EntfaltungDer Job nimmt Fahrt auf. Das mag ich. Wirken, organisieren, Kontakte knüpfen, Menschen gewinnen für eine Sache und für meine Art der Zusammenarbeit. Schön, dass so wenig Kollegen da waren in dieser Woche. Das gab mir Raum.
Gestern war im Ehrenamt richtig viel los. Spannend. Erst wurde ich gefilzt, dann bin ich unfreiwillig patschnass in ein TV-Interview gestolpert und habe dabei vermutlich ziemlich desolat gewirkt. Wenn Xavier nicht so viel Raum eingenommen hätte, hätte man meinen unfreiwillig komischen Auftritt vermutlich wohl gestern im lokalen TV sehen können. So war Xavier doch für irgendetwas etwas gut. Hachja, und ich konnte einer Trulla, die mir immer zugeteilt wird, deutlich machen, dass ihr Gequatsche durch ihre Lautstärke auch nicht an Qualität gewinnt. Wie befreiend.
Tja, und dann spüre ich die steigende Aufmerksamkeit der Männer, das nochmalige Hinsehen, wenn man sich begegnet. Das irritiert mich an manchen Tagen, denn ich weiß ja, dass ich optisch ein eher durchschnittlicher Typ bin. Da fische ich nicht nach Komplimenten oder stapele tief. Das ist einfach so. Dafür bringe ich anderes mit. Kraft zum Beispiel, obwohl ich mich oft kraftlos fühle. Mut, obwohl ich oft mutlos bin. Energie, obwohl ich über meine Energielosigkeit klage. Stolz statt Seelenverkauf usw. Das ist mehr als genug - mehr als mancher verkraften oder mitgehen kann/will.
Ich sprach mal vor ein paar Jahren mit einer Chefin über meinen Eindruck, Menschen würden sich nicht an mich erinnern und wüssten nicht mehr, wer ich bin, wenn ich ihnen zum zweiten Mal begegne.
Sie sagte dazu, dass ich darauf bezogen eine vollkommen gestörte Selbstwahrnehmung hätte, denn ich würde Räume mit Energie füllen und nachhaltigen Eindruck hinterlassen, mein Wort hätte Gewicht. Ich habe das selten so gesehen und empfunden. Falls es auf manche Menschen so wirkt, kommt es jedoch möglicherweise gerade zurück.
Ein bisschen fühle ich mich erinnert an die Zeit nach meinem Burnout, als die Erkenntnis zurück kam, dass ich etwas kann, dass ich Kompetenzen habe und vor allem, dass ich ein sehr geschätzter Mensch bin. Ich hatte das alles vergessen. Es war verloren gegangen bis über beide Ohren in Arbeit und Depressionen steckend.
Es macht mich gerade so froh, einfach nur freundlich sein zu können. Es tut mir gut, dass mir freundlich begegnet wird. Die Freude der neuen Kolleginnen war berührend, als ich ihnen sagte, dass ich den anderen Job nicht bekommen habe. Grundsätzlich hat sich zwar nichts daran geändert, dass ich am liebsten noch einmal etwas ganz, ganz anderes machen würde (Vogelwart auf ner Hallig oder vielleicht doch mal Entwicklungshilfe oder oder oder), aber darüber hinaus schwebe ich bei der Arbeit auf einem rosa Wölkchen der Entspanntheit dahin.
An solchen Tagen, an denen ich die zweiten und dritten Blicke auf der Straße, im Café oder Supermarkt spüre, bin ich dennoch hin- und hergerissen, ob es nun meine Ausstrahlung ist, die dazu führt. Oder ob ich komplett daneben gegriffen habe bei meiner Garderobe, ob ich Tinte im Gesicht oder irgendwie Mitleid verdient habe, so dass man eine schockierten zweiten Blick riskieren
muss. Bin ich so eine Art Unfall, bei dem man nicht hinsehen will, aber es dennoch nicht lassen kann?
Ich hätte gern weniger Fragen und weniger Anspruch an mich selbst.
Ich bin auf einem guten Weg. Ich muss mich nur daran erinnern, dass es mir doch egal ist, warum sie schauen.Fast!
´bin ja auch ein bisschen eitel.Unterm Strich: mein Leben entfaltet sich.