x103
Mitglied
- Beiträge:
- 31
- Themen:
- 1
- Danke erhalten:
- 35
- Mitglied seit:
nachdem ich seit Wochen mitlese und so langsam wieder einigermaßen klar bin, schreibe ich mir mal meine Geschichte von der Seele.
Ich bin 42, meine Frau 43. Wir kennen uns aus der Schule. Dort war meine Frau, so sagt sie und ihre Freundinnen es seit dem ersten Tag in mich verliebt. Das war so ca. mit 14 - mit 16 waren wir dann kurz zusammen - ich war zu der Zeit aber nicht reif genug für eine Beziehung und habe die Beziehung nach kurzer Zeit beendet. Ich hatte dann später eine Beziehung zu jemand anderem - 10 Jahre lang (andere Geschichte, im Nachhinein ein Fehler, auch aus mangelnder Erfahrung). Auch meine jetzige Frau hatte ein paar Beziehungen mal mehr, mal weniger lang.
Wir haben uns in der Zeit immer mal wieder geschrieben. Nachdem ich die Beziehung zu der anderen Person beendet hatte habe ich sie nach einiger Zeit (ca. 1/2 Jahr) kontaktiert - sie hatte damals einen Freund (Amerikaner), mit dem sie kurze Zeit später in die USA wollte. Am morgen nachdem wir uns wieder gesehen haben - nach 10 Jahren zum ersten mal - hat sie ihren Freund angerufen und gesagt, dass sie nicht kommen werde. Seit dem Wochenende danach waren wir zusammen. Sie hat mir gesagt, dass sie jeden jederzeit für mich verlassen hätte.
Wir haben dann nach einem Jahr geheiratet, es war die schönste Zeit meines Lebens, sie hat das auch so gesagt. Wir hatten zu Beginn ein paar Konflikte wegen der etwas seltsamen Art unserer Beziehung (führt jetzt zu weit) in der Schule aber sonst war es so wie ich mir ein vollkommenes Leben vorstelle - 5 Jahre lang.
Wir sind jetzt 15 Jahre verheiratet und haben 3 Kinder. Das erste Kind kam nach ca. 5 Jahren. Kurz danach haben wir gebaut - was sie auch mehr belastet hat als mich. Bei mir wurde zeitgleich eine Krebserkrankung diagnostiziert mit der ich nicht gut zurecht gekommen bin. Nicht mit der Krankheit selbst, diese ist geheilt, es war aber ein psychisches Problem für mich. Ich bin immer der gesunde, sportliche Typ gewesen (sie hat mir mal gesagt, dass das ihr Bild von mir geändert hat - so richtig dahinter gekommen, was das bedeuten soll bin ich nicht). In der Zeit gab es die üblichen Probleme, wenig Schlaf, Kinder krank, viel Arbeit mit Haus und Garten. Dazu kommt, dass das erste Kind etwas schwierig ist bzw. war und sie sehr schlecht damit zurecht gekommen ist. Sie hat sich immer ein Mädchen vorgestellt, dass gerne bastelt, nett zu allen Leute ist und im Kindergarten/Schule alles mitmacht. Das war bei unserem Sohn die ersten Jahre das komplette Gegenteil. Sehr schwierig, viele Konflikte deshalb, Enttäuschungen über das Kind. Sie hat oft gesagt, dass das Leben für sie deshalb der Horror sein. Sie ist deshalb immer sehr unentspannt gewesen. Die anderen beiden Kinder sind einfacher, hier kam die Belastung dann eher mit mehr Arbeit im Haus/Garten und dem wenigen Schlaf.
Im letzten halben Jahr hat es sich allerdings eingespielt. Der große ist einfacher geworden. In der Schule läuft es. Die Kinder schlafen durch, Haus/Garten ist kein Problem mehr (Putzfrau/Mähroboter). Es ist alles deutlich entspannter. Wir haben so gut wie keine Konflikte.
Anfang des Jahres hat sie mir dann eröffnet, dass die Beziehung vorbei sei. Es liefe bei uns ja schon länger nicht mehr (sie meint sie hätte es ein paar mal deutlich gesagt, bei mir ist das nicht angekommen) - sie vermisst die Leidenschaft und das Kribbeln im Bauch wie zu Beginn der Beziehung. Außerdem hat sie einen netten Kollegen, für den sie mehr Gefühle hat als für mich - sie sei verliebt. Daran könne man ja sehen, dass die Beziehung vorbei ist. Ich sollte bitte in den Keller ziehen, es gibt keinen körperlichen Kontakt mehr. Sie schreibt seit 2 Monaten täglich WhatsApps mit dem anderen.
Zu Beginn habe ich die übliche Nummer abgezogen. Liebesschwüre, Paartherapie vorgeschlagen, versucht sie zu überzeugen, alles ohne Erfolg. Sie sagt nach wie vor, dass sie nicht mehr mit mir leben will. Ich habe uns immer zusammen alt werden sehen, bei allen Konflikten habe ich mir immer gesagt, dass das schon wieder werden wird, wenn die Kinder mal groß sind. Nicht eine Sekunde habe ich die Beziehung ernsthaft in Frage gestellt.
Jetzt ist es wohl leider vorbei. Während ich das schreibe weiß ich, dass das rational wohl so ist, emotional wünsche ich mir, dass sie durch die Türe kommt und wir uns in den Arm nehmen.
Ich habe schon ein paar mal dran gedacht mir kurzfristig eine Wohnung zu nehmen - aber ich bringe es nicht übers Herz die Kinder alleine zu lassen. Momentan haben wir uns geeinigt (wir haben weiterhin keinen Streit, außer selten über diese WhatsApp-Geschichte), dass ich im Haus bleiben werde und sie sich was sucht. Sie ist aber auch sehr zögerlich, weil sie den Kindern das nicht antun will. Sie will aber auch (wie schon gesagt) auf keinen Fall einen Versuch mit mir starten. Wir haben darüber gesprochen, was sie an mir stört, was vorgefallen ist, natürlich habe ich Fehler gemacht, ist für mich aber alles nicht so bedeutend - für sie wohl schon - sie hat aber auch kein Interesse an Aufarbeitung oder Änderung.
Ich weiß nicht, was ich tun soll. Kinder alleine lassen und derjenige sein, der auszieht will ich nicht. Warten bis sie geht fällt mir auch schwer, weil ich sie immerzu sehe. Ich weiß, dass das mehr schadet als nützt, da das immer wieder meine Hoffnung nährt, dass es doch noch irgendwie weiter gehen kann (was rational nicht der Fall ist). Sie hat sich mit dem Kollegen bisher nicht privat getroffen. Er hat scheinbar bisher (2 Monate) auch kein ernsthaftes Interesse an einer Beziehung - chatten tut er aber. Wie das weiter geht vermag ich natürlich nicht zu sagen. Meine Frau hat ihm gegenüber wohl geäußert, dass er ihn mehr als sympathisch findet.
