Stefan-93
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Erst einmal danke, dass es euch gibt. Ich habe in den letzten beiden Tagen hier einiges gelesen und fasse jetzt den Mut, euch meine Geschichte zu erzählen.
Vor zwei Tagen hat mir meine Frau in der Paarberatung gesagt, dass sie die Beziehung endgültig beenden will. Sie ist bereits vor sechs Wochen ausgezogen und wir haben uns seitdem nur in der Beratung gesehen (mit einer kurzen Ausnahme). Ich dachte in der ersten Zeit noch, wir kämen bald wieder zusammen. Wir haben geschrieben und als sie dachte, sie hätte Corona, war ich sogar für sie einkaufen. Dann ist eine Sitzung in der Paarberatung aber nicht so gut gelaufen. Ich habe sie sehr bedrängt und war wohl auch sehr bedürftig. Sie brauchte danach erst einmal vier Wochen Abstand.
In dieser Zeit habe ich an mir gearbeitet. Ich habe mir viele Gedanken über unsere Beziehung gemacht und hatte Ideen, was wir ändern können. Mir ist auch bewusst geworden, was ich falsch gemacht habe, kurz: Ich habe zu sehr an ihr geklammert. Ich habe mich an unserem neuen Wohnort nicht wirklich bemüht, Anschluss zu finden und mich darauf verlassen, dass sie da ist, und war enttäuscht, wenn sie keine Zeit für mich hatte.
Meine Frau hatte lange auch psychische Probleme (und vielleicht hat sie sie jetzt noch). Ich habe sie im Studium unterstützt und einige depressive Episoden mit ihr durchgemacht. Da war sie dann natürlich nicht so unternehmenslustig und sehr eng an mich gebunden. Ich glaube, daran habe ich mich zu sehr gewöhnt. Jetzt ist sie mit der Ausbildung fertig geworden und war in der letzten Zeit, als wir noch zusammen waren, sehr überdreht. Das wurde aber besser, als sie ihr Medikament herunterdosiert hat. Ihre Veränderung ging für mich sehr schnell, auf einmal wollte sie unabhängiger sein und das hat zu Streit geführt. Im letzten Jahr ging es mir auch nicht gut, ich hatte beruflich eine schwere Zeit. Und ich habe hauptsächlich mit ihr darüber geredet. Sie war meine engste Vertraute. Und das war ihr dann zu viel, gerade weil sie auch in einer schweren Zeit war.
Wir waren seit Anfang des Jahres in der Paarberatung, auch weil ich langsam eine Familie gründen wollte und sie noch nicht bereit dazu war. Leider haben wir da aber nicht wirklich unsere tiefen Probleme besprochen. Sie hat manchmal Dinge gesagt, die mich sehr verletzt haben, z.B.: "Ich habe dich nur geheiratet, weil ich Angst hatte, allein zu sein." Ich muss heute sagen, ich hätte das ernster nehmen sollen. Meine Frau war immer ein Mensch, der viel gezweifelt hat – an sich selbst und dem Studium. Bis vor kurzem aber nicht so sehr an der Beziehung, zumindest hat sie es mir nicht gesagt. Oder ich habe es nicht wahrhaben wollen aus der Angst, sie zu verlieren oder weil ich nicht verletzt werden wollte. Erst als sie gegangen ist, habe ich angefangen, intensiver über mich und die Beziehung nachzudenken, auch mit therapeutischer Hilfe. Doch das war wohl zu spät.
Jetzt bin ich völlig am Boden zerstört. Wir waren acht Jahre zusammen, fünf Jahre verheiratet, das war fast mein gesamtes Erwachsenenleben (ich bin 29). Fast alle schönen Erinnerungen der letzten Jahre sind mit ihr verbunden und auch meine Zukunft habe ich mir immer mit ihr vorgestellt. Ich kann gerade an nichts anderes denken, muss ständig weinen. Gerade kann ich auch nicht arbeiten, habe mich krankschreiben lassen und bin zu meinen Eltern gefahren, die zwei Stunden entfernt wohnen. Ich schwanke gerade sehr zwischen Traurigkeit und Verzweiflung und ganz zarten Ideen, was ich jetzt mit meinem Leben anfangen könnte. Und ich habe Angst vor dem, was jetzt auf mich zukommt: Das Auflösen der gemeinsamen Wohnung, das erste Mal dauerhaft allein wohnen, die Scheidung. Ich habe immer gedacht, sowas trifft andere, aber nicht uns – wie sehr man sich doch irren kann! Ich werde wohl auch noch einmal den Arbeits- und Wohnort wechseln, weil ich wieder näher an meinen Eltern wohnen will.
Ich habe meiner Frau wohl gesagt, dass ich die Beziehung nach wie vor will und dass sie sich melden soll, wenn sie uns doch noch eine Chance gibt, dass ich aber nicht auf sie warten werde. Sie meinte darauf nur: „Es ist gut, dass du nicht auf mich wartest.“ Jetzt muss ich mich damit abfinden, dass es vorbei ist. So richtig kann ich es noch nicht fassen, aber ich will mir keine falsche Hoffnung machen. Ich wollte ihr aber zumindest sagen, dass ich nach wie vor zum Neuanfang bereit bin, ich weiß aber auch nicht, wie lange noch. Ich habe mir jedenfalls vorgenommen, mich nach der Zeit der großen Trauer wieder Stück für Stück dem Leben zuzuwenden, ich weiß nur noch nicht, wie und habe Angst, das nicht zu schaffen, nie wieder eine Frau zu finden, die mich liebt usw. Ich muss dazu sagen, dass es mir immer schon schwergefallen ist, Anschluss zu finden und neue Leute kennen zu lernen.
Was hat euch geholfen, mit Trennungen umzugehen? Was sind die ersten Schritte? Sollte ich mich besser ablenken oder alles in Ruhe durchdenken? Und wie geht ihr mit den Erinnerungen um, die mit euren Ex-Partner/innen verbunden sind? Und wie mit dem Gefühlschaos in den ersten Tagen danach?


