Luk: Ich finde, DU solltest mal die Geschichten gründlich lesen, auf die du dich sogar bezogen hast....
Manche Dinge kannst du meines Erachtens noch gar nicht verstehen, weil du eben noch sehr jung bist und sorry, eine Beziehung in den süßen 20igern ohne jede Verbindlichkeiten kannst du einfach nicht vergleichen mit einer, mit der du bereits dein halbes Leben verbracht und einiges aufgebaut hast, schon viele Lebensphasen durchlebt hast zusammen und auch schon viele Krisen gemeistert hast. Für mich liest du doch recht schwarz weiß und noch sehr idealistisch naiv. Damit meine ich nicht, dass du noch nicht abgestumpft genug bist, sondern einfach noch vieles nicht gelebt und gefühlt hast. Noch dazu kamst du ja durch den warmwechsel deiner Ex gar nicht in die Situation, entscheiden zu dürfen. Du musstest dich ja gar nicht aktiv trennen, während sie die Beziehung unbedingt fortführen wollte. Es war also zumindest auf ihrer Seite gar keine Liebe mehr vorhanden. Das ist schon eine komplett andere Ausgangslage und aus der Position ists natürlich auch einfach, sich so äußern. Gibt dir sicher auch mehr das Gefühl, zumindest am Ende selber entscheiden zu können. Konntest du das denn wirklich? Oder war es egal, wie du dich entscheiden würdest, da sie eh gegangen ist?
Wenn du diese Geschichten aufmerksam liest, wird dir auch auffallen, dass die wenigsten eben 30 sind und von recht frischen Beziehungen sprechen, sondern die meisten deutlich längere Beziehungen hatten und auch schon deutlich älter sind.
Daraus lässt sich nciht folgern, dass sie eben keine Alternativen hatten. Sondern es zeigt eben auch, dass sich Beziehungen mit der Zeit nochmal auf eine ganz andere Ebene verlagern und manche Dinge auch losgelöst voneinander betrachtet werden.
Auf dem Papier liest es sich ganz korrekt, was du so schreibst. Gelebt ist eben alles anders.. grad mit Kindern kommt es häufiger vor im Alltag, dass Menschen sich ein wenig verlieren, dass sich mal einer zu wenig wertgeschätzt fühlt oder oder.. dass er vielleicht gesagt hat, was ihm etwas fehlt, es im gelebten Alltag aber dennoch zu kurz kam. Dann begegnet ihm jemand Neues, der auf einmal Gefühle erweckt, die man nach 25 Jahren Beziehung lange nicht mehr gespürt hat... der aufmerksam und liebevoll ist und natürlich weiß man, dass es falsch ist.. dennoch braucht es manchmal nur die passende Situation, den falschen Moment und dann passiert es. Und schneller als man es je gedacht hätte, rutscht man da hinein. Ja, es ist eine bewusste Entscheidung. Aber meist ist es weder eiskalt, noch berechnend, noch angebrüht. So nimmt das Unglück seinen Lauf.
Aber: unterschätze nicht das Band zwischen zwei Menschen nach so langer Zeit. Das ist unendlich belastbar und wie stark diese Verbindung ist, merkt man manchmal erst, wenn es wirklich drauf ankommt. Und wenn man merkt, was man zu verlieren droht. Auf beiden Seiten. Dass Bewusstsein dafür, sich im Alltag verloren zu haben und erst richtig zu Spueren, was es bedeuten würde, seinen Alltag zu verlieren.
Leider wird das häufig heruntergespielt als. Naja ne Scheidung ist teuer, die bleiben nur wegen der Kinder zusammen etc. Nein, das glaube ich nicht. Das ist die stumpfe Betrachtung von außen. Meiner Meinung nach isr es eine Beziehung, die diese Menschen zusammenhält, die so stark ist, dass sie auch so etwas verkraften kann. Es sollte so nciht sein, dass es so was überhaupt benötigt. Aber eine Beziehung über 30, 40, 50 Jahre völlig fehlerfrei und makellos zu führen, mit allen Entwicklungen, die das Leben so bereit haelt, Kinder großzuziehen, Krisen zu meistern und dabei völlig tadellos und immer vorbildlich aufmerksam, wertschätzend allen Bedürfnissen seines Partners gerecht zu werden, dass moechte ich gerne mal sehen, wem das gelingt.... diesen Anspruch kann man haben, realistisch ist es m.E. Nicht. Dass rechtfertigt keine Affären. Das soll nur aufzeigen, wie so etwas häufig passiert... möchte an dieser Stelle ergänzen, dass ich persönlich echt keinen Unterschied zu einem ONS mache, wenn ich Exklusivität vereinbart habe und weiß, wie knallhart mein Partner das bewertet, dass nur für ein bisschen Spaß aufs Spiel zu setzen, find ich unglaublich daemlich. Fremdverlieben und Hormon Cocktail sind für mich dann zumindest eine verständlichere Erklärung.
Ich habe nie betrogen, auch in 20 Jahren Beziehung nicht. Aber ich weiß, wie sich eine Beziehung verändert mit der Zeit... ich kann es auch nicht gutheißen, Affären zu führen und auch ich sage: dann sprich doch mit deinem Partner... wenn du was vermisst oder doch etwas stört. Aber ich glaube, diese Dinge laufen viel unbewusster ab. Und oft genug versucht man auch zu sprechen und bleibt vielleicht ungehört... nicht, weil der andere sich dafür gar nicht interessiert, sondern weil es eben nach einem langen Tag voller Arbeit und noch 3 Kindern zu versorgen, so angekommen und sicher wie man sich fühlt nach so langer Zeit, einfach nciht richtig wahrgenommen wird. Der Partner zu selbstverständlich geworden ist. Manchmal weiß man vielleicht auch selbst gar nicht mehr, wo man gefühlsmäßig steht, bis es eben zu verlieren droht. Darum ist manchmal so eine Affäre ein hallo wach Effekt, der am Ende was positives bewirkt. Dass jeder merkt, dass er sich wieder bemühen muss, wo Worte vorher verhallt sind.
Und jeder in so einer langen Beziehung (und genau das sind eben die meisten dieser Beziehungen) weiß, dass man es nicht sofort aufgibt, weil man weiß, dass man es nicht an jeder Straßenecke wiederfindet...
Ich weiss, was jetzt kommt. Naja wenn es dem Betrüger so wichtig wäre, dann würde er ja nicht.... daher lohnte sich meine muehe wohl auch gar nicht, das hier alles niederzutippen.
Es war mir trotzdem ein Bedürfnis, den mir fehlt hier an mancher Stelle einfach ein bisschen der Respekt, vor Menschen, die auf ihre Art ebenfalls Krisen stark gemeistert haben.