Hallo Armindia,
ich bin natürlich eine Fremde und kann nur deuten, was du hier schreibst. Aber das will ich mal versuchen. Ich sehe hier eine junge Frau, die unbedingt
will, dass diese Beziehung funktioniert. Und einen Mann, der sich immer weiter zurücklehnt und immer weniger beiträgt, je mehr sie das will.
Zitat von Arminda:Alltagsaufgaben (...) erledige ich,
Schichtdienst hin oder her - alle Menschen müssen ihre Zeit einteilen in Determinationszeit, Obligationszeit und Dispositionszeit. Wenn er auf deine Kosten nur zwischen Arbeit und Freizeit switcht, spricht das a) nicht für seine Alltagstauglichkeit und b) nicht dafür, dass er respektvoll mit
deiner Lebenszeit umgeht.
Und wenn du dann versuchst, mit ihm über deine Bedürfnisse zu sprechen:
Zitat von Arminda:Eben auch, weil über meine Ängste keine offenes Gespräch möglich ist, bei dem ich das Gefühl bekomme, dass er sie besänftigt und mich auffängt.
Du bist ein Bittsteller in eurer Konstellation. Er muss überhaupt nichts tun, um dich bei Laune zu halten. Weil du weißt, dass er auf Anschubsen oder Kritik so empfindlich reagiert, bereitest du ihm in vorauseilendem Gehorsam den Boden, übernimmst alle euch beide betreffenden Aufgaben (und begründest das dir selbst bzw Dritten gegenüber mit: du machst das ja gern)... und zerbrichst dir noch den Kopf darüber, wie du dich ihm so schonend wie möglich mitteilen kannst, anstatt ihm einfach mal die Plörren um die Ohren zu hauen: mit mir nicht ...
Zitat von Arminda:Seine Reaktion besteht dann wahlweise aus Ignorieren oder Verteidigung
Und er weiß, dass er dich zum Kuschen bringt mit seinen destruktiven Reaktionen, deshalb zeigt er die ja. Entweder das, oder er ist wirklich völlig unfähig zu normaler Konfliktkommunikation. In beiden Fällen ist die konsequente Erkenntnis für dich aber die gleiche... richtig?
Zitat von Arminda:Nach der anfänglichen Verliebtheit (die nach ungefähr drei Monaten gegessen war) nahm das Körperliche ab. Abseits der Endorphine ist er ein Mensch, der körperlich wenig Nähe gibt, sie aber durch Worte ausdrückt.
Puuuh. Eine Verliebtheit, die in Gewohnheit übergegangen ist, ohne den Umweg über die Liebe zu nehmen. Es tut mir leid liebe Arminda, aber für mich klingt das alles leider überhaupt nicht danach, als würde dein Verlobter für dich brennen. Ein verliebter Mann macht und tut, er kann nicht die Finger von seiner Liebsten lassen und schlafft nicht schon nach drei Monaten derartig ab. Worte sind wie Luft - es sind die Taten, auf die du achten musst.
Wie du euren Alltag, euer Miteinander beschreibst - das klingt eigentlich eher danach als wärst du eine prima Bedürfnisbefriedigerin für ihn aber sonst eher so lauwarm.
Gibt es Taten von ihm an dich, die du als liebevoll motiviert wahrnimmst, zumindest aus eurer Anfangszeit? Ein verliebter Mann macht (kleine) Geschenke, plant Überraschungsausflüge, macht sich Gedanken was seiner Angebeteten gefallen könnte und legt sich ins Zeug, um sie von sich zu überzeugen - es sei denn, sie übernimmt all das und setzt sich ihm quasi auf den Schoß, und er nimmt die Beziehung aus Sympathie und Bequemlichkeit mit.
Zitat von Arminda:Ich will ihn heiraten, weil er die Liebe meines Lebens ist.
Magst du mal genauer erklären, was du unter "Liebe des Lebens" verstehst? Wie stellst du dir inhaltlich eine Ehe mit deiner großen Liebe vor, wie soll euer gemeinsamer Alltag die nächsten 50 Jahre aussehen, wie stellst du dir gemeinsame Elternschaft vor, was passiert wenn es mal wirklich Probleme gibt wie Arbeitslosigkeit, schwere Krankheit oder andere Schicksalsschläge und dein Typ dann nur schweigt oder lospoltert?
Wie erklärst du dir dass er dich jetzt unbedingt heiraten will, aber für dein Empfinden nicht genug zur gemeinsamen Lebensqualität beiträgt?