Ausgerechnet ichDer nächste Reisetag brachte Überraschendes für mich zutage.
Doch vorweg: ich habe eine ausgesprochen kritische Meinung zur Haltung von Hunden in der Stadt. Ja, Shitstorm nun

Aber zu diesem Thema komme ich später noch einmal.
Mit Ausnahmen finde ich das nicht richtig. Da ich in der Stadt lebe und das Hündchenschema bei mir nicht greift, habe ich somit wenig Kontakt zu Menschen mit Hunden und auch in der Familie gab es nie welche. Niemals ausgeschlossen habe ich aber, als alte Dame mit meinem Dackel regelmäßig vor die Tür zu gehen. Der letzte oder vorletzte Aspirant wollte mich mit seinem Hund locken. Völlige erfolglose Strategie von ihm. Tatsächlich halte ich einen Hund bei einem Mann für ein Ausschlusskriterium. Aber wer weiß, was das Leben noch bringt.
Ich bitte, das nicht falsch zu verstehen. Ich mag Tiere und bin natürlich für ihren Schutz. Ich finde jedoch, dass dieser oft falsch verstanden wird, aber das führt hier zu weit. Ich bewundere eine Bekannte, die mit viel Hingabe und unter persönlichen Entbehrungen im Ausland ein mittlerweile recht großes Tierschutzprojekt aufgezogen hat. Ich finde einfach nur das Verfrachten der Tiere in die Großstadt fragwürdig und habe in dieser Phase meines Lebens nicht die Lust, mich den Einschränkungen, die das mit sich bringt, zu unterwerfen.
Aber zurück zum Urlaub.
Wieder mal krabbelten wir warm eingepackt in unseren Bus, um uns nach kurzer Zeit in der Enge unserers kleinen Mobils - verbunden mit viel Akrobatik - wieder auszuziehen. Es war viel zu warm.
Einmal mehr fuhren wir durch die wunderbare Landschaft, die meinen Augen und meiner Seele so gut tat. Unser Ziel war eine Huskyfarm. Das war der Ausflug, der mich im Vorwege wohl am wenigsten gereizt hatte.
Dort angekommen erwarteten uns die Betreiber und Hilfskräfte der Farm sowie an die 80 Huskys und einige Schlitten. Das aufgeregte Gekläffe der Tiere erzeugte einen wahnsinnigen Geräuschpegel. Unsere Gespanne waren schon vorbereitet und mit Ankern im Schnee fixiert, da die Hunde uuauf die Strecke wollten und nach vorne zogen. Wir verteilten uns auf die Schlitten, die wir nicht selber lenkten (solche Touren gibt es auch) und wurden warm eingepackt. Die Anker wurden gelöst und los ging die rasante Fahrt duch die Landschaft. Wir gleiteten durch urige Wälder, in denen zugeschneiite Felsbrocken verteilt zwischen den Bäumen eine hügelige Landschaft bildeten, die wie aus einer anderen Welt wirkten.
Mein Schlitten wurde von "alten Hasen" und noch sehr jungen Hunden, die manchmal vergaßen, was ihr "Job" war, gezogen. Ich habe mir zuvor nie Gedanken darüber gemacht, aber es stellte sich heraus, dass die Hunde wirklich alles während des Laufs machten. Naja, ist ja auch schwierig, sich ein Plätzchen für das Geschäft zu suchen, wenn man einerseits eingespannt ist und andererseits die sieben Kumpels wie irre nach vorn ziehen. Nicht nur Schnee schien uns um die Ohren zu fliegen, aber so what!
Das Wetter meinte es wieder sehr gut mit uns. Die Sonne strahlte vom Himmel und abgesehen von den immer kälter werdenden Füßen war es sehr gut auszuhalten. Das Gespann zog uns u.a. über einen großen zugefrorenen See und ein wenig auf und ab durch den Wald. Nach ca. 2 Stunden in der unwirklich schönen Natur ging es zurück zur Farm.
Dort angekommen war die Versorgung der Tiere und Beziehungspflege angesagt. Und was war mit mir?
Es gibt weitere Bilder von mir mit grenzdebilem Gesichtsausdruck, auf denen ich inmitten stinkender Hunden (ohja, die stinken echt wie Sau) im Schnee hocke und gar nicht weiß, mit welchem ich zuerst toben und kuscheln soll.
Also ausgerechnet ich!

Schräg.
Ich hätte es da durchaus noch länger ausgehalten. Aber irgendwann war der Spaß vorbei und wir mussten zurückfahren.
Der Tag sollte noch eine weitere Überraschung bereit halten.
Denn ein weiterer Ausflug stand an. Tat-säch-lich sollte mein Gepäck am Flughafen angekommen sein.
Gegen frühen Nachmittag machten unser hospitierender Begleiter und ich uns auf den Weg zum Flughafen und fuhren erneut durch die wunderbare (mir fallen anscheinend keine anderen Wörter ein) Landschaft. Ich genoss es sehr, den schnatternden Frauen entkommen zu sein und mit einem sehr angenehmen Menschen anregende Gespräche zu führen. Diese Tour war wie ein weiterer schöner Programmpunkt auf dieser Reise. Besonders die Rückfahrt in den Sonnenuntergang und mit der Beute im Kofferraum hätte gern etwas länger dauern können.
Als wir also das Wild erlegt und sicher "nach Hause" gebracht hatten, behauptete unser Hospitant gegenüber den anderen Frauen, jeder Mann würde von einer Frau so angesehen werden wollen, wie ich meinen Koffer angesehen hätte, als ich ihn erspähte. Ich nehme an, das läuft auch wieder unter "grenzdebil".

Das Auspacken lohnte sich fast gar nicht, denn ich hatte ja leider nur noch einen weiteren Reisetag und den Abreisetag vor mir, aber ich war sooooo froh, dass der ganze ungenutzte Krempel wieder in meinem Besitz war, denn ich hatte die Befürchtung, auch in Deutschland noch danach suchen bzw. darauf warten zu müssen. Ärgerlich war, dass ich mir im Vorwege sehr zeitaufwändig und intensiv Gedanken um funktionale und bezahlbare Klamotten gemacht hatte. Ich bin ja keine Wintersportlerin und hatte überhaupt kein Equipment für die dortigen Wetterverhverhältnisse.
Am Abend schmiss ich eine Runde auf meinen Koffer und .. öhm .. versackte etwas mit zwei anderen, den für mich wirklich interessantesten Menschen auf dieser Reise, bis zum Morgen. Zwischendurch hatte ich mich in meine endlich angekommene Skihose geschmissen und bin im dunklen auf den See gegangen, wo mich - ganz für mich allein - noch ein paar klitzekleine Polarlichtmomente beglückten.
Darüber hinaus muss der Abend etwas heftig gewesen sein, denn als ich nach zwei oder drei Stunden aufwachte, stellte ich fest, dass ich der Nacht noch 180 g Salzlakritzschokolade in mich hinein gestopft und bei sperrangelweit offener Hotelzimmertür geschlafen hatte. Man stelle sich mal vor, mein Koffer wäre entwendet worden
Tja, und nun?
Nun bin ich verliebt in die Landschaft und in das Leben und suche nach einem Urlaub auf einer Huskyfarm. Ausgerechnet ich!
