@Layla22 ich glaube dir ist noch nicht wirklich klar, in welcher Situation die ganze Familie geraten ist. Es ist, als wird jemand aus dem Leben gerissen, schon lebendig begraben. In eurem Alter hat man eher selten schon die Begegnung mit dem Tot.
Ich hatte damals das Gefühl, lebendig begraben zu sein, weil es lange dauert es zu akzeptieren und man es nicht wahr haben will.
Sie suchen jetzt alle möglichen Therapien und versuchen jeden Zipfel zu packen, der ihm hilft. Sie überlegen, wie man dem Vater helfen kann.
Bei dem Erkrankten kommen ähnliche Gedanken, aber auch andere. Auch, was man als Erkrankter noch leben möchte und wie viel Zeit man noch zum LEBEN nicht zum vegetieren hat.
Das ist faktisch schon der Verlust präsent ohne, dass man weiß in welche Richtung es sich entwickelt. Selbst wenn es jetzt gut ausgeht, was bringen die nächsten Jahre? Ein Rezidiv oder zwei. Wie viele OP's , wie viele Bestrahlungen, wie viel Chemos? Mir war es damals, als wenn Kopf und Körper zwei Dinge wurden. Ich fühlte mich wie ein Lamm das durch die Gegend gezottelt wurde. Keiner konnte je erahnen, was in mir selbst vorging und reden da noch viel schwerer. Ich denke, da meine Kinder noch nicht einmal 20 Jahre alt waren, dass es für sie ein tiefgreifender Schock war. Sie versuchten da zu sein, nach ihrem besten Wissen und Gewissen. Sie wahren so überfürsorglich.
Und der Einzige der da etwas im Umgang damit klären kann, sind seine Eltern gemeinsam. Es dauert bei manchen gut ein Jahr, bis sie die ersten Behandlungen überstanden haben und langsam kleine Schritte ins Leben wagen. Manche erleben das gar nicht erst.
Dein Freund fühlt sich jetzt leer. Seine Gedanken werden überall bei seiner Familie sein und wirklich gerade nicht bei dir. Schreibe nicht groß etwas. Ich denke, dass du ihm schreibst, wenn du am Freitag zu hause angekommen bist und gut ausgeschlafen, dass du nun wieder da bist. Du kannst ihm schreiben, dass du ihn gerne sehen würdest und ob er dir dahin gehend eine Antwort geben kann.
Und dann hilft nur beten und viel Geduld. Bleibe der Weil bei uns.
