Hallo remember,
Zitat:vielleicht stehst du auch einfach nur unsagbar erschöpft an dem jetzigen Punkt in deinem Leben?
Da liegst du richtig. Ich fühle mich nach Jahren, wo ich privat wie beruflich fast ununterbrochen nur gefordert wurde, jetzt so ausgelaugt, dass meine Leistungsfähigkeit enorm abgenommen hat und mitten rein platzte sein Kondolenzschreiben, was mich an ihn erinnerte, und zwar an die Momente, wo ich durch ihn Unterstützung erhalten hatte, als unsere Beziehung noch bestand. Dass ich oft allein meinen Weg gehen musste, auch innerhalb unserer Beziehung, das hatte ich wohl verdrängt.
Das hast du aber weiter unten in deinen Zeilen sehr analytisch formuliert.
Du hast es in deinem umfangreichen Text gut beschrieben, was ich verkehrt abgespeichert habe, bzw. voran es derzeit mangelt.
Ich war mir dessen nicht so bewusst. Ich werde mich mit meiner verklärten Vergangenheit ebenso auseinandersetzen müssen wie ich mich auch dem stellen muss, was nun eine Neubewertung meiner Zukunft bzw. der Erwartung an meine Zukunft betrifft.
Zitat:Und nun schafft es ein Kondolenzschreiben, etwas in dir zu heftig zu bewegen. Bringt vielleicht etwas zum Einstürzen. Diese Mauer, die deine Träume, deine Sehnsüchte, deine bestimmten Gefühle abgeschottet hatten in dir, weil es ja irgendwie weitergehen musste.
Und du erinnerst dich...wie gerne du die Nähe eines Mannes hattest. Erinnerst dich an deine Gefühle dabei. Und spürst auf einmal wieder, wie sehr dir das eigentlich fehlt.
Diese Formulierung trifft schon sehr genau den heutigen Zustand, der mir wegen meiner völligen Erschöpfung vermutlich überhaupt die Risse in der Mauer ermöglicht hat. Denn bis vor wenigen Monaten war ich mit meiner Vergangenheit ganz gut klar gekommen.
Jedenfalls hatte ich die Zweifel, die mir nach meiner Trennung im Kopf rum gingen, scheinbar ausgeräumt gehabt. So glaubte ich es jedenfalls bis vor wenigen Wochen.
Zitat:ER ist in deinen Erinnerungen an solche schönen Momente, als du sie das letzte Mal erlebt hattest. Weil es keinen anderen danach gab, hast du ja geschrieben. Also kann auch nur er da sein.
Ich glaube, dass dich das jetzt mit einer Wucht überrollt, weil du zu lange ohne das gelebt hast, was auch sehr wichtig ist für einen Menschen.
Da steckt wohl das eigentliche Problem.
Weil ich damals so abgestürzt war, wie ich es nie für möglich gehalten hätte, habe ich zum Schutz vor Wiederholung einfach keinen Mann mehr an mich ran gelassen. Alle Versuche wurden im Keim erstickt, weil ich es nicht besser gewusst habe.
Zitat:Ich glaube auch, dass es in Wirklichkeit nicht ER ist, den du jetzt so unglaublich vermisst. Du möchtest einfach wieder fühlen und gefühlt werden. Ganz. Hast so unglaublich lange darauf verzichtet. ER hat dich nur daran erinnert. ER, der dich damals oft im Stich ließ - während eurer Beziehung. Ein Mann, der es als Strafe erschienen ließ, dass du Kinder hattest...
Mir scheint, die Liste der Minuspunkte, die mir helfen soll, Klarheit zu gewinnen, dass diese Beziehung nicht funktioniert hat, füllt sich langsam.
Wenn es mir jetzt nicht gelingt, den Vorgang zu den Akten zu legen, dann bin ich ein aussichtsloser Fall.
Zitat:Es tut mir leid, dass es dir jetzt so schlecht geht. Vielleicht hast du zu lange etwas unterdrückt in dir - eine Seite, die auch gelebt werden wollte. Und die sich jetzt ihren Weg bahnt...
Das scheint in der Tat so zu sein. Ich werde mich damit auseinandner setzen, um für die Zukuft etwas zu verändern.
Zitat:Es kann in eine schlimme Depression enden, Minnie Mouse. Dann musst du dir professionelle Hilfe holen. Nicht alles kann und muss man alleine schaffen. Dein Leben war bisher schwer genug, und du hast es sozusagen alleine bewältigt. Irgendwann bricht man dann vielleicht zusammen...
Davor habe ich Angst, die wenige Zeit, die mir bleibt, noch dafür opfern zu müssen, um mit professioneller Hilfe an meiner Vergangenheit zu arbeiten.
Ich habe schon soviel Kraft und Energie vor Jahren in die Bewältigung dieser Beziehung gesteckt gehabt, hatte gedacht, ich hätte es verarbeitet gehabt und will das jetzt nicht noch mal aufrollen bei Personen, die damit ihr Geld verdienen. Nicht weil ich denen misstraue, sondern, weil mir meine Zeit dafür zu knapp zu bemessen scheint, denn irgendwann ist der Tag voll mit Terminen. Es mangelt ja eh schon an Zeit in meinem Leben.
Mir ist klar, das Depressionen in ärztl. Hand gehören.
Ich will abwarten, bis mein zweiter, längerer Urlaub in diesem Jahr in wenigen Wochen ansteht. Solange werde ich mich noch mit der Verarbeitung und Neubewertung meines Problems auseinander setzten. Sollte ich am Ende meines Urlaubs zu dem Ergebnis kommen, ich hab`s nicht geschafft, dann muss ich wohl einen Profi ins Spiel bringen.
Solange will ich nichts überstürzen.
Die Umsetzung dessen, was ich hier gelesen und auch begriffen habe, wird ja nun auch noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Aber ich bin sehr zuversichtlich, weitere Dummheiten (wie schon gemacht und noch geplant) nun nicht mehr umzusetzen.
Die Hoffnung stirbt zuletzt .
Hallo remember, ganz lieben Dank für deine umfgangreiche Analyse. Sie hat mir die Augen geöffnet, ohne mich zu verletzen, denn "am Boden zu liegen" und einen verbalen "nassen Schwamm" ins Gesicht zu bekommen, das hätte es nicht besser gemacht.
mfG
Minnie Mouse