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Versteht sie meine Trauer nicht?

Henning

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Hallo liebe Community,

ich muss hier mal mit meinem Problem hinkommen.
Ich habe vor einigen Monaten eine tolle Frau kennengelernt, wir haben unser Verhältnis zueinander über Monate wachsen lassen, haben uns besser kennengelernt, alles langsam angehen lassen.
Beide haben wir in der Vergangenheit viel Mist erlebt, man wird vorsichtiger.
Aber alles war schön, letztes Treffen letzte Woche.

Am Wochenende bekam meine Familie die Nachricht, dass es meiner Oma sehr schlecht geht, sie ins Krankenhaus muss, es jeden Tag zuende sein kann. Es sieht einfach sehr schlecht aus.

ich muss zugeben, dass ich mich nicht um mehrere Dinge kümmern kann. Ich habe da einfach nicht den Kopf für.
Es hat mich so getroffen, dass ich mich unfähig fühle, dieser Frau, die ich mittlerweile sehr in mein Herz geschlossen habe und in die ich auch verliebt bin, ihr momentan zu zeigen, was ich fühle. Es geht einfach nicht.
Ich denke jede Minute an meine Oma, an meine Familie und was diese gerade durchmacht. Mein Blick wandert jede Sekunde aufs Handy, ob die nächste schlimme Nachricht kommt. Ich bin so blockiert, dass ich gerade keine Körperlichkeiten mit dieser Frau zulassen kann. Ich kann sie in den Arm nehmen, aber ich bin blockiert. Ich finde, es passt auch gerade nicht, sich mit Gefühlsduseleien zu beschäftigen, wenn ich weiß, dass vielleicht ein geliebter Mensch aus meinem Leben scheidet.
Ich habe ihr am Freitag auch gesagt (da wusste ich bereits, dass es Oma überhaupt nicht gut geht), dass ich, wenn es um Familie und solche Dinge geht, gar keinen Kopf mehr habe, mich auf sie zu konzentrieren. Ich kann gar nicht mehr klar denken.

Heute hat sie mir daraus einen Vorwurf gemacht, dass ich so kalt ihr gegenüber bin und warum ich sie denn nicht küsse, wenn wir uns sehen. haben uns nämlich gestern in einer großen Freundesrunde getroffen, wo viele von uns wissen.

Ich war schockiert, dass sie jetzt daran denkt, dass ich sie mal nicht küsse, wo ich den Kopf mit ganz anderen Dinge voll habe. Sie war völlig verständnislos. sie meinte, dass sie es doch mit mir gut meint. aber ich muss ehrlich gestehen, dass ich nicht kann. ich rechne jeden Moment mit dem schlimmsten. Oder bin ich so falsch davor?

Warum vertraut sie nicht einfach auf uns?

12.03.2019 13:31 • #1


Kummerkasten007

Kummerkasten007


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Zitat von Henning:
Warum vertraut sie nicht einfach auf uns?


Weil sie nicht in Deinen Kopf sehen kann!

Zitat von Henning:
Ich habe ihr am Freitag auch gesagt


Hast Du es so deutlich gesagt, wie Du es hier geschrieben hast?

12.03.2019 13:41 • #2



Versteht sie meine Trauer nicht?

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Rescuer88


Heute hat sie mir daraus einen Vorwurf gemacht, dass ich so kalt ihr gegenüber bin und warum ich sie denn nicht küsse, wenn wir uns sehen. haben uns nämlich gestern in einer großen Freundesrunde getroffen, wo viele von uns wissen.[quote][/quote]

Gerade in schlechten Zeiten gilt, dass man gemeinsam zusammen steht und das kannst du gerade nicht zulassen. Von ihrer Seite wollte sie vielleicht in der Freundesrunde zeigen, dass ihr zusammen gehört. Dann kommt keine Reaktion von Dir. Ich nehme an das ist sehr enttäuschend. Jeder geht mit Trauer anders um. Aber jeder mit einer Abweisung ebenfalls. Für mich ergibt sich daraus kein, "dass wiegt" schwerer etc.


Frage Dich warum Du das nicht zulassen kannst. Sicherlich ist es eine Ausnahmesituation, aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass wird in der ganzen Beziehung immer ein Problem bleiben, sobald eine ähnliche Situation im Leben kommt. Stell Dir vor, sie hat einen Sterbefall in der Familie, wie verhältst du dich dann und würdest du so ein Verhalten mögen?

12.03.2019 13:46 • x 2 #3


Perzet


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hm, schwierig das zu beurteilen.

Auf der einen Seite sagst du, bist du voll und ganz eingenommen von der Trauer. Auf der anderen Seite triffst du dich in einem großen Freundeskreis.
Wie bist du mit deinen Freunden unterwegs? Kannst du da entspannen?
Haben die Verständnis?
Warum kannst du ihr gegenüber nicht eine einfache Geste ausführen, also Kuss zur Begrüßung, wenn du eh im großen Freundeskreis bist, also eh ne Menge Ablenkung hast?

Ansonsten würde ich auch Verständnis erwarten. Aber du warst bereits in einer Umgebung, die Ablenkung beinhaltet.

12.03.2019 13:55 • x 1 #4


Henning


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Ja, das habe ich so gesagt:
ich habe gesagt, dass sobald mich eine solche nachricht aus der Familie erreicht, es mir schlagartig anders geht und ich so blockiert bin und nicht mehr klar denken kann...dass ich dann gar keinen kopf mehr habe für gefühlsgeschichten..weshalb fragst du

12.03.2019 14:12 • #5


Kummerkasten007

Kummerkasten007


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Weia, das ist aber ähhh sehr reduziert, was Du da gesagt hast.

Weißt Du was? Gib ihr Deinen Eingangsthread zu lesen. Oder schreib ihr einen Brief.


Zitat von Henning:
keinen kopf mehr habe für gefühlsgeschichten


Hast Du das wirklich so gesagt? "Gefühlsgeschichten"?

12.03.2019 14:18 • x 1 #6


Körperklaus


Aus eigener Erfahrung kann ich dir sagen, dass sich in meiner eigenen trauersituation niemand richtig verhalten konnte.
Nähe war mir zu viel, blieb man mir gegenüber auf Distanz war ich enttäuscht und sauer.
Sprich mit ihr darüber wie es dir geht und was du momentan kannst und was nicht.
Sag ihr, dass es nichts mit ihr zu tun hat und sei ehrlich zu ihr was momentan geht und was nicht.
Ich würde ihr auch deutlich sagen, dass du sie an deinem Gefühlsleben teilhaben lässt und nicht ausschließt .

12.03.2019 14:30 • x 1 #7


Dattel


Ich finde Dich enorm schwierig.
Ein Kuss ist Tabu aber Freunde treffen nicht?
Du musst schon den Satz sehr laut und deutlich aussprechen:
"Ich will mit Dir bis nach der Beerdigung so leben und agieren, als ob Du eine flüchtige Bekannte bist."
Denn das erwünschte zurücknehmen und in Watte packen und auf Zehenspitzen herumhuschen errät ein Partner nicht, woher auch?

Ich würde Dir raten, Dich einfach ein paar Wochen oder Monate zurück zu ziehen.
Einen Partner mit arglosen und harmlosen Absichten und Wünschen als unsensibel und rücksichtslos abzubügeln, das mag halt nicht jeder.

12.03.2019 15:42 • x 2 #8


Ayaka

Ayaka


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ich verstehe deine Trauer auch nicht - die schwere Krankheit deiner Oma ist doch kein Grund deine Freundin wegzustoßen wenn sie mal ein Küsschen oder eine Umarmung will.

12.03.2019 16:49 • x 2 #9


Sommertag


Ihr seit noch nicht lange zusammen,ein paar Monate erst.Vertrauen muss da erst aufgebaut werden.Versetz dich auch Mal in ihre Lage hinein.Wie würdest du dich fühlen wenn sie abblocken würde?Der Spruch in guten wie in schlechten Zeiten hat schon seine Richtigkeit finde ich.In guten Zeiten läuft alles easy,da ist der Partner gut und Recht,in schlechten muss er zurückstecken?

12.03.2019 17:04 • #10


Tabea2018


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Zitat:
ich verstehe deine Trauer auch nicht -

Ich schon! Wenn man einen Menschen verliert, der sehr viele Jahre ein Teil des eigenen Lebens war, ist Trauer eine ganz natürliche Folge.
Nachdem mein Vater starb musste ich mir auch nach einigen Wochen anhören, jetzt ist aber langsam mal gut. So funktioniert das aber nicht. Nähe konnte ich in dieser Zeit auch nicht zulassen, obwohl ich ein sehr emotionaler Mensch bin. Ich brauchte einfach Zeit für mich.
Ich habe es oft erlebt, dass Menschen ihre Trauer verdrängen und sie unterschwellig (nie gelöst) mit sich tragen.

12.03.2019 17:27 • #11


Mienchen

Mienchen


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Ich kann das schon verstehen. Ich hab einen besten Freund verloren durch einen Unfall und war damals betäubt vor lauter Schmerz und Trauer.
Eine Woche später bekam ich von meinem Ex zu hören, das er das Gefühl hat, ich bin in diesen "Toten Idioten" verknallt. Die Beziehung hab ich beendet.

In solchen Fällen sollte man dem Partner beistehen und seine Reaktionen verstehen lernen, jeder trauert anders.

Und wenn ich merke das er unter Freunden vergessen kann, dann würde ich alles mögliche tun, damit er sie so oft wie möglich sieht. Da würde ich keinen Gedanken daran verschwenden, mich da in den Vordergrund zu schieben, das ist egoistisch, sorry.

23.04.2019 20:41 • #12


Verry

Verry


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Leben und Tod gehören doch zusammen, und wenn der Tod kommt, sollte das Leben und die Liebe jubilieren!
Was heißt gleichzeitig - DESHALB!

In Indien werden Menschen im Ganges versenkt, es finden heilige Zeremonien statt - gleichzeitig tanzen Jugendliche am gleichen Ort zu angesagter Musik, gleichzeitig paaren sich die Ziege und Kühe, gleichzeitig sieht man die glücklichen Hochzeitspaare in IHREN Zeremonien.

23.04.2019 20:56 • x 1 #13


Delphin123


Henning,

Du zeigst gerade Deiner neuen Freundin, wie ein Leben mit Dir auf Dauer wäre, wie Du mit Krisen umgehst und wie belastbar Du bist.

Und da erlebt sie Dich gerade so, dass es zur Kritik reicht.

Bislang ist noch nichts dramatisches passiert. Deine Oma ist im Krankenhaus und wird irgendwann sterben.

Wie reagierst Du?
Wirst abweisend, konzentrierst Dich nur auf Dich und gehst zu einer Freizeitveranstaltung mit Freunden.
Fürsorglich wäre, ins Krankenhaus zu fahren, um Deiner Oma, Deiner Familie beizustehen.
Selbstfürsorglich wäre, sich in Ruhe mit dem künftigen Verlust auseinanderzusetzen und die eigene Angst vorm Sterben und vor Verlusten anzugehen.
Selbstvergessen und egozentrisch ist, den Beistand der Freundin zu erwarten, sie abe vor Freunden zu brüskieren. Neben Deinem Bedürfnis nach Zerstreuung mit Freunden keine anderen Bedürfnisse (der Oma, Deiner Familie und Deiner Freundin) mehr zu sehen oder adäquat zu beantworten.

Deine Freundin weiß jetzt, dass sie im Ernstfall nicht auf Dich zählen kann, weil Du Dich ausschließlich um Dich und Deine Befindlichkeiten kümmerst und alles andere dahinter zurückstehen muss.

Wenn Deine Freundin Ziele im Leben hat, bei denen sie auf die Mitarbeit, das Durchhaltevermögen, die emotionale Reife und ein partnerschaftliches Verhalten ihres Mannes angewiesen ist, muss sie sich nach diesen Erlebnissen mit Dir einen anderen Mann suchen.

Jeder von uns muss immer wieder im Leben mit Abschied und Trauer umgehen. Jeder tut das auf seine Weise. Wie jemand sich in einer solchen Extremsituation verhält, sagt viel darüber aus, wie er sich in anderen Streßsituationen verhält. Und Dein derzeitiges Verhalten passt nicht in eine Partnerschaft von Dauer oder Familie.

25.04.2019 07:58 • x 2 #14


Tabea2018


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Zitat:
Deine Freundin weiß jetzt, dass sie im Ernstfall nicht auf Dich zählen kann, weil Du Dich ausschließlich um Dich und Deine Befindlichkeiten kümmerst und alles andere dahinter zurückstehen muss.


Das sehe ich anders. Ich hätte mir von meinem Exmann gewünscht, dass er in der Zeit meines Verlustes für mich da gewesen wäre, dass ich im Ernstfall auf ihn zählen kann.

25.04.2019 10:17 • #15



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