Es gibt Menschen, die haben in der Regel schöne Beziehungen und diese Menschen können es für gewöhnlich auch zeitnah korrigieren, wenn sie zwischendurch mal eine Niete ziehen.
Es gibt aber auch Menschen, die greifen regelmäßig bei der Partnerwahl ins Klo und verharren zu lange Zeit in wenig erfüllenden oder sogar für sie schädlichen Beziehungen. Diese Menschen sind häufig "vorbeschädigt" durch ihre Prägungen in der Herkunftsfamilie oder durch andere entwicklungshemmende und -schädigende Vorgeschichten. Viele Menschen, die ungünstige Partnerwahl treffen oder in schlechten Beziehungen verharren, zeigen z. B. dependente Verhaltensweisen oder andere Verhaltensweisen, die auf stark geminderten Selbstwert schließen lassen (wie Dramaschieben, übergroße Eifersucht usw). Sie geraten immer wieder an ungeeignete Partner.
Wenn diese Menschen sich nicht selbst reflektieren, sondern ihre schlechten Beziehungserfahrungen ausschließlich ihren Expartnern zuschreiben, bleiben sie unreife Persönlichkeiten, die "immer Pech mit Männern/Frauen" haben oder, schlimmer noch, zu der Überzeugung gelangen, "alle Männer/Frauen sind sche*ße".
Unter anderem im Hinblick auf Kriterien zur Partnerwahl, Setzen eigener Grenzen und weiteren Erkennens, Durchschauens und im besten Fall Überwinden eigener problematischer Muster gibt es kaum etwas Hilfreicheres, als sich intensiv z. B. mit Forumshilfe oder Sachlektüre mit sich selbst auseinander zu setzen.
Mein Eindruck ist, dass es merretich bis hierhin gut tut ihr Thema in der Tiefe zu beleuchten. Sie zieht Schlüsse daraus und findet zu Entscheidungen. Ich habe nicht den Eindruck dass sie sinnlos ruminiert.
Zitat von merretich: Darf ich fragen, was Du konkret in meinem Fall gemacht hättest?
Bis auf es klar ansprechen und mich zurückziehen,
oder weniger machen, wie ich es teilweise versucht habe?
Das ist pauschal schlecht zu sagen, konkrete Beispiele wären hilfreich wie bei der Autofahrsituation, da hatte ich ja einige Ideen geäußert wie man noch hätte reagieren können. Aber es geht sicher in die Richtung, dass ich z. B. nach ein, zwei Erfahrungen, dass nichts zurück kommt, schon sehr viel früher als du meine Unterstützung/mein Entgegenkommen eingestellt hätte. Ich hätte mich bei gemeinsamen Treffen auch nicht stundenlang um ein Kind gekümmert, wenn überhaupt, dann wären für mich gemeinsame Aktivitäten wie z. B. ein Ausflug infrage gekommen. Generell familienähnliche Tätigkeiten hätte ich in so einer frühen Beziehungsphase gar nicht übernommen. Ich hätte auch Treffen frühzeitig (freundlich) abgebrochen, wenn klar ist, dass es anders als vereinbart keine Paarzeit gibt, oder Treffen gar nicht erst zugestimmt wenn es bei bisherigen Treffen nicht genug Paarzeit gab. Dies alles aber, liebe merretich, aufgrund von mir gemachter Erfahrungen - ich musste sowas auch alles erst lernen und war früher viel duldsamer, als ich es heute bin. Heute geht es mir damit aber auch viel besser und meine aktuelle Beziehung, in der ich von Anfang an sehr auf solche Dinge Wert gelegt habe, ist eine der schönsten die ich bis jetzt haben durfte.
Das Ding ist, dass mit geringem Selbstwert eben auch oft so eine Haltung einhergeht, dass man sich denkt, lieber so eine halbtolle Beziehung als gar keine. Und dann mangels vergleichbarer Erfahrungen gar nicht merkt, dass die Beziehung objektiv gesehen nicht mal halbtoll ist. Da kann so eine Forums-Schwarmmeinung manchmal ein ganz gutes Korrektiv darstellen, wenn man es für sich selbst schafft, die Rückmeldungen und Wahrnehmung der Teilnehmenden zu sortieren - da ist ja immer auch ein gerüttelt Maß an Projektion enthalten und Reaktion folgt nur auf den Input, den man selbst zulässt. Hast du ja selbst gemerkt, Stichwort Geschlechtertausch.
Ich denke, es geht zusammengefasst darum für sich selbst klar zu haben: was erwarte ich von einer Beziehung, welchen Mehrwert soll die für mich haben - und vor allem in der Anfangszeit, wenn noch alle Weichen gestellt sind und man den Menschen erst kennenlernt, immer wieder genau zu prüfen: passt das so
für mich? Werden
meine Bedürfnisse und Ansprüche ausreichend erfüllt? Passen seine Worte zu dem was er tut, oder lulle ich mich mit seinen schönen Worten eher ein?
Geiz z. B. gehört zu den Dingen die ich an einem Mann eher abstoßend finde. Wenn ich merke dass mein Beziehungskandidat jeden Kaffee separat abrechnet, während er keine Skrupel hat mich den Großeinkauf komplett finanzieren zu lassen, ist so etwas für mich ein KO-Kriterium und Anlass, ein Kennenlernen abzubrechen.