Zitat von LaLeLu35:ch weiss, was jetzt kommt. Naja wenn es dem Betrüger so wichtig wäre, dann würde er ja nicht.... daher lohnte sich meine muehe wohl auch gar nicht, das hier alles niederzutippen.
Jetzt habe ich als Gast mich durch 23 Seiten gekämpft. Und ich werde meinen Senf dazugeben, auch wenn ich glaube, dass ich
bei einigen auf Unverständnis stoße.
Vorab. Ich wurde betrogen, damals 18 Jahre verheiratet. Wir haben uns nicht getrennt. Und ich bezeichne uns mitvorsichtigem Optimismus als erfolgreich. Und obwohl vom TE ja unterstellt wird, dass ich mir etwas vormache, fühle ich mich nicht betroffen oder angregriffen.
Zitat von LaLeLu35:Manche Dinge kannst du meines Erachtens noch gar nicht verstehen, weil du eben noch sehr jung bist und sorry, eine Beziehung in den süßen 20igern ohne jede Verbindlichkeiten kannst du einfach nicht vergleichen mit einer, mit der du bereits dein halbes Leben verbracht und einiges aufgebaut hast, schon viele Lebensphasen durchlebt hast zusammen und auch schon viele Krisen gemeistert hast.
DAs ist ein extrem wichtiger Punkt. Wir hatten bereits schwere Krisen (Arbeitslosigkeit, Depressionen, schwerer Autounfall) bereits gemeistert. Auch sollte man gemeinsame Kinder und ein Haus ohne Startkapital auch nicht kleinreden. Das ist mit Mitte 20 in aller Regel keine Lebenserfahrung.
Zitat von LaLeLu35:Auf dem Papier liest es sich ganz korrekt, was du so schreibst. Gelebt ist eben alles anders.. grad mit Kindern kommt es häufiger vor im Alltag, dass Menschen sich ein wenig verlieren, dass sich mal einer zu wenig wertgeschätzt fühlt oder oder.. dass er vielleicht gesagt hat, was ihm etwas fehlt, es im gelebten Alltag aber dennoch zu kurz kam.
Ja. Und das ist auch meiner Meinung nach uns nicht gegeben. Die allermeisten in meiner Umgebung können nicht wirklich kommunizieren. Das merke ich immer wieder, wenn ich mich mit gleichartigen austausche. Und vor allem setzt das Ganze ja voraus, dass man sich mit sich auseinandersetzt, sich wirklich selbst wahrnimmt als Mensch mit seinen Bedürfnissen Schwächen und stärken und das Ganze auch noch akzeptiert. Das mit Mitte Ende 20 zu können? Extrem unwahrscheinlich.
Und die folgende Lebensphase ist eine Phase, bei der es viel um Organisation geht. Finanzierungen, Kindererziehung, Karriere.
Das kostet soviel Kraft, dass man sich im Alltag verliert. Das Perfide an der Geschichte ist es ja, dass dieser Prozess schleichend ist. Man ist wie ein Frosch im Kochtopf, der nicht merkt, dass ihm warm wird und dann ist es zu spät. Ich glaube, dass es unstrittig ist, dass Betrug den anderen extrem verletzt, dass es einem den Boden unter den Füßen wegreißt. Man ist in seinen Grundfesten erschüttert. Mit wenigen Ausmaßen traut man dem anderen so etwas nicht zu. Man verliert schlagartig dass Vertrauen.
Die Affäre ist eine Entscheidung des Betrügers. Auch unstrittig. Der Weg dahin ist aber nicht binär zu betrachten. Jeder Partner trägt Verantwortung für seine Beziehung. Und vor allem aufgrund der schieren Masse an Affären ist davon auszugehen, dass Anspruch und Wirklichkeit deutlich voneinander abweichen. Und weiterhin kann keiner seriös vorhersagen, wie er in bestimmten Situationen reagiert. Man kann zwar Ansprüche an sich haben und man kann auch rückblickend sagen, dass man seinen Ansprüchen genügt hat. Aber daraus zu extrapolieren, dass das immer und ausnahmslos für die Zukunft gilt? No way. Das ist nicht realistisch. Und als lebensfroher Mensch, kann man ja auch nicht alle gefährlichen Situationen meiden.
Zitat von LaLeLu35:Leider wird das häufig heruntergespielt als. Naja ne Scheidung ist teuer, die bleiben nur wegen der Kinder zusammen etc. Nein, das glaube ich nicht. Das ist die stumpfe Betrachtung von außen. Meiner Meinung nach isr es eine Beziehung, die diese Menschen zusammenhält, die so stark ist, dass sie auch so etwas verkraften kann. Es sollte so nciht sein, dass es so was überhaupt benötigt. Aber eine Beziehung über 30, 40, 50 Jahre völlig fehlerfrei und makellos zu führen, mit allen Entwicklungen, die das Leben so bereit haelt, Kinder großzuziehen, Krisen zu meistern und dabei völlig tadellos und immer vorbildlich aufmerksam, wertschätzend allen Bedürfnissen seines Partners gerecht zu werden, dass moechte ich gerne mal sehen, wem das gelingt.... diesen Anspruch kann man haben, realistisch ist es m.E. Nicht.
Ich glaube, das kann man nicht so pauschal betrachten. Relativ sicher ist eine Krise wenn Kinder geboren werden und wenn sie flügge sind. Dann kommt es gehäuft zu Ausbrüchen und Trennungen. Aber was genau passiert, ist doch sehr individuell. Und es gibt ganz sicher auch viele Ehen, die aufgrund des Aufwands und der Kosten davor scheuen, den Cut zu machen. Wiederum andere blenden die Realität aus.
Und dann gibt es die Macher.. Die genau diesen Punkt als Weckruf betrachten. So wie bisher geht es nicht weiter. Daraus ergeben sich meines Erachtens zwei Varianten. Trennung oder Neubeginn. Beides ist schwer, beides bedeutet viel Invest, beides ist sehr schmerzhaft. Das gemeinsame daran ist es, dass die Beteiligten sich neu finden müssen und dass es unendlich viele Möglichkeiten gibt, zu scheitern.
Erfolg für den Betrogenen würde ich wie folgt definieren:
Erfolg ist, wenn man aufgrund solch einem Extremereignis seine Verletzungen vernarben lässt. Dass man dem anderen verziehen hat und dass man mit der Vergangenheit im Reinen ist. Dann hat man für die Zukunft alle Chancen, dass man sein weiteres Leben glücklich weiterführen kann. Man kann wieder vertrauen. Entweder alleine oder mit einem neuen Partner, oder mit dem alten. In meinen Augen macht es für einen selbst nur wenig Unterschied, ob man sich trennt oder nicht. So oder so ist die alte Beziehung durch den Betrug getötet worden. So oder so,muss man wieder ins Leben zurückfinden. Und man hat gelernt und an Erfahrung gewonnen.
Dahin zu kommen halte ich für wahnsinnig schwer. Das, was man von den vielen verletzten Seelen hier so liest zeigt mir, dass ganz viele noch weit vom Erfolg entfernt sind.
Und zu meiner eigenen Geschichte:
Nach 2 Jahren geht s mir weitgehend wieder gut. Ich bin im Prozess, dem AM und meiner Frau zu verzeihen. Ganz ist es nicht überwunden. Ich habe auch immer wieder mal Kopfkino und immer wieder stelle ich mir die Frage, warum ich mir das antue.
Die Antwort: Ich habe keine Garantie, dass es mir nach einer Trennung besser geht.
Denn man muss auch andererseits bilanzieren, was es für Vorteile für mich hat, mit meiner Frau ein neues Kapitel aufzuschlagen.
Tiefe Gespräche, Seelenaustausch. Ich kenne sie, sie kennt mich. Aber wir entdecken immer wieder Neues. Gemeinsam. Getrennt. Vertrauen uns gegenseitig neu. Ich habe den gut S*x ever. Und wir haben ja auch eine gemeinsame Basis, sonst hätten wir ja gar nicht geheiratet.
Ich selber habe mich auch weiterentwickelt. Ich habe erkannt, was Liebe bedeutet. Wir haben neues entdeckt und können in unseren Außenbeziehungen etwas darstellen.
Und ich gebe zu, dass es mich auch stolz macht, mit Riesenschritten der Silberhochzeit entgegenzustürmen. Das können nicht soooo viele Paare von sich behaupten