Ortrere
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Zitat von iloveparis:Und Tatsache ist, ich merke es nicht, wenn mir etwas nicht guttut, bzw. rationalisiere das in Millisekundenschnelle und das Urpsrungsgefühl ist weg
Das habe ich in Bezug auf den AM auch perfektioniert. Was bis dahin keine Rolle in meinem Leben gespielt hat. Nicht gerade rühmlich für mich, aber ein früher Ex hat mal gesagt, dass ich einen eingebauten Computer hätte, der bei jeder Begegnung checkt, ob sie mir gut tut oder nicht. Viele Jahre lang hatte ich ein gesundes Feeling für die Menschen, die ich nah an mich herangelassen habe. Bis dieser Mann kam.
Zitat von iloveparis:Mir fehlen bei Dir die eigentlichen und ursprünglichen Gefühle.
Das verstehe ich nicht, was meinst Du?
Zitat von iloveparis:Wäre diese Ursprungswunde nicht vorhanden, würden wir uns durch unsere natürlichen Aggressionen sofort aus einer ungesunden Situation lösen. Auch mit der Option, sich eine Weile nicht gut zu fühlen. Davor hätten wir dann überhaupt keine Angst mehr und dieser Mensch hätte nicht den enormen Stellenwert, den wir ihm geben.
Dazu hat @Ema hier schon mal sehr kluge und tiefgründige Betrachtungen angestellt. Sie hat für sich diese Ursprungswunde weit zurück in ihrer Kindheit gefunden. Für mich glaube ich durch die Gespräche mit meiner Therapeutin, dass meine Wunde erst durch das unfassbare Erlebnis mit meinem Exmann entstanden ist. Der Mensch, zu dem ich 18 Jahre lang tiefstes Vertrauen hatte, hat meine Grundfesten erschüttert. Im Prinzip ist das auch heute noch nicht geheilt, auch, wenn ich emotional zu ihm keine andere Bindung mehr habe als die Elternschaft. Ganz sicher war die Wunde aber noch tief und offen, als ich den AM kennenlernte. Und der hat nach anfänglichem allzu verständnisvollem Pusten eine ganze Wagenladung Salz hineingekippt. Mir war aber lange gar nicht bewusst, wie tief ich durch meinen Exmann verletzt war. Ich bin ihm gegenüber viel zu weichgespült und harmoniebedürftig in ein Buddy-Verhältnis übergegangen.
Zitat von iloveparis:Weshalb ist es wichtig, dass ein Mann zärtlich, liebevoll, aufmerksam ist, wenn er andererseits lügt, betrügt und unzuverlässig ist?
Zitat von iloveparis:Für mich gibt es nur eine einzige Anwort. dem liegt eine enorme Verlustangst zugrunde.
Kann sein. Meine Theorie hat aber auch etwas mit der Harmoniesucht, dem Heile-Welt-Gedanken zu tun, mit dem, was ich dadurch in ihn und unsere gemeinsame Zukunft hineininterpretiert hatte. Ich wollte unbedingt mit ihm das Leben, was er mir bis vor einem halben Jahr versprach. Und habe verbissen die Augen verschlossen vor dem Offensichtlichen, was jeder andere aus meinem Umfeld fast von Anfang an sah. Dass ich belogen werde, dass alles mögliche nicht stimmen kann, dass ich benutzt werde.
Zitat von iloveparis:Und eine zweite Sache: ich glaube, das wir das ernten, was wir sähen.
Hm. Bis zum Kennenlernen des AM war ich ein weißes Unschuldslamm. Echt. Ich habe meinen Exmann nie betrogen, ich habe auch vor ihm immer monogam längere Beziehungen geführt. Die Harmoniesucht zieht sich allerdings durch. Immer habe ich mich schwer getan, eine Beziehung zu beenden, auch wenn sie tot war (toxisch war vorher nie eine).
Zitat von iloveparis:Ich glaube, wenn wir etwas wollen, müssen wir alles lassen, was nicht zu dem führt.
Diesen Satz speichere ich mir. Genial!
Zitat von iloveparis:Insofern finde ich Deinen letzten Satz "ABER MIR GEHT ES JETZT UM MICH" fragwürdig. Meines Erachtens ging es Dir 4 Jahre lang um Dich, denn die andere Frau war Dir zumindest 3 Jahre lang nicht wichtig genug,
Ja, es ging mir um mich und meinen eigenen Traum vom Glück, da hast Du recht. Wie so viele hier habe ich ja ab Auffliegen auch ständig gehört, dass die Erstbeziehung tot und nicht mehr zu retten ist, dass man nebeneinander herlebe, schon am Aufteilen sein...usw. Ich gestehe, nie das Gefühl gehabt zu haben, einer anderen Frau den "Partner" zu nehmen, eher schon mal, Ihr das "Gewohnte, Bequeme" zu nehmen.
Dennoch ging es mir ja offenbar nicht um mein Wohl. Ich habe mich kleingemacht, habe heimlich geweint, meine Bedürfnisse nach Nähe oder Zeit generell seinen untergeordnet, war immer verfügbar. Ich habe mehr als ein Mal Freundinnen abgesagt, weil er Zeit hatte. Mein Kind vernachlässigt. Allein Urlaub gemacht. Allein abends gewartet. Usw. Jetzt habe ich Stück für Stück meine Zeit und meine Pläne wieder in die Hand genommen, und ich werde sehr genau abwägen, zu welchen Kompromissen ich künftig bereit bin, die meine Pläne kreuzen. Meine Familie, meine Freundinnen, meine Arbeit, meine Hobbys und seit neuestem: mein künftiges Zuhause. Das sind die Prioritäten, denn das alles ist und bleibt die Basis meines Glücks. Dazu passt:
Zitat von quergelesen:Mein erster Eindruck deiner Beiträge ist, dass du sehr darum bemüht bist, dich gut darzustellen und dein tolles Leben zu schildern. Steht irgendwie im Widerspruch zu deiner Situation.
Nein, das ist kein Widerspruch. Ich bin sicher, ohne diese verlässlichen Konstanten Familie, Freunde, Arbeit mit großer Freude, erfüllende Hobbies....hätte ich in den letzten 4 Jahren wirklich zerbrechen können. Ob ich mich damit gut "darstelle" liegt im Auge des Betrachters.
Ganz lieben Dank noch für Deinen Tipp mit der userin, ich habe beim Lesen auch oft die Luft angehalten. Es gibt da noch zwei weitere (auch ältere) Geschichten, wo die Parallelen verrückt sind. Trotzdem sind wir alle verschiedene Frauen an verschiedenen Punkten unseres persönlichen Dramas. Mir helfen die vielen unterschiedlichen Standpunkte und Meinungen bisher sehr gut, um (mit Rückfällen) Stück für Stück voran zu kommen. Jede, die sich hier zumindest schon mal angemeldet hat, liest, reflektiert, nickt, verwirft, probiert, verzweifelt, neu startet und dran bleibt, hat die Chance, sich aus dem Dilemma der emotionalen Abhängigkeit zu lösen. Ich bin zuversichtlich!
Oh, das ist lang geworden....die Gedanken wollten jetzt aber alle raus
