Zitat von Aline_8:
Du möchtest dir gern selbst glaubhaft machen, dass Du Oberwasser hast und es irgendwie unter Kontrolle hast.
Ich finde es immer wieder spannend, wie diese Affärendynamik greift.
Eigentlich - mit der Betonung auf eigentlich - hätte im Normalfall der ungebundene Part die totale Kontrolle.
Denn diese verheirateten Männer, die ihre Familie nicht verlassen wollen oder können, sitzen im Prinzip am deutlich kürzeren Hebel.
Sie sind ja diejenigen, die nicht frei sind, die in ihren sämtlichen Aktionen gebunden sind und die darauf angewiesen sind, irgendwo eine Frau zu finden, die sich hinhalten und mit ein paar Brotkrümeln abspeisen lässt. Das ist nicht ganz so leicht. Denn sie haben ja im Grunde nichts nennenswertes zu bieten.
Sobald man sich aber in so einen verliebt, ändern sich die Machtverhältnisse auf der Stelle und dramatisch.
Dann fängt man an mit Hoffen und Harren. Dann fängt man an, auf eine wie auch immer geartete bessere Zukunft zu warten. Dann fängt man an, sich auf jeden Lichtblick zu stürzen (ich spüre doch, dass er mich liebt, bestimmt tut er bald auch etwas).
Dann fängt man an, ihn zu "verstehen" und zu entschuldigen. Dann lässt man sich zum Beispiel auftischen, dass dieser geplante Urlaub ja nicht mehr zu verhindern ist, und wartet zu Hause auf ein paar Nachrichten, während er mit Frau und Family am Strand liegt (sicher leidet er dort, der Arme, er will das ja gar nicht).
Mit anderen Worten: Man verliert jegliche Kontrolle, redet sich aber gern das Gegenteil ein.
Die Kontrolle total zu verlieren und völlig machtlos zu sein, tut wahnsinnig weh. So weh, dass man es kaum aushält.
Deshalb redet man sich das Gegenteil ein. Und merkt gar nicht, dass man sich täglich tiefer reinreitet. Vor allem emotional. Und was die eigene Selbstachtung betrifft.
Die Kontrolle bekommt man aber nur zurück, indem man den Kerl fahren lässt. Dann ist man selbst wieder frei und handlungsfähig.
Und dann ist er auf seinen Ehekram, dem er zumindest stundenweise entfliehen will, wieder allein zurückgeworfen.