Vielen Dank noch mal für Eure tröstenden Worte!
Ihr werdet es nicht glauben, aber er hat sich gestern Abend noch bei mir telefonisch gemeldet!!!! Ich hatte gerade meinen letzten Beitrag abgeschickt, als das Telefon schellte. Ich bat meine Freundin den Hörer abzunehmen, da sie gestern bei mir übernachtete, damit ich nicht allein bin. Zuerst kam nur ein langer Seufzer (und sie dachte schon ein perverser Stöhner sei am Telefon) und dann nannte er seinen Vor- und Nachnamen und fragte, ob er mich sprechen könnte.
Ich versuche die Inhalte so genau wie möglich wiederzugeben:
Die erste halbe Stunde sprach fast nur er und ich dachte schon, er wolle zu mir zurückkommen....
Es sei ja etwas Zeit vergangen in der er hätte nachdenken können und etwas Abstand gewinnen können. Ihm ginge es noch sehr schlecht. Er hätte einen Krankenschein, ginge nicht raus und denkt nur viel nach. Am meisten bereite ihm Probleme, daß er sich für sein Leben eigentlich nichts positives wünschen dürfte, weil er nicht für sich alles Glück wünschen kann und gleichzeitig einem anderen Leben (unserem Baby) soviel Unglück bringen kann und ein anderes Leben derart ablehnen kann. Das sei nicht richtig und moralisch und ethisch nicht vertretbar! Damit käme er nicht klar - und egal ob er niemandem davon erzählt und so tut, als gäbe es dieses Baby nicht, so gibt es dieses Kind doch. Da kann er sich nichts vormachen. Vielleicht empfinde er auch nur jetzt die Situation als absolute Katastrophe und in Zukunft stellt sich heraus, daß es das Beste war, daß passieren konnte (bin mir nicht schlüssig, was er genau mit "die Situation" gemeint hat: das Baby? mich zu verlassen?...)
Seiner Mutter ginge es auch so schlecht. Sie hätte die ganze Situation nicht verkraftet und wäre mit einem Nervenzusammenbruch ins Krankenhaus gekommen. Sein Vater hat ihm nun gesagt, er solle seine Mutter nicht mehr so sehr mit dieser Situation belasten.
(Welche Mutter bekommt einen Nervenzusammenbruch, weil sie Oma wird??? ) Er könnte nun mit niemandem reden. Er will auch niemandem davon erzählen. Es ginge keinen Menschen etwas an!
Er hätte mir deutlicher machen müssen, wie ernst es ihm damit war, keine Kinder haben zu wollen. Er hätte sich da nie eindeutig ausgedrückt und das wäre sein Fehler gewesen. Hätte er es mir deutlich gesagt, hätte ich sicherlich genauer darauf geachtet, daß ich die Pille regelmäßig nehme. Er wolle mir damit nicht unterstellen, daß ich die Schwangerschaft absichtlich provoziert hätte, aber schließlich habe ich schon öfter das Thema Kinder angeschnitten und den Kinderwunsch geäußert und daher sei ein gewisser schlampiger Umgang mit der Pille anzunehmen. Bisher hatte er immer angenommen, daß die Pille 100% Sicherheit gibt und man unbesorgt ohne weitere Vorkehr miteinander schlafen kann. Zudem hätten wir die letzte Zeit nicht so häufig miteinander geschlafen. Wie hätte es sonst passieren können....
Während er seine Punkte so ausführte, durfte ich ihn nicht unterbrechen: "Laß mich jetzt erst mal reden!"
Aber schließlich warf ich ihm doch entgegen, daß er mir noch einen Tag vor der Trennung vorschlug, die Pille abzusetzen. Er schmetterte jede weitere Diskussion mit dem einen Satz ab: "Aber dann hätten wir anders verhütet!"
Er wollte auch genau wissen, wie es mir geht. Ich habe ihm alles erzählt. Ihr wißt ja, wie es mir geht, daher mache ich an dieser Stelle keine weiteren Ausführungen.
Er wollte wieder mit dem Thema "Unterhaltszahlungen" anfangen, doch ich schnitt ihm das Wort ab und fragte ihn nach seinen Gefühlen für mich.
Seine Gefühle hätten sich geändert. Die Situation ist nicht mehr die Gleiche. Wie ich mir denn die gemeinsame Zukunft vorstellen würde. Das er vorbei käme und die Windeln wechselt. Nee, das könnte er nicht. Zudem wäre doch jetzt auch schon ein Knacks in unserer Beziehung, der gar nicht mehr zu kitten wäre.
Ich sagte, daß sich doch erst mal gar nichts zu ändern bräuchte. Ich würde ihm sein Verhalten auch verzeihen. Er bliebe in seiner Wohnung, ich in meiner und wir würden uns wieder regelmäßig treffen und könnten dann sehen, wie er mit mir und Kind klarkäme, so daß er langsam in die Situation hineinwachsen könnte.
Dann wurde er plötzlich etwas aggressiver und patzte mich an: " Ja,ja, Deine Eltern haben Dir bestimmt gesagt, melde Dich mal ein paar Tage nicht und dann kommt er schon wieder zu Dir zurück. Aber mit mir nicht! Ich lasse mich zu nichts zwingen!!"
Ich sagte, daß meine Eltern im Gegenteil gesagt hätten, daß ich mich auf mich konzentrieren sollte und mich darauf einstellen sollte ohne ihn das Kind groß zu ziehen und daß er diese Entscheidung ganz allein für sich treffen müßte ohne Beeinflussung. Aber sie wären immer für mich da und würden mir so gut es geht helfen.
"Zudem" sagte ich "interessiert es mich nicht, was Deine oder meine Eltern sagen. Es geht hier um uns! Nicht um unsere Eltern!"
Er faselte nur weiter, er ließe sich nicht zwingen. Und er würde ein ganz schlechter Vater sein. Ich sagte, der sei er jetzt schon!
Er rede zwar immer von Moral und Ethik. Aber Moral und Ethik lassen sich nicht interpretieren und verformen. Sein Verhalten wäre objektiv moralisch und ethisch nicht vertretbar, egal wie sehr er sich sein Verhalten auch schön reden würde....
Dann wollte ich es noch mal wissen und sprach noch mal von unserer Beziehung und dem Jahr, was wir miteinander verbracht haben. Ich habe von unserer Liebe gesprochen und daß ich gedacht hätte, daß ich zum ersten mal einen Menschen getroffen hätte, von dem ich dachte, daß er mich wirklich liebt -mich den Menschen - nicht mein Äußeres oder andere banale Merkmale. Ich hatte gedacht, einen Menschen gefunden zu haben, auf den ich mich verlassen könnte. Und genau diese Liebe hätte ich ihm entgegengebracht. Hätte er morgen einen Autounfall gehabt und wäre er entstellt oder behindert gewesen, hätte ich ihn immer noch genauso geliebt, weil ich nicht die Hülle/ Fassade, sondern den Menschen geliebt hätte. Jeden Tag habe ich zum lieben Gott gesagt, was ich für ein Glück gehabt hätte, einen solch lieben, ehrlichen Menschen kennengelernt zu haben. Wo ist diese Liebe geblieben - unsere Versprechen? Ich hatte immer gedacht, daß wir beide etwas ganz besonderes gefunden hätten - den Partner fürs Leben, mit dem man durch dick und dünn geht - für das ganze Leben. Das wäre für mich das Schwierigste - einfach zu begreifen, daß er nicht der Mensch sei, für den ich ihn gehalten hätte. Ich habe immer zu ihm gehalten (Da stimmte er zu). Und ich hätte ihn auch nie fallen gelassen. Und er ließ mich bei der ersten Gelegenheit fallen.
Er begann zu schluchzen.
Er solle doch mal das Kind beiseite lassen. Auch ein Kind ist irgendwann mal aus dem Haus und eine Partnerschaft besteht dann weiter. Was ist mit unserer Liebe, fragt ich ihn?
Hast Du mich jemals geliebt?
Er schluchzte weiter, antwortete nicht und sagte, er könne nicht mehr. Wir könnten ja vielleicht morgen noch mal reden und hängte ein.
Das ganze Telefonat dauerte über eine Stunde und ich habe grob alle Punkte in Kurzfassung zusammengefasst. (hoffe nichts vergessen zu haben!) Er hat nicht mit einem Wort seine Sachen erwähnt! Die sind weiterhin bei mir in der Wohnung!
Einerseits fiel mir ein dicker Stein vom Herzen: ihm geht es gut. Andererseits kam so wenig Gefühl für mich rüber. Es hatte sich nichts geändert. Seine Einstellung war dieselbe geblieben. Und zum ersten Mal hatte ich den Gedanken, daß die Trennung vielleicht besser für mich ist. Wenn er immer innerlich so zerissen bleibt, wird er nie ganz ja sagen und sein Gefühlswirrwarr auf meinem und dem Rücken des Kindes austragen. Trotzdem gebe ich noch nicht ganz auf, daß er doch noch umdenkt. Sein Anruf hat gezeigt, daß er sich immer noch aktiv mit der Thematik auseinandersetzt und auch noch nicht eine endgültige Entscheidung getroffen hat, oder? Sollte er sich aber nicht mit ganzer Überzeugung für mich und das Kind entscheiden, dann werde ich zu meinem und zum Wohl des Kindes von mir aus den Schlußstrich ziehen müssen. Ich bete nur zu Gott, daß ich dann auch wirklich die Kraft dazu habe, denn ich liebe ihn immer noch! Täte ich es nicht, dann hätte ich ihn wohl auch nie wirklich geliebt.
Vielen Dank für Eure Hilfe bisher. Wenn Ihr vielleicht irgendeine Idee habt, welche Motivation Eurer Meinung nach hinter seinem Anruf stand oder Ihr sonstige Anregungen habt, bitte schreibt mir!
PS an Hexe3000: Werde versuchen die nächsten Tage mal im Chat reinzuschauen. Heute (19.) werde ich es wohl nicht mehr schaffen. Danke auch Dir für Deine Nachricht!