nicht aus seiner Haut, das ist Charakter.

Ich hätte jedenfalls ständig im Hinterkopf "wir haben noch X Tage oder Wochen oder Monate". Mich würde das nerven, da wäre ich gedanklich nicht mehr bei der Sache, sondern woanders, "was mache ich, wenn sie nicht mehr da ist".

Die Erwartungshaltungen steigen auch, man erwartet von demjenigen, der die Situation maßgeblich ändert auch, dass der sich jetzt mächtig ins Zeug hängt und das kann ich hier gerade nicht erkennen. Im Gegenteil lese ich heraus, sie zieht ihr Ding durch und er guckt jetzt zu.

03.04.2021 08:29 • x 1 #12


Heffalump

Heffalump


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Zitat von Tran:
ich wurde vor Veränderungen gestellt, die mit mir aber jetzt im Nachgang nicht einmal besprochen werden,

Als Sie dies in Angriff nahm, war dein Einfluss wohl noch deutlich kleiner. Und nun hin zuwerfen und doch hier zu bleiben, macht sich gegenüber Arbeitgeber nicht gut.
Dürfte dir klar sein, das Sie das so nicht ihrem Chef vermitteln will - würdest du doch auch nicht wollen.
Zitat von Tran:
bei denen ich selbst sage, der erheblich weniger Erfahrung hat, "denk doch mal nach, das kann nicht funktionieren".

Und warum nicht? Warum gibst du Euch nicht diese Chance, zu verlieren hast du doch nichts.

Wer will findet Wege, wer nicht will - findet Gründe

03.04.2021 08:31 • x 1 #13


Tran


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Zitat von Heffalump:
Als Sie dies in Angriff nahm, war dein Einfluss wohl noch deutlich kleiner. Und nun hin zuwerfen und doch hier zu bleiben, macht sich gegenüber Arbeitgeber nicht gut. Dürfte dir klar sein, das Sie das so nicht ihrem Chef vermitteln will - würdest du doch ...


Jaaa, als sie das in Angriff genommen hat, waren wir noch nicht zusammen, da war noch nichts außer ein paar netten Gesprächen. Auf deren Basis hätte ich an ihrer Stelle genau so gehandelt, man kann nicht wegen jedem Krümel seine Laufbahn stilllegen und stimme ich hundert Pro zu, definitiv keinen Rückzug, auf garkeinen Fall.

Klar, aus sachlicher Sicht habe ich nichts zu verlieren, aus emotionaler Sicht mag ich mich aber nicht noch weiter rein steigern, ich bin wie gesagt jemand, der braucht eine Perspektive, mir fällt es ganz schwer, im Moment das Hirn auszuschalten und zu denken, jetzt gibt es nur heute und jetzt, sonst nichts, ich habe immer im Kopf (und wenn auch nur kurz danach) - "ok wie soll das werden". Lustigerweise denkt sie ja auch darüber nach, aber kann einfach nicht über die Sache sprechen.

Inzwischen gewinne ich immer mehr den Eindruck, dass sie in einer Gedankenspirale ist, weil sie fürchtet, dass ich mich ziemlich rar machen werde, ich bin zeitlich auch sehr eingespannt und wälze mich nicht in Freizeit, mein Job fordert mich auch ziemlich und das weiß sie. ...... es wird sich zeigen, derzeit sehe ich es ziemlich pessimistisch.

03.04.2021 08:36 • #14


Heffalump

Heffalump


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Zitat von Tran:
ich bin wie gesagt jemand, der braucht eine Perspektive

Fernbeziehung kann schon richtig heiß sein, unter der Woche bist du frei für Freunde und Familie und am WE könnt ihr im 2Wochen Turnus Euch besuchen, Leidenschaft ausleben und Euch aufeinander und übereinander freuen.

Zwar räumlich getrennt, aber auch eine Art des Kennenlernens, und bei Streit die Möglichkeit, unter der Woche, dies zu reflektieren. Es muss nichts schlechtes sein.


Zitat von Tran:
es wird sich zeigen, derzeit sehe ich es ziemlich pessimistisch.

Gib dem Ganzen doch ne Chance - aufgeben kannst du doch immer noch

03.04.2021 08:41 • #15



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