Guten Morgen Nivon,
ich habe ja schon sehr viele Menschen durch Trennungen begleitet, aber was du da schilderst, ist schon besonders heftig. Ich frage mich, ob er gar keine Schuldgefühle empfindet oder warum er sie so gut verbergen kann. Normalerweise verhalten sich Männer in solchen Situationen erheblich schuldbewusster.
Zitat:>> Ich habe mit einfach eine Wohnung gesucht und räume das Feld. Mache ich es ihm zu einfach? Ja sicher! <<
Du hast dir die neue Wohnung meiner Meinung nach nicht gesucht, um es deinem Mann leicht zu machen, sondern um es dir selber leichter zu machen. Du hast dann eine eigene Basis, von der aus du klare Gedanken fassen und klare Handlungsstrategien entwickeln kannst, um dich nicht dauerhaft als Opfer seiner abrupten Trennung fühlen zu müssen. Auch wenn du das bisherige Haus liebst, so hat es anscheinend doch eine Rolle bei der ganzen Problematik gespielt.
Zitat:>>Aber ich muss auch daran denken, dass ich ein Pubertier habe, das auch nicht weiß, wo der Weg lang geht. Und sich einfach aus der Verantwortung zu stehlen, kommt für mich nicht in Frag<<
Der Junge macht zur Zeit unglaublich viel durch, weil er in dem Alter sowieso das Bild seiner Eltern neu herstellen muss. Bitte lass ihm die Freiheit, im Zusammenhang mit dem Wohnsitz so zu handeln, wie er es spontan am liebsten möchte. Es kann sein, dass er mehrfach umziehen möchte, weil seine Gefühle dem Vater und seine Partnerin gegenüber verrückt spielen. Und das darf er dann auch. Andererseits muss er natürlich gerade in dieser Lebensphase auch Grenzen erfahren. Das wird eine enorme Herausforderung für euch, an der ihr euch in eurer neuen Rolle als getrennte Eltern bewähren müsst. Da geht der Junge vor.
Zitat:>> da ich ein Kind aus erster Ehe habe und wir nur Eltern waren.<<
Du erwähnst, noch ein Kind aus erster Ehe zu haben. Lebt das auch bei dir oder in Norddeutschland? Oder habe ich da etwas falsch verstanden und es handelt sich bei dem 14jährigen um dieses Kind?
Zitat:>> Und ich kann noch nicht abschätzen, ob er meine Bitte auf Kontaktsperre respektieren wird. Er kommt unseren Sohn weiterhin bei mir abholen, obwohl sich die beiden durchaus woanders treffen könnten. Ich versuche ihm dann aus dem Weg zu gehen, indem ich einfach nicht da bin. Ob er es begreift.... keine Ahnung. Vielleicht war ich noch nicht deutlich genug. Ich habe versucht ihm zu erklären was in mir vorgeht, wenn er sich meldet oder wenn ich ihn sehe. Verständnis? Anscheinend Fehlanzeige...<<
Auch das ist eher ungewöhnlich. Dein Ziel sollte nun also sein, auf unterschiedlichen Gefühlsebenen eine klare Distanz zu ihm herzustellen. Dass du darunter immer noch an ihm hängst, ihn eigentlich liebst und ihn zurück wünschst, bleibt davon unberührt. Das darf so sein, verändert sich aber nach und nach.
Er war bisher dein Freund dein Vertrauter. Nun ist er zwar nicht dein Feind, aber ein fremder Mensch, der gegen dich handelt. Die anderen vertrauten Anteile hat er immer noch, sie sind nur völlig überlagert. Er muss aber erfahren, dass er dir gegenüber unzumutbar handelt, setz ihm Grenzen, stelle Forderungen und wähle dabei Formulierungen, die er bisher nicht kannte. Lass auch deine Wut mal raus, wenn sie gerade hoch kommt, aber versuche HASS zu vermeiden. Das Ziel ist nicht Feindschaft und Hass, sondern Distanz. Und die kannst du selber nach und nach erzeugen.
Zitat:>>Soweit so gut. Ich werde nun versuchen (nochmal) wieder von vorne anzufangen. <<
Ja! Das ist eine gute und wichtige Entscheidung. Dein Leben ist sowieso seit 5 Wochen ein neues und anderes Leben, aber bisher war das so, weil es dir von außen aufgezwungen wurde. Ab jetzt kannst du es selber steuern und so neu anfangen, wie du es dir vorstellst. Diese Vorstellungen müssen sich schrittweise entwickeln.
Zitat:>>Nun hat mein Sohn mir gerade erzählt, dass Next hier dann auch direkt mit einziehen soll. Die beiden wohnen eh schon zusammen in ihrer Wohnung. Ist das sein *beep* Ernst? Ich merke gerade, dass es für ihn anscheinend über kein Problem ist mich einfach auszutauschen! Alte raus, neue rein. Und dass, obwohl mein Sohn sie erst einmal gesehen hat! Hat der denn gar keine Anstand?<<
Er hat zumindest nicht das, was du und die meisten Menschen in diesem Zusammenhang als ANSTAND bezeichnen würden. Er will eine schnelle und einfache Lösung und tritt dabei deine Gefühle mit den Füßen. Darum musst du ihm gegenüber unbedingt glasklare Grenzen definieren. Es mag sich für dich ungewohnt anfühlen, aber ein lautes NEIN! wird auch ihn erst mal aus der Ruhe bringen. Sag immer dann NEIN, wenn dir nach NEIN ist. Man muss das in dieser Situation lernen und es fühlt sich fremd an. Aber er hat durch sein Handeln das härteste NEIN zu dir gesagt, das ein Mensch sagen kann. Nun bist du dran.
Zitat:>>Es scheint so, als ob er mich gar nicht schnell genug los werden kann. Nachdem es mir jetzt endlich ein bisschen besser geht, kommt der nächste Klops. Die letzten 5 Wochen haben mein Leben komplett verändert. Einmal um 180 Grad gedreht. Und es interessiert ihn null, dass ich wirklich leide und es mir wirklich nicht gut geht. <<
Das wissen wir nicht. Zumindest will oder kann er es nicht zeigen. Darum musst du es ihm sagen. Er muss erfahren, wie miserabel es dir geht. Du brauchst ihm gegenüber nicht mehr die tapfere Frau sein, die ihm den Rücken frei hält, wie er es bisher gewohnt war. Er muss dich als starke selbstbestimmte Person kennen lernen, die ab jetzt ihr eigenes Interesse (und das ihres Kindes) im Auge hat. Sein Interesse ist da untergeordnet.
Zitat:>>Ich hätte nie für Möglich gehalten, dass ich mich so in einem Menschen täuschen konnte. Das ist nicht mehr der Mann, in den ich mich einmal so verliebt habe.<<
Richtig. Einerseits hat er sich natürlich seit damals weiter entwickelt und das möglicherweise sehr individuell ohne gemeinschaftlichen Ausgleich. Andererseits hat er diese liebenswerten Anteile immer noch, er kann sie dir gegenüber nur nicht mehr zeigen, weil das falsch und unangebracht wäre. Und darum hast du das Recht, jetzt auf die Anteile zu reagieren, die er zeigt, und zwar deutlich und so distanziert wie möglich.
Viel Kraft dabei wünsche ich dir!