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Verbogen bis kurz vorm Zerbrechen-der Schmerz bleibt

redhead1

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Zitat von Ortrere:
Mir tut das wirklich gut, mir diese abstrusen Sachen ins Gedächtnis zu holen und mich zu fragen, wieso ich trotz des jahrelangen! Misstrauens dennoch immer weiter gemacht habe.
Mir reicht es nicht, zu sagen "Abhängigkeit".

Ich glaube doch sonst auch nicht jeden Mist und wenn ich begründete Zweifel habe, greife ich durch. Zum Beispiel, bei meinem Kind und da bin ich mir meiner Liebe sicher. Da gibt es keine (ungesunde) Abhängigkeit. Da mache ich ein Fass auf, bringe meine Enttäuschung und die entgegengebrachte Respektlosigkeit zur Sprache und es gibt Konsequenzen.

Warum zum Teufel habe ich einem Mann, der mir nicht viel mehr als zugegeben grandiosen Säggs und ein bisschen Aufmerksamkeit gegeben hat, all diese Lügen, all das Versetztwerden, all die nicht gehaltenen Zusagen durchgehen lassen? Warum fehlt mir genau dieser empathiefreie, verletzende Mensch so sehr?

Was genau IST diese Abhängigkeit?


Das ist die Preisfrage.
Ich sehe, wie er sein perfide Sch... spiel an der Nächsten anwendet. Ich habe ihn wohl einmal zu oft verlassen, als dass er wieder angekrochen käme, lach.
Es versetzt mir einen Stich. Sie ist ein unschuldiges Naivchen, wohl auf dem "Licht-und-Liebe" - Trip, und ich, intelligent, gutaussehend, zugewandt, freundlich, komme mir vor wie eine frustrierte alte Kuh.
Ich bin erst 44 und will wieder leben.
Und er ist ein ganzes Eck älter, und als wir uns zuletzt gesehen haben, sind mir die tiefen Falten um seine Augen aufgefallen.
Warum freue ich mich nicht einfach, den los zu sein? An mir klebt immer noch seine bescheuerte Sicht auf mich.

Irgendwie bin ich, so wie ich gerade bin, immer noch die, die er aus mir gemacht hat. Ganz schlimm.

10.03.2019 18:36 • x 2 #676


Abendrot

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Schlimm ist ,wenn man die gleichen Erfahrungen gemacht hat , wie ihr Ortrere umd redhead1 ,selbst alles überwunden hat ,man kann Euch helfen die Augen zu öffnen , aber anscheinend gibt es kein Zauberwort , welches die Leidenszeit verkürzt . Diesen Leidensweg mussten schon viele so langsam gehen , weil auch der Verstand nur so nach und nach begreift .

10.03.2019 20:38 • x 3 #677


Ortrere

Ortrere


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@Abendrot Der Verstand ist dem Herzen meilenweit voraus, das ist eher das Problem. OBWOHL man so vieles bereits verstanden hat, zumindest gelesen, glaubt das Herz dem nicht. Das weint und behauptet, wenn man sich nur hier und da anders verhalten hätte.....das eigene Herz ist voll der Verräter, das sieht irgendwie nicht, was ihm, der ganzen Frau, ihrer Seele angetan wurde.

Du hast recht, diese Leidenszeit gilt es tapfer zu überstehen, dann erst hat das bummelige Herz eine Chance, den flinkeren Verstand einzuholen. Und vielleicht ist es erst dann möglich, wenn die beiden auf einer Linie sind, wirklich zu verstehen, ganz sachlich und nüchtern, was da speziell alles passiert ist. Sich und dem AM dann auch zu verzeihen.

Zitat von redhead1:
Irgendwie bin ich, so wie ich gerade bin, immer noch die, die er aus mir gemacht hat.

Ein so guter, so trauriger Satz. Nicht so schön prägnant, aber sinngemäß dachte ich das heute Mittag, als ich lustlos alte Stauden im Garten gerupft habe. Bocklos, verblendet, ungesellig, ohne Energie. Weil er das von mir übrig gelassen hat, nachdem er mit mir fertig war. Denn so schnell, wie der diesmal meinem KS-Vorschlag zugestimmt hat, sich erstmalig für die Zeit und meine Liebe bedankt hat und sogar seine Trennungslüge zugegeben hat, war er innerlich bereit zum Abwenden. Er konnte nichts mehr aus mir heraussagen, meine Energie war erschöpft.

10.03.2019 20:56 • x 2 #678


Brausekopf

Brausekopf

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Zitat von Ortrere:
OBWOHL man so vieles bereits verstanden hat, zumindest gelesen, glaubt das Herz dem nicht. Das weint und behauptet, wenn man sich nur hier und da anders verhalten hätte.....das eigene Herz ist voll der Verräter,

Oh ja... wie recht du damit hast
Zitat von Ortrere:
Weil er das von mir übrig gelassen hat, nachdem er mit mir fertig war.

Ich frage mich, wie Menschen andere Menschen so behandeln können!
Manchmal glaube ich, dass manche Menschen Knöpfe mit "an" und "aus" bei sich in der "Emotionsabteilung" installiert haben.

10.03.2019 21:13 • x 2 #679


Anni73

Zitat von Ortrere:
Zum Beispiel, bei meinem Kind und da bin ich mir meiner Liebe sicher. Da gibt es keine (ungesunde) Abhängigkeit. Da mache ich ein Fass auf, bringe meine Enttäuschung und die entgegengebrachte Respektlosigkeit zur Sprache und es gibt Konsequenzen.



Ich denke, dass man eine Mutter-Kind-Beziehung generell nicht mit einer Liebesbeziehung vergleichen kann, denn man bleibt ein Leben lang verbunden, du bist immer die Mutter und das Kind wird zwar irgendwann erwachsen, bleibt aber dennoch immer dein Kind.
Liebesbeziehungen kommen und gehen im Leben......

Zitat von Ortrere:
Warum zum Teufel habe ich einem Mann, der mir nicht viel mehr als zugegeben grandiosen Säggs und ein bisschen Aufmerksamkeit gegeben hat, all diese Lügen, all das Versetztwerden, all die nicht gehaltenen Zusagen durchgehen lassen? Warum fehlt mir genau dieser empathiefreie, verletzende Mensch so sehr?

Was genau IST diese Abhängigkeit?



.....und ich denke, dass genau dieser Unterschied und das Spiel zwischen Zuneigung und Distanz irgendwann zu einer Abhängigkeit führen können.
Ich denke, dass wir emotional einfach noch nicht in dieser Wegwerfgesellschaft angekommen sind und uns einfach nicht vorstellen können, dass ein Mensch einen anderen so behandeln könnte.
Wir haben noch gelernt, dass man um eine Beziehung kämpft und nicht sofort die Flinte ins Korn wirft, wenn mal der Haussegen schief hängt.
Ich habe immer gesagt, dass er mir Brotkrumen hingeworfen hat. Ich habe immer gerade so viel bekommen, dass es zu viel war um zu gehen, aber zu wenig um glücklich zu sein.....und das mach abhängig!

10.03.2019 21:20 • x 4 #680


Abendrot

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Orterere , ich Glaube die Wunschtäume sind fest im Herzen verankert und wenn dann der Verstand auch nicht so wirklich zur Mitarbeit zu bewegen ist ( na klar , man hat erkannt ,,,aber )dann braucht es eben seine gesunde Zeit bis zur Heilung

10.03.2019 21:27 • x 2 #681


Ortrere

Ortrere


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Perspektivwechsel. Gerade einem verwundeten anderen User empfohlen. Weil ich es langsam hinbekomme. Das bestärkt mich beim Aus- und Durchhalten. Ich möchte kein Klammeraffe sein, der wegen toller Bettstunden sich selbst erniedrigt und sich jeden Mist gefallen lässt.

12.03.2019 09:51 • x 5 #682


DieGute

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Zitat von Ortrere:
selbst erniedrigt

ich denke, das ist der allerschwierigste Punkt: Die Erniedrigung. Zum einen von Deinem AM und zum anderen, dass man mitgemacht hat.

12.03.2019 13:49 • x 3 #683


Ortrere

Ortrere


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Mir fällt das schwer, die Perspektive des AM einzunehmen, da ich mir nicht vorstellen kann, jemanden rattenscharf zu finden, den ich nicht liebe bzw. verliebt bin. Nun fand er mich ja extrem begehrenswert und wenn es ihm gepasst hat, ist er immer zu mir gekommen. Dazwischen aber hat er sein normales Leben geführt, ich weiß nicht, wie genau.
Nun stelle ich mir vor, wie es bei dem ankam, dass ich dann immer wieder gefragt habe, ob er schon was gelöst hat. Das muss doch irgendwann nerven, dass diese Frau, die er gern wegnascht, nicht rafft, dass er mehr gar nicht will und kann. Damit die aber weiter so gefügig bleibt, muss er ständig diesen Mist erzählen. Manchmal glaubt er sich dabei selbst... erst ganz zum Schluss, nach fast 4 Jahren, hat er einmal klar gesagt: "wir haben eine Affäre"...ich glaube, ab dem Moment habe ich erst begriffen, dass er um des Begehrens Willen die ganze, lange Zeit gelogen hat. Und angefangen, mich zu entfernen. Ganz einfach.
Und da schaue ich nun auf mich und mein Verhalten in diesen Jahren und sehe wirklich komplette Selbstaufgabe. Ebenfalls um des Begehrens Willen. OMG.

Alle paar Tage gebe ich es mir so richtig und höre "unsere" Musik im Auto. Heute habe ich erstmalig nur mitgesungen statt geweint!

Trotz allem tut es immer noch sehr, sehr weh. Meine Hände erinnern sich an jeden Millimeter Haut, ich rieche manchmal seinen Geruch ganz plötzlich oder sehe seine verschmitzten Augen, die himmelblauen....er ist ja sehr groß und manchmal hat er sich zu Hause, ohne Schuhe, auf meine Zehen gestellt und mich in den Arm genommen. Dann musste ich den Kopf immer weit nach hinten legen, um ihn anzusehen. Seine Küsse, so hat mich vorher in 35 Kuss-Jahren niemand geküsst.
Wie kann ich diese Erinnerungen zu etwas Schönem machen, was nicht gleich die Tränen hochtreibt?

12.03.2019 16:19 • #684


redhead1

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Auf Deine letzte Frage:Wieso willst Du das? Da war nix Schönes. Lies, was Du geschrieben hast. Was ist daran schön?
Ich packe es weg und komme inzwischen in einen Zustand der Gleichgültigkeit.
Ich weiß, was Du meinst, ich habe es selbst so erlebt.
Er ist nach Hause gegangen und hat seine Frau in den Arm genommen oder hat mit ihr den Alltag besprochen.
Nach all dem beep und dem Gesülze vorher mit Dir.
Dazu ist der fähig.
Da ist nichts Schönes dran.
Mir hat diese Erkenntnis sehr geholfen.

12.03.2019 16:34 • x 2 #685


DieGute

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Zitat von redhead1:
Dazu ist der fähig.

Das ist der nächste Punkt, den man sich eingestehen muss.
Es gibt sie wirklich: Die bösen Menschen.
Derjenige, der mir das angetan hat, ist einer, der viel Macht im Beruf hat und somit auch viel Macht über Menschen.
Seitdem sehe ich die Geschäftswelt anders. Und ja. Es gibt sie wirklich, diese bösen Menschen. Eiskalt.

Nach Aufdecken der ganzen Geschichte habe ich vieles über diesen Mann erfahren. Wie er mit angestellten umgegangen ist, die sich ihm nicht anpassten, wie er Leute gekündigt hat etc. Ich konnte es nicht glauben.

Das ist etwas, das mir heute noch viel zu denken gibt. Dass es diese Menschen wirklich gibt. Nicht nur in Romanen oder Psychokrimis.
Man kann es nicht glauben, weil man selbst so nicht ist und ganz andere Werte hat.
Wahrscheinlich liegen diese Menschen irgendwann im Sterbebett und finden sich immer noch ganz toll.

12.03.2019 18:16 • x 3 #686


Ortrere

Ortrere


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Zitat von DieGute:
Nach Aufdecken der ganzen Geschichte habe ich vieles über diesen Mann erfahren. Wie er mit angestellten umgegangen ist, die sich ihm nicht anpassten, wie er Leute gekündigt hat etc. Ich konnte es nicht glauben.

Da bin ich schlimmer. Ich habe es schon währenddessen mitbekommen, wie er immer nur seinen Vorteil suchte und fand, sich vermeintlich engagiert um Mitarbeiter kümmerte, damit er selbst toll gefunden wird und sich gut fühlt. Dieselben Mitarbeiter fallen ließ ohne mit der Wimper zu zucken und auch da allerfeinste Schuldumkehr betrieb. Einem sehr jungen Mann habe ich geholfen, wenigstens seine 5 ausstehenden Löhne zu erklagen. Das hat den AM in keinster Weise gestört. Er hat genau dann alles bezahlt, er er mal wieder Oberwasser hatte. Keinen Tag vorher.

Zitat von redhead1:
Auf Deine letzte Frage:Wieso willst Du das? Da war nix Schönes.

Doch, das war schön. Sonst wären wir ja nicht so kleben geblieben. Ich fand die Zärtlichkeit, die Intimität als solches extrem erfüllend, von Anfang an bis fast zum letzten Tag. Ich würde das gern konservieren, wieder erleben. Es ist mir klar, dass auch bei mir selbst einiges krass läuft, wenn ich trotz oben und vorher beschriebener Vorgänge den "Mann" als intimen Partner so annehmen konnte, alles andere in diesen Stunden ausgeblendet habe. Das kann man nicht allein mit Abhängigkeit erklären, da bin ich momentan auch mit meiner Therapeutin dran. Meine histrionischen und narz. Anteile aufzuspüren und Strategien zu entwickeln, das Positive daran zu erkennen und zu nutzen. Auch ein schwieriger Weg.
Es nützt mir bedingt, in meiner Kindheit zu kramen, da kann ich zwar Ursachen en masse finden, aber ich bin bald 50, ich möchte Wege finden, mit mir umzugehen, wie ich nun mal bin, mich meinem Umfeld offen zumuten zu können, ohne ähnliches wie die Affäre zu wiederholen.

12.03.2019 19:47 • #687


DieGute

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Zitat von Ortrere:
aber ich bin bald 50, ich möchte Wege finden, mit mir umzugehen, wie ich nun mal bin, mich meinem Umfeld offen zumuten zu können, ohne ähnliches wie die Affäre zu wiederholen.

Das ist ein sehr guter Weg. Gehe mit Dir um, als seist Du Deine beste Freundin, Dein allerliebstes. Mir hilft es viel, dass ich mir nicht so viel daraus mache, was andere von mir denken. So kann ich auch offen sein und direkt sagen, wenn mir etwas nicht gefällt.
Seit dieser Geschichte bin ich weitaus authentischer geworden, wende mich von kalten Menschen ab und kann meine Gefühlswelt gut mitteilen. In einem sehr ruhigen Ton und wertschätzend.

Probiere es einfach mal aus und du wirst sehen, wie gut das bei Deinen Mitmenschen ankommt. Immer gute Miene zum bösen Spiel nimmt einem eh niemanden ab.

12.03.2019 20:18 • x 3 #688


redhead1

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Da ist wohl tatsächlich jede Geschichte anders, , Du machst das richtig.
Ich habe neulich noch eine Passage unseres Chats gelesen, als ich ihm mal wieder gesagt hatte, er soll sich zum Teufel scheren, als er mit der "Mitbewohnerin" mal wieder im Urlaub weilte.
Ich war ziemlich zynisch mit ihm, damit konnte er gar nicht umgehen.
Er schrieb mir dann, wir dürften nicht so böse miteinander sprechen, denn so etwas Schönes wie mit uns passiere nur ganz selten...

Damals hat er mich mit diesem Gesülze schon halb wieder gehabt, wohlgemerkt, während er mit der Mitbewohnerin auf Teneriffa weilte, der A. rsch.

Wenn ich das JETZT lese, wird mir diese unglaubliche Manipulation erst bewusst.
Und gleichzeitig hat er mir damit jegliche Kritik an seinem besch... Verhalten untersagt.
Der war so dreist.
Ja, 7 war toll. Aber manchmal war es mir auch zuviel.
Ich vermisse weder ihn noch seinen Körper.

12.03.2019 20:20 • x 2 #689


Ortrere

Ortrere


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Zitat von redhead1:
Ich vermisse weder ihn noch seinen Körper.

Doch, unendlich! Nicht den offensichtlich völlig egozentrischen, hartherzigen Mann mit seiner manipulierenden, lügenden, schuldumkehrenden, betrügenden Art.
Sondern den, wo ich lange dachte, auch bis fast zum letzten Tag, dass er vielleicht nur im Bett authentisch ist. Der loslassen und geben konnte wie keiner vor ihm. Seinen Körper, den ich so gut kenne wie er meinen. Nein, zu viel war mir das nie, sondern genau richtig. Ich wollte ihn immer mehr. Und den großen verlogenen Rest immer weniger.
Was für eine Zerrissenheit! Wenigstens die heilt jetzt schon. Nur dadurch, dass ich nicht mehr warte. Der Abstand jeden Tag ein bisschen größer wird. Bei aller Trauer, ich bin fast dankbar, dass er mich in Ruhe lässt. Ehrlich? Nein ...

12.03.2019 21:28 • #690




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