@blanca:
Danke für diesen tollen Beitrag, in dem sehr viel Wahres steckt - auch wenn die Wahrheit meistens weh tut.
Zitat:Es liegt mir fern, Dir das vorzuwerfen. Mein Feedback entspringt einer sorgenden Haltung und nicht etwa der Absicht, Dich hier öffentlich zu geißeln - das steht niemand zu.
Sei versichert, dass ich das, was Du geschrieben hast, auch in diesem Sinn verstanden habe.
Zitat:Es ist natürlich leichter gesagt, als getan, aber bitte nimm ihr "nein" als ein solches hin und akzeptiere es.
Das tue ich - und zwar bereits seit dem Abend, an dem sie es mir sagte.
Zitat:. Das war direkt, höflich und respektvoll - aber es beendet auch die Vorstellung, sie erwidere Deine Gefühle.
Die Art und Weise, wie sie es getan hat, rechne ich ihr auch hoch an. Das hat es sehr erleichtert, die Botschaft, so wie so nun mal ist, anzunehmen und zu akzeptieren. Das war übrigens der Haupttenor des besagten Briefs, den ich ihr am letzten Samstag noch geschrieben habe.
Zitat:Meide sie und beschränk den Kontakt aufs Berufliche. Jeder weitere Anbaggerversuch Deinerseits wäre eine Belästigung; bitte lass das sein.
Es hat nichts dieser Art gegeben und wird es auch nicht geben. Wenn ich auch ein emotionaler Krüppel bin, habe ich zumindest noch so viel Anstand im Leib, das zu respektieren.
Seit letztem Sonntag ist Funkstille. Dank meines momentanen Urlaubs wird das definitiv auch die nächste Woche noch so bleiben. Ab übernächster Woche wird es nicht vermeiden lassen, sich gelegentlich nicht vermeiden lassen, dass man sich über den Weg läuft.
Zitat:Es ist sogar möglich, daß es gar nicht die Ehe ist, in der Dir etwas fehlt, sondern daß in Deinem eigenen Inneren eine Schieflage ist, die bearbeitet gehört. Vermutlich mußt Du Dich weniger um Deine Frau kümmern, als um Dich selbst.
Dem Letzteren stimme ich 100% zu.
Ich erkenne immer deutlicher ein schon seit der Jugendzeit bestehendes dysfunktionales Interaktionsmuster, das unflexibel und wenig angepasst ist. Dieses Muster hat sehr viel mit der Wahrnehmung von und dem Umgang mit negativen Emotionen zu tun. Dem liegen in der Tat generelle emotionale Defizite zugrunde.
Oder eben in Deinen Worten ausgedrückt:
Zitat:Man kann es aber auch so sehen: Du verstehst Deine eigene Gefühlswelt nicht, kannst sie nicht einordnen, geschweige denn angemessen damit umgehen.
Zitat:Jemand schrieb es neulich bereits: Du wirkst merkwürdig kontrolliert. Auch bei mir kommst Du sehr kopflastig rüber.
Ich verstehe die Wahrnehmung, weil ich sie nicht zum ersten Mal rückgemeldet bekomme.
Der geschärfte Intellekt und die Kühle rein rationaler Kompetenz sind die Mauern (je nach Schule nenne es Kompensation oder Abwehr), hinter denen sich ein Kind versteckt, das sich selbst nicht mehr leiden kann und im Grunde nur angemommen, geliebt und respektiert werden möchte.
Zitat:Du verstehst es, zu reflektieren; das ist ein sehr sympathischer Zug.
Danke

Zitat:Hast Du darüber auch nur eine Sekunde lang nachgedacht, die letzten - gefühlten - 2 Jahre?
"Präzisionsfehlerwahrscheinlichkeit Null Prozent, Treffer mit hochwirksamer Detonation - schönen Tag noch!"
(Tom Clancy - Clear and present danger / Das Kartell)
Zitat:Nein, hast Du nicht - frag Dich bitte mal, warum - denn Du hast inmerhin mit Deiner Ehe gespielt!
Deutlicher kann frau es kaum noch formulieren ...
Zitat:Ich glaube nicht, daß Du diese Kollegin liebst. Du projezierst etwas in sie hinein, was Dir fehlt - bitte finde heraus, was das ist (falls Du selbst nicht drauf kommst, such Dir professionelle Hilfe dabei, das ist keine Schande) und dann überdenk nochmal, um was es wirklich ging dabei.
Es ging im Grund dabei nur um mich alleine. Menschen wie Michael Nast, dessen vorletztes Buch ich in der letzten Woche gelesen habe, nennen das wohl "narzisstische Liebe": Wir sind auf die Gefühle anderer angewiesen, um uns selbst zu bestätigen. Geht es dabei nicht erstmal um das, was Erich Fromm Selbstliebe nennt und als Voraussetzung dafür ansieht, jemand anderen überhaupt lieben zu können?
Zitat:Du schreibst auch, daß Du keine Trennungsabsichten hattest bisher. Ergo hast Du nicht nur Deine Ehe riskiert, sondern auch ihr gegenüber keine ernsthaften Absichten gehegt. Es ging also nicht um die Frauen - es ging um Dich dabei, die ganzen zwei Jahre lang.
Strike! - Und da sind wir wieder bei meinem wunden Punkt. Meiner absolut tiefempfundenen Unzufriedenheit mit mir selbst - angefangen bei Äußerlichkeiten bis zu der Überzeugung, dass alle anderen mir immer irgendwie überlegen sind. Ich bin der unumstrittene Weltmeister der Selbstabwertung und mein härtester Kritik. Selten ist was wirklich gut. Darum muss ich auch stets auf andere neidisch sein, die anscheinend diese Dinge besser können und mehr Glück im Leben haben - ich muss sie dafür leidenschaftlich hassen und abgrundtief verachten!
Es macht mir Angst - es macht mich vor allem mich wütend und aggressiv. Aber wohin mit all dem?
Ich habe mein ganzes Leben auf eine einzige Karte gesetzt,
die keine Chance hatte herauszukommen.
Aber es wäre schön, wenn sie doch ausgespielt werden würde.
Inzwischen muss man warten und dabei andere leiden machen.
(Ferdinand Charles Ramuz)
Holy *beep* - ich kann nicht glauben, was ich da jetzt gerade selbst geschrieben habe ...
Zurück zum Thema: Ist das im Zwischenmenschlichen nicht wie an vielen anderen Stellen in der Gesellschaft auch? Permanent unzufrieden mit uns selbst sein zu müssen, damit das System der Bedarfserweckungsgesellschaft funktioniert? Das Gefühl, sich selbst nicht glücklich machen zu können bzw. dass andere Dinge oder Menschen oder die eigenen Gefühle verantwortlich sind? Gehts nicht im Kern um die Sehnsucht nach einem wohlwollenden Spiegel, in dem man ein Bild sieht, das seinem schmeichelt? Ich will nicht meine Fehler sehen, sondern Bestätigung. Ich projiziere ein Bild auf einen anderen Menschen und verliebe mich in eine Illusion, die perfekt zu mir passt, aber mit dem Menschen selbst nichts mehr zu tun hat. Ist diese Art der Verliebtheit in letzter Instanz nur der verzweifelte Versuch, sich selbst zu lieben? ... Womit wir wieder beim Anfang wären.
Zitat:Hätte die Frau Dir gesagt, daß sie Deine Gefühle erwidert und sich darauf eingelassen - was wäre dann geschehen, hm? Du schreibst, schon ihre Umarmung habe Dich hin und weg sein lassen - da braucht es nicht viel Fanatasie, sich das vorzustellen.
Objection! - Aus der Erfahrung der Vergangenheit heraus wage ich eher zu prognostizieren, dass in diesem Annäherungs-Vermeidungs-Konflikt letztendlich die Avoidance die Oberhand gewonnen hätte.
Das soll keine Entschuldigung sein - aber ich kenne mich. Zwischen dem Gedanken und dem tatsächlichen Verhalten liegt oftmals noch sehr viel. Bei jemand, der emotional stabiler ist, würde das wahrscheinlich so ablaufen, wie Du es prognostiziert hast. Allerdings ist mein Wert auf der Neurotizismusdimension knapp unter der Decke. Stress ist nun mal leider der natürliche Feind des Parasymphatikus, der den in dieser Situation dann erforderlichen Reflex kontrolliert
Zitat:Deine Frau würde ich nicht mit Details belasten, aber es wäre hilfreich, wenn Du ihr sagst, daß sich etwas in Dir spürbar bemerkbar macht und bearbeitet gehört und daß Du Dich dem in nächster Zeit verstärkt widmen wirst. Soviel Wahrheit muß sein.
Ja - und das ist in der Tat der Plan.
Zitat:falls Du selbst nicht drauf kommst, such Dir professionelle Hilfe dabei, das ist keine Schande
Kennst Du eine/n Therapeuten/in, der/die bereit ist, sich im F6x.xx-Bereich zu engagieren?
Gemeinhin stehen Patienten/innen mit diesen Diagnosen im Ruf, sehr umbequem und auf die Dauer super anstregend zu sein ... Bei vielen kommst Du mit der entsprechenden Verdachtsdiagnose gar nicht erst auf die Warteliste oder wirst spätestens nach der Probatorik aussortiert.
@sarina80:
Zitat:Blanca, deinem Beitrag ist nichts hinzuzufügen. Ich hoffe sehr, dass der TE diesen aufmerksam liest.
Das hat er bereits getan und es hat ihm am frühen Morgen schon Kopfschmerzen beschert ...
@jeannebalou:
Zitat:Ich dachte immer ich bin die einzige die sich wegen dem Job kloppt.
Bist Du ganz bestimmt nicht

Da steckt ein wahnsinniges Potential drin. Wenn Du Zeit und Lust hast, lies mal, was Micheal Nast über die heutige Wertigkeit von Beruf / Berufung schreibt und welche weitreichenden Folgen daraus für das partnerschaftliche Miteinander erwachsen.
Zitat:Hier meldet man sich doch nicht an weil man scharf auf Vorwürfe ist.
Tja, dachte ich auch ...
Aber wie es schon gesagt wurde: Nenne die beiden Wörter "verheiratet" und "verliebt" in einem Satz, dann kannst Du Dir anscheinend gleich mal ein Schild mit "Jehova, Jehova" um den Hals hängen *ggg*
Mittlerweile kann ich mich ein Stück weit mehr in die entsprechenden Damen mit ihrem diesbezüglichen Erfahrungshintergrund einfühlen - was es ein Stück nachvollziehbarer, aber nicht unbedingt besser macht, erstmal die fette Moralkeule zu schwingen.