Zitat von Yoffi: Wenn man da in die tiefe Kommunikation kommt und beide sich wirklich öffnen können, löst man häufig schon die ersten Blockaden.
Das würde ich mir wünschen.
Ist jetzt vlt. ausufernd aber dennoch, es gab mal folgendes Erlebnis:
Ist schon über 10 Jahre her, ich war mit einer Freundin im Restaurant etwas essen. Wir hatten super viel Spaß und haben uns gut unterhalten, an den Tischen neben und herrschte auch eine aufgeweckte fröhliche Atmosphäre. Irgendwann meinte meine Freundin recht mitleidig "Ohje, schau mal da drüben die scheinen ja richtig viel Spaß miteinander zu haben.". Ich hab mich umgedreht, den Tisch entdeckt und wusste sofort was sie meinte. An dem Tisch saß ein Ehepaar mittleren Alters und die Teenie Tochter. Die leblose Stimmung am Tisch war so ein starker Kontrast zu den anderen Gästen. Ich kenne die Familie nicht und letztendlich habe ich auch nur einen kurzen Ausschnitt in deren Leben gesehen, aber es wirkte auch mich sehr erschreckend. Die beiden Eheleute saßen sich schweigend gegenüber, keiner redete und es hatte den Anschein als wäre schon die Anwesenheit des Anderen eine Bürde. Die beiden hatten wirklich eine leblose, vom Leben enttäuschte Ausstrahlung. Für mich war das aber eine Situation/Beobachtung die so prägend war, dass ich in dem Moment beschloss dafür sorge zu tragen, dass meine künftigen Beziehungen aktiv lebendig gehalten werden. Den ich wollte/will nicht wie das trostlose Ehepaar enden.
Was habe ich also -unter anderem - gemacht?
Um uns selbst und unsere Beziehung im Alltag nicht aus den Augen zu verlieren, bin ich immer mal wieder auf meinen Partner zugegangen und habe ich Fragen gestellt wie:
Wie geht es dir aktuell in unserer Beziehung? / Wie fühlst du dich in unserer Beziehung?
Bist du glücklich?
Gibt es etwas das du verbessern möchtest? / Gibt es etwas womit du unzufrieden bist?
Kann ich dir etwas Gutes tun?
Es war für mich wichtig den Fokus immer mal wieder bewusst auf unsere Beziehung zu lenken. Ich habe auch nicht irgendwelche ausführlichen Antworten erwartet, es war mehr ein Hilfsmittel sich gegenseitig mal anzustoßen sich bzw. die Beziehung überhaupt mal zu betrachten oder zu hinterfragen im Sinne von "Bin ich so wie es aktuell läuft tatsächlich glücklich oder merke ich jetzt erst das mir doch etwas fehlt." Kann ja auch sein, das der Partner sich im Nachgang noch Gedanken über die Fragen macht und eine Zeit auf mich zukommt.
Mir war es wichtig diesen Raum zu geben, weil es viel einfacher fällt seine Wünsche, Bedürfnisse, Anliegen zu äußern, als wenn ich den Mut aufbringen muss "den Partner zur Seite zu ziehen" um mitzuteilen das es mir mit einer Situation gerade doch nicht so gut geht. Es spiegelt für mich auch einfach ehrliches Interesse am Partner und bietet die Möglichkeit das beide über die Gefühlslage des anderen informiert sind und wissen wo die gemeinsamen Baustellen sind und wie diese behoben werden können. Soweit zumindest die Idee.
Ist man jetzt aber wie ich, mit einem Menschen zusammen der zum einen ein Vermeider ist und zum anderen nie wirklich gelernt hat über seine Gefühle zu sprechen (ich glaube mittlerweile er hat auch keinen guten Zugang zu seinen Gefühlen), dann führen solche Fragen nicht immer zu einem positiven Ergebnis. Nicht selten ist es passiert, dass ich meinen Partner mit meinen Fragen verunsichert/überfordert habe. Muss ich mir leider eingestehen.
Wie lief sowas dann ab:
Anfangs haben ihn diese Fragen einfach nur verunsichert, weil er dachte ich stelle ihm diese Fragen, weil ich selbst unzufrieden bin. Irgendwann hatte ich den Eindruck er antwortet mir das, was er denkt das ich hören will. Wieder einige Zeit später meinte er immer nur das er glücklich sei und es nicht zu verbessern gäbe.
Ich musste mir dann einfach eingestehen, dass solche Dinge nur Sinn machen, wenn beide Partner einen Sinn in diesem Emotionsabgleich sehen und das auch wirklich wollen. Bringt ja nichts, wenn der eine super begeistert von seiner Idee ist und der andere dadurch ständig verunsichert wird.
Den Raum zu geben ist klar, aber man muss ihn eben auch nutzen. Das habe ich all die Jahre nicht bei ihm gesehen und damit meine ich jetzt nicht das er auf meine Fragen nicht eingehen konnte und dadurch verunsichert war.